50 Jahre in Pennsylvania: Pearl S. Buck „Portrait Of A Marriage“

 

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Ein Hügel in Pennsylvanien, zur Linken der Delaware, ein Fluss, der sich wie ein silbernes Band hinzieht. Zur Rechten geht es hinunter zur Stadt Philadelphia. Auf dem Hügel sitzt William Barton und malt. Mit dieser Szene beginnt der Roman „Portrait of a Marriage“ von Pearl S. Buck.

  • Autorin und Buch

Die Autorin (1892 – 1973) erhielt 1938 den Literaturnobelpreis – hauptsächlich für den Roman „The Good Earth“. „Portrait of a Marriage“ erschien 1945. Die Übersetzung von Ursula von Wiese aus dem Jahr 1946 trägt den Titel „Eine Liebesehe“. Ich habe die Ausgabe vom Bertelsmann Lesering 1958. Hardcover, 232 Seiten.

  • Die Familie entsteht

Der Leser darf sich anschnallen: Das Buch hetzt durch die Jahrzehnte. Zunächst sind die Jahre der Handlung nicht benannt. Aber zu Beginn machen sich die Bartons (Williams Eltern) Gedanken darüber, „einen dieser pferdelosen Wagen“ zu kaufen. William malt derweil Bilder. Die Ausbildung in Paris bekam er von seinem Vater finanziert, der von den Dividenden seiner Eisenbahnaktien lebt. William hat zwei Geschwister. Louise heiratet einen Engländer und kommt zweimal im Jahr zu Besuch. Tom eröffnet eine der ersten „Garagen“ des Landes.

Bei einer Einkehr während eines Malausfluges begegnet William Ruth, einer Farmerstochter. William bittet sie, ihm Modell zu stehen. Das Ganze geschieht in der Küche des Hauses. Ruths Eltern sind von William wenig begeistert, den er hält sich nicht an Termine, kommt manchmal öfter, andererseits wochenlang gar nicht (wenn er gerade eine Malblockade hat).

William hat noch eine Stadtwohnung in New York angemietet. Diese dient als sein Atelier, und von hier aus verkauft er seine Bilder. Er könnte das Bild von Ruth mehrmals verkaufen, lehnt dies aber immer ab. Schließlich hängt er es in seinem Zimmer auf und betrachtet es oft stundenlang.

Ein Jahr später sind er und Ruth verheiratet. das sind die ersten 53 Seiten.

Die Jungvermählten leben zunächst in New York. William mag an der Stadt, dass er überall mit den normalen Leuten reden kann. Und er verkauft seine Bilder von Zeit zu Zeit. Geld kommt unregelmäßig rein, aber es reicht. Dennoch ist Ruth von der Unregelmäßigkeit genervt, vor allem, als sie sieht, dass  Toms Garage ganz gut läuft. Eines Tages entdeckt William, dass sein Vater die meisten Bilder gekauft hat. Und das, obwohl die Eisenbahnaktien nicht mehr soviel Dividende abwerfen wie früher. Schuld daran ist das immer stärker verbreitete Automobil.

Aber er bekommt keine Anregungen zu malen. Er malt ohnehin nur noch Ruth. William rechtfertigt sich damit, dass Millet auch häufig die gleiche Person gemalt habe. (Gemeint ist hier Jean-Francois Millet). Aber Ruth mag New York nicht, und so ziehen sie zurück in Ruths elterliches Bauernhaus. Dort gebiert Ruth 3 Kinder (Hal, Jill und Mary). William stellt seine Bilder nur noch im Ort aus.

  • Die Familie zerstreut sich

Eines Tages, am 13. Juli 1913, verschwindet Hal. Drei endlose Jahre später taucht er wieder auf, nur um seinen Eltern zu sagen, dass er sich zur Armee gemeldet hat. Er verschwindet in den ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg heiratet er eine Französin und zieht in die Umgebung von Paris, arbeitet als Taxichauffeur. Sie bekommen zwei Kinder.

Ansonsten will William mal was anders malen und Ruth für eine Zeit verlassen. Ruth ist entsetzt. Am nächsten Morgen muss sie eine läufige Kuh zum Nachbarn bringen. Dessen Stier soll die Kuh besteigen. Dabei wird Ruth schwer verletzt. William war während dessen irgendwo, um ein Landschaftsbild zu malen. Sowohl der Nachbar als auch Ruth finden Williams Verhalten unmöglich. Er sollte seiner Frau mehr zur Hand gehen.

Tochter Mary und Joel, der Sohn des Nachbarn, verlieben sich und heiraten bald darauf. Außerdem zieht Jill zu einer alten Freundin nach New York. Die entdeckt, dass Jill großartig singen kann und läßt sie ausbilden. Sie wird eine der besten Altstimmen Amerikas.

Jill, Hal und Mary sind also aus dem Haus. William malt weiter. Der Zweite Weltkrieg bricht aus. Hal und seine Frau werden von einem deutschen Bomber beim Picknick beschossen und sterben. Die Töchter der beiden werden ins nächste Schiff nach New York gesetzt und sind bald Teil von Williams und Ruths Haushalt.

Dann eines Tages erleidet William einen Herzinfarkt. Er stirbt bald darauf. Rickie, der Sohn von Tochter Mary will Opas Malkasten geschenkt bekommen. In ihm wird die Familie weiter leben.

  • Ein Blick auf 50 Jahre Mobilität

Der Leser kann die Entwicklung der Infrastruktur verfolgen. Zu Beginn ist das Pferdefuhrwerk-Geschäft von Ruths Eltern vom Automobil bedroht. Am Ende ist die Welt „durch Schnellzüge, Automobile und Flugzeuge ein engbegrenztes Gebiet geworden“. (S.217)

William und Ruth besassen nie ein Automobil. Er fuhr meist Straßenbahn oder mit dem Zug, wenn er nicht zu Fuß unterwegs war. Und die beiden ziehen vom fernen New York wieder zurück ins ländliche Idyll des heimischen Hofes. Aber um die beiden herum läßt sich die Entwicklung der Mobilität beobachten. Dabei fällt auf, dass alle wichtigen Personen ihren Lebensunterhalt aus dem Wirtschaftsfaktor Mobilität bestreiten.

Williams Vater lebt von Eisenbahnaktien. Williams Bruder Tom besitzt eine Autowerkstatt. Die Eltern von Ruth betreiben ein Fahrgeschäft mit Pferdekutschen. Sohn Hal arbeitet als Taxichauffeur und später als privater Chauffeur. Jill schließlich lebt davon, dass sie auf der ganzen Welt herumreist und Konzerte gibt.

Andererseits bekommt der Leser nichts von den anderen Reichtümern Pennsylvanias mit. Der Reichtum an Bodenschätzen spielt nur einmal eine Rolle, als William auf der Suche nach neuen Motiven ist. Wenige Kilometer östlich der Farm geht das Schieferbett, das den Bauernhof umgibt in Boden über, der Kohle und Eisen enthält. (S. 100). Doch niemand aus dem Bergbau oder der Hüttenindustrie verirrt sich in den Roman,

  •  Anmerkungen

Die Übersetzung ist manchmal altbacken „Vater kann jemanden dingen (S. 85) „, „sie lag wach, indes er schlief (S. 118)“. Oder schlicht falsch. „Garage“ ist nunmal keine „Garage“, sondern eine Autowerkstatt. Ansonsten vergehen die Jahre schnell, und manchmal schüttelt sich der Leser ob des Tempos. Die Handlung ist fast ausschließlich auf William und Ruth fokussiert, was dem Roman Struktur gibt und ihn gut lesbar macht.

Der Roman wird im Klappentext angepriesen als Lob der „Schönheit des einfachen Landlebens“. Ich hab das nicht rausgelesen. William verzichtet auf eine Karriere als Maler – sowohl ökonomisch als auch stilistisch. Williams selbst ist nicht immer glücklich damit.  Er verfolgt auch das Schicksal seiner Kinder nur noch am Rande, nachdem sie aus dem Haus sind. Und die beiden „französischen“ Enkelinnen verschwinden nach ihrer Ankunft aus der Geschichte. Da wäre mehr drin gewesen.

 

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USA 1942: „Wer war das Opfer?“ von Pat McGerr („Pick your Victim“)

Heute geht es um eine unbekannte amerikanische Krimiautorin, Patricia McGerr (1914-1985) aus Nebraska. Ihr Thema war das Spiel mit dem erzähl-technischen Rahmen des klassischen „Whodunnit“. Ihr bekanntester Roman heißt „Pick Your Victim“ aus dem Jahr 1946. Erst 31 Jahre später erschien er als Heyne-TB (128 Seiten) übersetzt von Edgar Müller-Frantz. Titel: „Wer war das Opfer?“

  • Das Setup

Das Jahr 1942. Ein paar Piloten langweilen sich auf einem Luftwaffenstützpunkt in Alaska. Ab und zu bekommen sie Pakete von Verwandten. Auf der Suche nach Informationen über das wirkliche Leben saugen sie jeden lesbaren Buchstaben in sich auf. Also werden auch die Zeitungen gelesen, die als Einwickelpapier für Geschenke dienten. Eine Kurzmeldung wird entdeckt: Ein gewisser Paul Stetson, Generaldirektor, hat einen Vorstandskollegen ermordet. Aber wer genau das Opfer ist, steht da nicht, weil das Papier zerrissen wurde.

Zum Glück kennt einer der Piloten – Pete Robbins – den Täter, also diesen Paul Stetson. Der Täter Stetson war Vorstandsmitglied einer Firma namens „ZAK“. Und Robbins war vor dem Krieg Werbetexter dieser Firma. Also kennt er die Interna der Firma und alle anderen Vorstandskollegen.

Nun schließen die Piloten einen Deal: Robbins erzählt die ganze Geschichte der Firma und anschließend wettet jeder auf einen Namen des Opfers. Es beginnt nun eine Erzählung in der Erzählung.

  • Die Anfänge

Es begann 1937 mit Bertha Harding und ihrem Verein, der „Hausfrauen-Information“. Vereinsmitglieder erhielten für 1 Dollar Jahresbeitrag eine Monatszeitschrift mit vielen Tipps, wie man einen Haushalt „mit einem Maximum an Arbeitsleistung und einem Minimum an Ökonomie führen“ könne. Das große Geld kommt über die Zweitvermarktung der Artikel an Hochglanzzeitschriften rein.

1938 lernt Bertha Harding den Überredungskünstler Paul Stetson kennen. Der hat Visionen, zu expandieren, Also erfindet er den neuen Namen ZAK. ZAK bedeutet „Zugehfrauen, Aushlifen, Köchinnen“ (hier bedaure ich, dass ich nur die deutsche Übersetzung habe). Es entsteht eine Art Personalleasingfirma für Hauspersonal. Natürlich wächst die Organisation mit. Bald gibt es unter Stetson einen Präsidenten, 7 Vice presidents sowie zwei Bevollmächtigte. Der verheiratete Stetson setzt seine Geliebte Anne Coleman und seinen Schulfreund Ray Saunders als Vice presidents ein.

Gründerin Harding ist entsetzt. Besonders gegenüber Anne Coleman entwickelt sie Neid, der später in Hass umschlägt. Stetson behandelt beide Damen paritätisch. Er achtet darauf, dass sie gleichwertige Projekte bekommen. Doch er scheitert, und die Damen werden sich bis zum Ende bekriegen.

  • Die Expansion

Die Mitgliederzahl wächst stetig, besonders New York und Pennsylvania mit dem Zentrum Harrisburgh werden mit regelmäßigen Vortragsreisen der Vice presidents umworben.

Stetson hingegen reist nach Kalifornien. Dort gewinnt er Loretta Knox für die Firma. Sie ist eine Vorkämpferin für die Rechte der arbeitenden Frau, arbeitet ehrenamtlich, ist aufdringlich und unsympathisch. Und sie herrscht über einige Frauenorganisationen in Kalifornien. Damit vergrößert sich der Mitgliederstand schlagartig. Zur Belohnung wird sie Vice President. Bei einem Kongress in Chicago erreicht Loretta Knox mit ihrem Mitgliedern eine Kampfabstimmung, um sich zum president hochzuputschen. Aufgrund diverser Winkelzüge Stetsons verliert sie.

Teils als Strafe, teils um einfach nur Ruhe vor ihr zu haben, wird sie für die gesamten Staaten westlich von Missouri zuständig. Dort ist sie weit genug weg, um keinen Schaden in der Zentrale anzurichten. Geographie als Führungsinstrument.

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StepMap Pick Your Victim

Es gibt noch eine Neuerung: Ein Kontakt in das Repräsentantenhaus fehlt. Die Lösung naht in Gestalt von Harold Sullivan. Er wird Lobbyist. Darf aber nicht so genannt werden. Er informiert die Abgeordneten über Themen, die die Kunden der ZAK betreffen (Sicherheitsvorschriften für Elektrogeräte, Sozialversicherungsbeiträge). Mit ihm will Stetson seine Vision einer Akademie „West Point für Hausfrauen“ verwirklichen.

Ein Gesetzesvorschlag wird eingebracht, ein öffentliches Hearing folgt. ZAK erhält viel Aufmerksamkeit. Die Abstimmung wird aber ein Desaster. Noch auf den Treppen des Kapitols streiten sich Sullivan, Harding, Stetson und der Marketing-Chef Whipple. In dem ganzen Trubel wirft Stetson Whipple die Stufen des Kapitals runter. Pete Robbins darf nun 10 Wochen lang seinen Chef vertreten.

  • Der Niedergang

Auf einem anderen Terrain wird Stetson zu einem Risiko: Er ist hinter jeder Stenotypistin her. Sobald Anne Coleman jeweils davon Wind bekommt – und sie bekommt jedes Mal davon Wind -, wird die jeweilige Stenotypistin entlassen. ZAK ist aber dermaßen bekannt geworden, dass eine einzige Indiskretion die Firma in ihren Grundfesten erschüttern würde.

Die Falle wird gestellt in Form der „kurvenreichen Blondine“ Nancy. Nancy ist Sekretärin des Finanzchefs Biggers. Stetson lädt Nancy für eine Nacht in ein Hotel ein. Diese Nacht wird turbulent. Schnell geht das Gerücht um, Bingers sei auf dem Weg ins Hotel, um Stetson zur Rede zu stellen. Robbins wiederum will seinen Chef vor Biggers‘ Zorn schützen und eilt auch in das Hotel.

Im Hotel aber ist keine Nancy, dafür Frau Stetson mit Anwalt. Saunders hatte die beiden informiert, um Frau Stetson mit Material für ihre Scheidung zu füttern. Der Leser erfährt jetzt, dass Biggers zuvor schon im Hotel aufgetaucht war und seinen Chef über die Intrige informiert hat. Da traf er auch Nancy an, die sich schnell anzog und von Biggers nach Chicago gefahren wurde. Am Ufer des Michigansees wurde sie mit einem dicken Scheck ausgesetzt. Und das Image von ZAK war gerettet.

Stetson lädt daraufhin die Belegschaft zur einem Bootsausflug auf den Potomac. Zwischen Stetson, Saunders und Harding entsteht Streit, und bald schwimmen Saunders und Harding im Fluss. Niemand hat gesehen, warum. Kurz danach wird Robbins zur Air Force einberufen.

  • Die Wette

Die Piloten geben ihre Wetten ab. Die Erzählung von Robbins liefert viele Mordmotive. Nur zwei tippen auf das richtige Opfer.

Stetson und Harding stritten sich um die weitere Strategie von ZAK, Harding versuchte Stetson mit ihrem Wissen erpressen, und die Situation geriet außer Kontrolle. Den Rest erledigte ein zufällig herumliegender Schal am Hals der Harding.

  • Bemerkungen

Als Krimi ist das Buch sehr lahm. Der Mörder ist verhaftet, das Opfer tot, und das Motiv eigentlich egal. Wichtig ist das alles nur für eine 200-Dollar-Wette gelangweilter Piloten. Da kommt keine Spannung auf.

Trotzdem ist die Erzählung interessant konstruiert: Es gibt viele mögliche Opfer, deswegen werden alle Figuren gleichwertig behandelt. Jede Figur bekommt ihr Kapitel, und so legt die Autorin einige falsche Fährten. Interessant ist auch der Teil, in dem die Intrige zum Niedergang Stetsons Stück für Stück eingefädelt wird.

Alles in allem schwankt der Roman zu sehr zwischen Krimi und Slapstick. Der prügelnde Stetson, die polternde Loretta und der Personalauflauf im Hotelzimmer geben eher Stoff für eine deftige Komödie ab. Doch ein tageslichttauglicher Klamauk ist es allemal.

USA 1916 – Entwurzelt zwischen Frauen und Seilen – „Champion“ von Ring Lardner

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(Quelle Filmplakat: wikipedia) Eine Kurzgeschichte aus der vor einigen Wochen bereits besprochenen Box-Anthologie hat es mir besonders angetan, auch weil sie eindrucksvoll verfilmt wurde. Im Original heißt der Film „Champion“ und hat einen anderen Schluss als die literarische Vorlage. Außerdem wurde die Handlung in andere Städte der USA verlegt. Der deutsche Titel lautet „Zwischen Frauen und Seilen“. Es war 1949 die erste große Rolle von Kirk Douglas.

Literarische Vorlage ist die Kurzgeschichte „Champion“ aus dem Jahr 1916. Verfasst wurde sie von Ring Lardner. Lardner (1885 – 1933) war amerikanischer Sportreporter, dessen Reportagen und sportbezogene Geschichten in den USA erfolgreich waren.

  • Die Geschichte

Midge kommt aus üblen Verhältnissen in Milwaukee. Er beschafft sich ein wenig Geld, indem er seinen verkrüppelten Bruder ausraubt.  Bald darauf wird er Profiboxer. Für seinen ersten Kampf bekommt er 12 Dollar. Dafür darf er Fallobst vermöbeln. Für weitere 75 Dollar darf er im Laufe seiner beginnenden Karriere absichtlich verlieren. Bald heiratet er die Schwester seines Managers, verprügelt sie in der Hochzeitsnacht und verschwindet schließlich nach New Orleans.

Dort hat er einen neuen Manager an Land gezogen, und auch eine teure Geliebte. Außerdem trainiert er sechs Monate lang für einen Meisterschaftskampf, den er gewinnt. Um sich nun weiter Geld zu verdienen, zieht er nach Chicago, wo er in Varietees auftritt und weiter nach Detroit. Seine Geliebte überredet ihn dazu, seinen Manager zu feuern und einen neuen zu engagieren. Sie erhofft sich von ihm mehr Geld. Also feuert Midge seinen Manager und engagiert einen neuen, der mehr Geld einbringt.

Champion von Ring Lardner
Großes Landkarten Verzeichnis auf stepmap.de

StepMap Champion von Ring Lardner



Bald darauf nimmt die Geschichte eine neue Wendung: Midge verlässt seine Geliebte und brennt mit der Frau des neuen Managers durch. Er heiratet sie ebenfalls. Das Geld für die Scheidung von seiner ersten Frau – die immer noch in Milwaukee sitzt – spart er sich, weil von der Ehe niemand etwas weiß.

Logischerweise benötigt Midge jetzt wieder einen neuen Manager. Und der macht seinen Job richtig gut. Er bringt Midge nach New York. Vor einem großen Kampf kommt ein Journalist ins Camp. Der Manager tischt dem Journalisten die Geschichte eines fürsorglichen Familienvaters auf. Der habe seine Familie irgendwo in Kanada und möchte möglichst schnell immer wieder zu ihr zurück. Ein Zeitungsartikel erscheint. Migdes Frau in Milwaukee und auch Midges Mutter können sich keine Zeitung leisten, Midges andere Frau erfährt davon nichts.

Midge ist Champion. Keine Redaktion würde sich jetzt für die Wahrheit interessieren.

  • Bemerkungen

Es ist die Geschichte, die von den übelsten Abgründen handelt. Und davon, wie eine gescheiterte Existenz sich mit viel Egoismus und der Hilfe geschäftstüchtiger Leute zu einem erfolgreichen Mann aufbauen lässt. Midge ist heimatlos, weder menschlich noch regional  verwurzelt, und man ahnt, dass er wieder scheitern wird.

  • Oscars

„Champion“ bekam 1950 einen Oscar für den besten Schnitt. Kirk Douglas erhielt seine erste Oscar-Nominierung. Zwei weitere folgten, einen Oscar bekam er nie. Noch übler traf es Arthur Kennedy. Es war seine erste von vier erfolglosen Nominierungen als supporting actor. Dimitri Tiomkin hatte bereits fünf erfolglose Nominierungen, bevor er mit „Champion“ zu seiner sechsten – ebenfalls erfolglosen – kam. Zwei Jahre später räumte er mit „High Noon“ ab. Ring Lardners Sohn steuerte später die Drehbücher von Cincinnati Kid und MASH bei.

Boxen in New York – Hemingway, Irwin Shaw, Djuna Barnes – 3 Erzählungen

Harte Bandagen

Also eigentlich boxen Menschen ja miteinander, seit es Menschen gibt. In adligen Kreisen Englands wurde Boxen dann seit dem 17. Jahrhundert zu einem kultivierten Sport in der Form des modernen Faustkampfs entwickelt.

Seither waren auch viele Autoren vom Boxsport fasziniert und haben in der einen oder anderen Form darüber geschrieben. Einige dieser Werke sind in der Anthologie „Harte Bandagen“ zusammen gefasst. Der Einband des Taschenbuches aus dem Jahr 1997 zeigt ein Ölgemälde von George Bellows, „Stag at Sharkey’s“ aus dem Jahr 1909. In Analogie zur Struktur eines Boxkampfes (12 Runden, 11 Pausen) enthält das Buch 12 Erzählungen und 11 Gedichte, darunter von Camus, Brecht, Thomas Mann.

Speziell dieser Sport ist heute nicht mehr mit dem Adel und auch nicht mit England assoziiert. Der soziale und ökonomische Kontext des Boxsports weist in die USA. Im genannten Buch finden sich mehrere Texte, die in und um New York spielen.

  • „Fifty Grand“ von Hemingway (1927)

„Fifty Grand“ gehört zu den selten genannten und besprochenen Stories von Ernest Hemingway. Man könnte den Titel so etwa „Fuffzich Riesen“ übersetzen. Die Erzählung liegt in der – schlechten – Übersetzung von Horschitz-Horst vor und ist etwas merkwürdig mit „Um eine Viertelmillion“ betitelt. Die Geschichte hat viele Facetten. Eine davon ist eine Wette.

Jack Brennan ist ein Mittelgewichtsboxer, bislang erfolgreich, doch nun eher am Ende seiner Karriere. Der Leser erfährt außerdem, dass Jack außerhalb des Rings geschäftstüchtig ist. Er schläft schlecht aus Sorge um seinen Besitz. Noch hat er den Gürtel des Weltmeisters, aber Walcott, ein Tscheche mit amerikanisiertem Künstlernamen, fordert ihn heraus. Jack trainiert „drüben in Jersey„. Er wird begleitet von seinem langjährigen Freund Jerry Duncan. Jerry ist der Ich-Erzähler der Geschichte. Jack hasst das Trainingslager. Er weiß, dass er verlieren wird, sofern beide Boxer ihr bestes geben. Nach dem Besuch zweier zwielichtiger Geschäftsleute verrät Jack dem Ich-Erzähler, dass er die titelgebenden 50.000 Dollar auf den Sieg seines Gegners gewettet hat.

Der Kampf findet im „Garden“ statt. Das ist offensichtlich der Madison Square Garden – Horschitz-Horst übersetzt allen Ernstes mit „Sportpalast“. Der Fight – von Hemingway fachkundig und dramatisch geschildert – geht über die volle Distanz von 12 Runden. Jack beginnt stark, wird aber immer schwächer, steht kurz vor der erwarteten Niederlage, als Walcott ihm einen Tiefschlag versetzt. Das hätte Jacks Sieg zur Folge. Also quält sich Jack über das Anzählen hinweg, torkelt wieder auf Walcott zu, setzt ein paar Treffer, und setzt schließlich selbst einen Tiefschlag. So garantiert er seine Niederlage und rettet seine 50000 Dollar plus Gewinn. Es ist eine Geschichte über einen Mann, der um einen moralischen Sieg kämpft. Seine Niederlage muss er sich auf die allerhärteste Tour erarbeiten.

  • „I stand by Dempsey“ von Irwin Shaw (1939)

Die Kurzgeschichte „Ich bin für Dempsey“ wurde am 11. März 1939 in der Zeitschrift „The New Yorker“ veröffentlicht. Der Autor wurde in den 50er Jahren als Drehbuchautor berühmt, zum Beispiel für „Krieg und Frieden“ mit Henry Fonda und Audrey Hepburn. Worum geht es?

Die Freunde Gurske und Flanigan sehen sich um Madison Square Garden einen beliebigen Kampf im Schwergewicht an. Gurske ist enttäuscht („Nicht ein Tropfen Blut“) und meint, dass Dempsey alle auf die Bretter gelegt hätte. Flanigan widerspricht, denn er ist ein Fan von Joe Louis. Die beiden streiten sich im Taxi („du 120-Pfund-Napoleon“), streiten sich in der Bar, gehen in einen Tanzsalon nach Midtown Manhattan, streiten dort weiter, prügeln sich, Gurske liegt schwer getroffen auf dem Parkett des Tanzsalons. Endlich ist auch er ein Fan von Louis. Das ist die ganze Geschichte.

Hm. Die Handlung ist pubertär. Zwei Männer prügeln sich um eine Meinung, und der Verlierer nimmt die Meinung des Gewinners an. Aber Shaws Erzählstil ist turbulent, viele Dialoge, viel Bewegung, man steht immer direkt im Geschehen. Besonders köstlich aus der Sicht eines europäischen Lesers: Jemanden als Napoleon zu titulieren, um ihn zu beleidigen. Ich hätte gewettet, dass es nicht funktioniert und hätte verloren.

  • “My Sisters and I at a New York Prizefight” von Djuna Barnes (1914)

Djuna Barnes war eine amerikanische Journalistin und Schriftstellerin.  Sie war dem Boxsport verbunden. 1928 führte sie ein langes Interview mit Jack Dempsey. Bereits 1914 schrieb sie ihren journalistischen Text „Meine Schwestern und ich bei einem Preisboxkampf“, hier übersetzt von Karin Kersten. Die Erzählung spielt nicht in den großen Hallen, wir begleiten die Autorin in einen Athletic Club in Far Rockaway. Das liegt eine halbe Stunde Zugfahrt außerhalb Manhattans auf Long Island. Der Text dreht sich um Frauen als Boxzuschauer.

Sie zahlen verlegen ihre zwei Dollar Eintritt, bewundern die Schönheit der Kämpfer, befingern ihre Kettchen, fiebern mit, lassen sich von der Atmosphäre mitreißen. An einem Abend mit sechs Kämpfen ist es „nicht der Boxer, der grauenerregend ist, sondern die Menge, die kein Erbarmen kennt“. Der Hauptkampf schließlich ist langweilig. Barnes beobachtet die Frauen um den Ring, sie fächern, murmeln gleichgültige Dinge und feuern die Kämpfer mit derben Sprüchen an. Was fasziniert Frauen am Boxkampf, fragte Barnes zu Beginn ihres Textes. Am Ende gesteht sie ihre Ratlosigkeit ein.

  • Nach dem Schlußgong

Drei Geschichten, die die ganze Bandbreite dessen abdecken, was das Boxen für Autoren so reizvoll macht. Eben auch die dramatischen Geschichten außerhalb des Rings. Da gibt es wirklich alles: Gewinner, Verlierer, Wetten, manipulierte Kämpfe, gescheiterte Existenzen und Egoismus.

  • Mitteilung aus dem Trainingscamp

Und noch eine kleine Änderung: Ich werde die Karten  nicht mehr im Titel durchnumerieren. Der Leser hat nichts davon, ich gewinne mehr Platz für inhaltsbezogene Überschriften, und die Statistik kann ich auch auf der Seite „Über diesen Blog“ fortführen.
http://www.boxen.com/boxen-von-a-z/boxregeln.html

Eislaufen in Vermont: Die Dame mit den Nelken

Ich hatte ja schon einmal ein flaches Buch von A.J. Cronin vorgestellt. Nun also seine zweite Chance: „Die Dame mit den Nelken“ aus dem Jahr 1939.  Ich habe die Lizenzausgabe aus dem Jahr 1954 mit 234 Seiten. Die Geschichte ist zeitgenössisch, Orte der Handlung sind London, Manchester, New York und Vermont.

  • Das Setup

1532 malte Holbein das Bild „Die Dame mit den Nelken“. Zusätzlich stellte er für die Modell sitzende Mademoiselle eine Miniatur fertig. Die Londoner Kunsthändlerin Katherine Lorimer ersteigert genau diese Miniatur. Sie bezahlt auf Kredit und will das Bild an einen bekannten amerikanischen Sammler weiter verkaufen. Dabei ist sie eigentlich pleite. Die Zeit drängt also, die Gläubiger noch nicht. Damit beginnt ..

  • Die Geschichte

Katherines Nichte Nancy Sherwood ist Schauspielerin und verlobt mit Chris Madden, dessen Reichtum sich auf das Erbe eines Klebstoff-Patents gründet. Katherines Mutter gibt in ihrem Haus in Wimbledon eine Gesellschaft für einige im Kulturleben wichtige Personen. Nancy und Chris sind eingeladen, Nancy sagt ab, weil sie kränkelt und kurz vor einer Theaterpremiere steht. So lernt Katherine also Chris Madden kennen. Abends hören sie in Mrs. Lorimers Haus ein Hörspiel mit Nancy, die – zu aller Überraschung – für eine noch kränkere Kollegin einsprang. Am nächsten Morgen fahren Nancy und Chris nach Manchester, wo die Theaterpremiere statt findet. Chris fährt jedoch vorzeitig aus geschäftlichen Gründen nach London zurück. Er trifft Katherine zum Essen, anschließend gehen sie durch London, besuchen die Operette Gilbert und Sullivan und erhalten abends ein Telegramm von Nancy. Die Premiere war ein Flop. Katherine schlägt dem befreundeten Bühnenautor Sam Braden vor, für Nancy ein Stück zu finden, damit sie wieder erfolgreich wird. Sam Braden willigt ein.

Nun geht es mit dem Schiff nach New York. Katherine mit der Miniatur, die sie verkaufen will. Nancy, weil ihr ein wenig Abwechslung gut tut. Und Chris wegen Nancy. Außerdem muss er sowieso mal wieder heim in seinen Heimatort Graysville in Vermont. Nancy und Katherine sollen seine Mutter kennen lernen, da demnächst auch Nancys Heirat mit Chris ins Haus steht. In New York wird Katherine von einigen Fotografen empfangen. Aus unklaren Gründen ist sie dort berühmt, und der Ruf des Holbein eilte ihr voraus. Sie trifft Herrn Breuget, der ihre Interessen in New York vertritt. Der hat bereits Kontakt mit einem potentiellen Käufer des Bildes geknüpft. Bis zu seinem Eintreffen geht es nach Vermont, zu Chris Maddens Landhaus.

Dort, in Vermont fühlt sich Nancy zunehmend unwohl, während Katherine in Chris‘ Gegenwart aufblüht. Sie gehen Eislaufen, und Katherine und Chris kommen sich immer näher. Schließlich gestehen sie sich ihre Liebe. Inzwischen ist der potentielle Käufer der Holbein-Miniautur tödlich verunglückt. Katherine steht nun einer drohenden Pleite gegenüber. Zum Glück kann Breuget kurzfristig einen anderen Käufer auftreiben, so dass die finanziellen Schwierigkeiten abgewendet sind.

Katherine trifft nun Chris wieder. Sie diskutieren lange darüber, ob sie ihre Liebe öffentlich machen sollen, oder doch besser ihre Freundschaft beenden sollen. Sie wissen nicht, ob und wie Nancy die Information verkraften wird. Nancy jedoch hört zufällig ein paar Gesprächsfetzen mit. Am nächsten Tag ist in New York Premiere ihres neuen Stückes. (Das ging aber schnell, denke ich mir. Aber ich habe nicht ganz verstanden, wie lange der Amerika-Aufenthalt dauert). Das Stück ist ein überwältigender Erfolg. Mit diesem Erfolg im Rücken bittet sie Chris, die Verlobung zu lösen. Sie möchte sich lieber ihrer Laufbahn als Schauspielerin widmen. Chris und Katherine fahren mit dem nächsten Schiff nach Europa zurück. Chris gesteht Katherine seinen Reichtum, Er war es auch, der die Holbein-Miniatur gekauft hat, die er ihr nun wieder zurückschenkt.

Nancy, die inzwischen von einem Film-Magnaten langfristig verpflichtet wurde, wünscht beiden viel Glück.

  • ein paar Gedanken

Schön und kitschig. Die Geschichte laviert zwischen spannender Wirtschaftsstory (es war in den angelsächsischen Ländern immerhin die Zeit der Weltwirtschaftskrise) und kitschiger Dreiecks-Love Story. Ich habe nach den ersten Seiten erwartet, dass es um alte Kunst ginge und den Handel damit. Die Kunst ist aber nur der Gimmick für die Love-story, die schnell Oberhand gewinnt. Wenn der Autor den Leser derart in die Irre führt, dann kann sowas gut gehen. Hier tut es das nicht. Allerdings ist das Buch bis zum totalen Happy-End schnell gelesen. Der zeitliche Rahmen ist stramm (Hochzeitsvorbereitungen, Premiere und Bild verkaufen innerhalb einer Woche, die Leute sind unrealisitisch perfekt organisiert). Und der Übersetzer hat manchmal gehunzt. Als es heißt dass „Chris‘ Auge auf Katherine fiel“, dann sieht man in Gedanken einen Tischtennisball. Zwei Seiten später spielen sie wirklich Tischtennis, das ist unfreiwillig komisch.

Ansonsten wird die Kälte in Vermont schön beschrieben. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

New York – Südschwarzwald und zurück. New Yorker Legende

Louis Bromfield, „New Yorker Legende“. Der Roman wurde 1939 in dem Band „It Takes All Kinds“ zusammen mit anderen Texten veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe ohne Jahresangabe, vermutlich ca. 1980, hat 126 recht groß bedruckte Seiten. Ein Umschlagfoto zeigt eine junge Frau mit langen Haaren, sie scheint in Bewegung zu sein, vielleicht zu tanzen. Die äußere Aufmachung erweckt den Eindruck eines oberflächlichen Unterhaltungsromans. Mir war gerade danach, also ran. Doch es kam anders. Der Reihe nach.

  • Das Setup

New York. Die 1890er Jahre. Das ist die Zeit als von dort aus Woolworth Christbaumkugeln bestellt hat. Und es ist die Zeit, in der in Europa die Kernphysik begann. Der Ich-Erzähler William berichtet von seinem Großvater, einem Anwalt, der vor Jahrzehnten von dem Finanzjongleur Michael Denning ruiniert wurde. Williams Tante Sarah heiratete Denning später und bekam einen Sohn, Ogden. Ogden ist also der Vetter des Erzählers, beide wuchsen eng miteinander auf.

Das Haus in New York, in dem Ogden lebte, steht nicht mehr. Eine der vielen Sanierungen fegte über es hinweg. Damit beginnt die rückblickende Erzählung dessen, was darin geschah.

  • Die Geschichte

Nach Michael Dennings Tod fahren seine Witwe Sarah und sein Sohn Ogden nach Europa. Etwa zur gleichen Zeit, doch unabhängig davon auch der Erzähler. Er geht für 10 Tage nach Freiburg, von wo aus er in den Schwarzwald wandert. Er erreicht Bad Münster. Dort begegnet er mehrmals kurz einer Frau, die mit ihrem Freund urlaubt, wie sich herausstellt incognito. Ihre Ausstrahlung fasziniert William derart, dass er sie nie wieder vergessen wird. Bei seiner Rückkehr nach Amerika erfährt William, dass Tante Sarah tödlich verunglückte. Ogden treibt sich noch drei Jahre lang in Nizza und Umgebung herum, bevor er in sein Elternhaus nach New York zurück kehrt. Er lädt William ein, um ihm seine Frau Elena vorzustellen.

Elena ist die Frau von damals im Schwarzwald. Ogden hat sie in Nizza aufgegabelt, als sie gerade von ihrem Geliebten verlassen wurde. Der nämlich war der Erbe des fiktiven Fürstentums Hohenstein und durfte nur eine adlige Frau heiraten.

Ogden bietet Elena gesellschaftliche Anerkennung und baut das Haus im Stile des österreichischen Barock um. Das tut er jedoch nicht seiner Frau zuliebe, sondern um die Erinnerung an seinen verhaßten Vater zu zerstören. William ist nur selten mit Elena allein. Bei diesen Begegnungen baut sich Stück für Stück eine Verliebtheit auf, schließlich beginnen sie eine Affäre. Elena zerstreut Williams Skrupel. Ihre zwielichtige und lebensfreudige Freundin Kate dient dabei als Alibi.

Bald darauf entzieht sich Elena William wieder und wird unnahbar. Sie verschwindet mitunter für einige Tage, und nicht einmal Kate weiß, wo sie sich aufhält. Bei dem großen Brand des Hotels Windsor im Jahr 1899 wird William hinzu gerufen, um seinen Onkel zu identifizieren. Auch Elena ist unter den Todesopfern. Mit ihr wird der Leichnam eines unbekannten Mannes entdeckt. Nur William weiß, dass er ihr Freund ist, dem er im Schwarzwald begegnet ist. In Hohenheim wird er als verschollen gelten.

  • Meine Gedanken dazu

Das Buch steckt voller Überraschungen. Die Geschichte ist erzählt aus der Perspektive des Siegers, der mit liebevoller Gelassenheit den Verlierer beschreibt. Aber auch aus der Perspektive des Lebenserfahreneren. Ogden wird dargestellt als jemand, der lediglich gelernt hat, seinen Reichtum zu genießen und auszugeben, dabei jedoch kaum Rückgrat besitzt.

William weiß aber auch, dass ihm sein Sieg nichts gebracht hat. Er vergleicht Elenas Leben mit einer griechischen Tragödie, in der die Frau die Menschen um sie herum in den Abgrund reißt. Das alles ist nachvollziehbar und wird konsequent durchgehalten. Elenas Aussehen wird nie direkt beschrieben, sondern ihre Kleidung, ihr Schmuck und vor allen Dingen immer wieder ihre Körpersprache. Das Zusammentreffen der Personen (Wiedersehen mit Elena, der Aufenthalt im Windsor) besteht aus unglaubwürdigen Zufällen. Sie ermöglichen dem Autor aber, Elenas Abwenden von William erzählerisch souverän zu handhaben. Spannend ist auch der Gegensatz zwischen dem wild-natürlichen Schwarzwald und dem wild-turbulenten New York, der anhand der Menschen beschrieben wird. Empfehlenswert.