Karten # 5 & # 6: Weihenstephan und Bitburg im Mittelalter: Hopfenbier und andere Revolutionen

In einigen der letzten Bücher spielte Wein eine Rolle. Zeit für ein wenig Abwechslung. Und natürlich habe ich den Text dazu: Der Bierzauberer von Günther Thömmes aus dem Jahr 2008 mit 374 Seiten.

  • Das Setup

Niklas wurde im Jahre 1248 in Franken geboren, als Sohn eines unfreien Bauern. Er hilft seiner Mutter gerne im Haushalt beim Bierbrauen, einer sehr schweren Arbeit. Eines Tages begegnet er einem Mann, der seinen Jungen im nahe gelegenen Kloster Urbrach abgeben möchte. Niklas schnappt die beiläufige Bemerkung auf, dass dort gutes Bier gebraut wird. Ab diesem Tag nervt er seinen Vater, dass er auch ins Kloster möchte. Mit 14 Jahren kommt er schließlich ebenfalls nach Urbrach. Damit beginnt seine Karriere als der beste Bierbrauer seiner Zeit.

Die Landkarte dazu. Die Reihenfolge der Stationen in der Geschichte ist blau-rot-grün.

  • Die Geschichte in den Klöstern

Niklas lernt zunächst viel über Getreide, er studiert Techniken des Brauens großer Mengen. Immerhin müssen viele Mönche das ganze Jahr über mit Bier versorgt werden. Die Biere sind Kräuterbiere. Je nach Zweck werden unterschiedliche Kräuter beigemischt, so dass ein Bier bekömmlich, durstlöschend oder heilend ist. Jedes Frühjahr gibt es dann das immer gleiche Problem: Die Kühlung des Bieres wird immer schwieriger. Bis dann – O Schreck – das Bier verdirbt. Eines Tages verkauft ein Händler dem Kloster etwas Hopphakraut. Das damit testweise gebraute Bier schmeckt bitterer als die Kräuterbiere, ist jedoch länger haltbar. Es entsteht ein Streit unter den Brüdern, am Ende setzt sich das Hoppha-Bier durch.

Der Klosterbraumeister verunglückt tödlich. Er stürzt kopfüber in den Bottich mit heißer Maische. Niklas, dem der Unfall von einigen Brüdern angelastet wird, verläßt das Kloster und zieht nach Weihenstephan. Dort wird seit Jahrhunderten mit Hopfen gebraut. Neues Problem: Der gelagerte Hopfen verliert schnell an Geschmack. Niklas gelingt es nach vielen Experimenten, Hopfen haltbarer zu machen. Das größte Problem besteht aber darin, die Maische abzukühlen. Das sollte stets so schnell wie möglich geschehen. Niklas erfindet das Kühlschiff. Das ist ein breiter, jedoch nur eine handbreit tiefer Behälter. Da hinein wird der Inhalt des Maischekessels gekippt. So kühlt die Maische schnell ab, und der Gärungsprozess kann zum optimalen Zeitpunkt beginnen.

1270 wird Weihenstephan von einem schweren Erdbeben weitgehend zerstört. Niklas zieht daraufhin nach St. Gallen weiter. Die Klosterbrauerei ist ein Großbetrieb mit drei Produktionsstätten, der täglich über 2000 Krüge verschiedener Qualitäten produziert. Für jeden Arbeitsschritt gibt es eigene Eisenkessel, Niklas lernt den Umgang mit Pech zur Abdichtung der Fässer. Später übernimmt er eine der drei Produktionsstätten, und zwar die des schrulligen Mönches Reginald. Niklas findet heimlich heraus, dass Reginald seine Kammer zur Giftmischerei umgebaut hat. Tatsächlich sterben ab im Kloster – es ist 1273 – immer mal wieder Menschen an Vergiftungen.

Reginald droht Niklas offen, ihn an die Inquisition zu verraten, worauf Niklas den Abt um Entlassung bittet. Auf der Heimreise findet er ganze Landstriche, auch sein Heimatdorf, von der Pest verwüstet. Heimatlos geworden, zieht er nach Regensburg, übernimmt eine Klosterschänke und heiratet Maria, die Tochter eines Handelskaufmannes.

  • Pause

Es gibt „Braces“. Einer der Klosterbrüder, ein Bäcker, sah seine Mitbrüder, wie sie mit verschränkten Armen auf Bier warteten. Diese verschränkten Arme inspirierten ihn zu einem Backwerk, das noch heute gerne zu Bier gereicht wird.

  • Weiter mit der Geschichte als Bürger

Die Klosterschänke in Regensburg floriert. Niklas ist jedoch noch immer im Stande eines Unfreien und möchte das ändern. Eines Tages besucht Albertus Magnus seine Braustube und erzählt vom Kölner Biersteuerstreit, den er – Albertus Magnus – zwischen dem Bischof und den Kölner Bürgern geschlichtet hat. Außerdem meint er, dass Niklas in Köln gute Chancen hätte, ein reicher Mann zu werden. Um sich auf die Tücken eines Leben als Freier Mann vorzubereiten, zieht Niklas jedoch zunächst nach Bitburg in die Eifel. Er läßt sich vom Rat der Stadt die Bürgerrechte vegeben. Er baut sich eine Brauerei und eröffnet mehrere Braustuben. In Holsthum gewinnt Niklas einen Hopfenbauern als Lieferanten. Das Geschäft floriert. Vor allen Dingen muss er schmerzhaft lernen, dass er nun Abgaben und Steuern zu entrichten hat. Es gibt Getreidesteuer für den Einkauf von Getreide, Büttensteuer für jedes verkaufte Fass, Biersteuer für den Ausschank und Malzsteuer für das Mälzen. Der Einfachheit halber sitzt Niklas im Sommer einmal im Schuldturm.

In Bitburg hat er außerdem einen Konkurrenten, Peter de Foro, der ordentlich Stimmung gegen ihn und sein Bier macht. Entnervt verkauft Niklas schließlich seine Brauerei für viel Geld an seinen Konkurrenten. Mit diesem Geld und seiner Familie macht sich Niklas nun auf nach Köln.

Diese Geschichte – und was sonst noch passiert – folgt nächste Woche. Hier noch die Orte der Handlung in Bitburg

Bitburg

Hopfenanbau in der Eifel

Die sehr gute Website der Brauerei Weihenstephan

Und noch was zu den Braces

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Eislaufen in Vermont: Die Dame mit den Nelken

Ich hatte ja schon einmal ein flaches Buch von A.J. Cronin vorgestellt. Nun also seine zweite Chance: „Die Dame mit den Nelken“ aus dem Jahr 1939.  Ich habe die Lizenzausgabe aus dem Jahr 1954 mit 234 Seiten. Die Geschichte ist zeitgenössisch, Orte der Handlung sind London, Manchester, New York und Vermont.

  • Das Setup

1532 malte Holbein das Bild „Die Dame mit den Nelken“. Zusätzlich stellte er für die Modell sitzende Mademoiselle eine Miniatur fertig. Die Londoner Kunsthändlerin Katherine Lorimer ersteigert genau diese Miniatur. Sie bezahlt auf Kredit und will das Bild an einen bekannten amerikanischen Sammler weiter verkaufen. Dabei ist sie eigentlich pleite. Die Zeit drängt also, die Gläubiger noch nicht. Damit beginnt ..

  • Die Geschichte

Katherines Nichte Nancy Sherwood ist Schauspielerin und verlobt mit Chris Madden, dessen Reichtum sich auf das Erbe eines Klebstoff-Patents gründet. Katherines Mutter gibt in ihrem Haus in Wimbledon eine Gesellschaft für einige im Kulturleben wichtige Personen. Nancy und Chris sind eingeladen, Nancy sagt ab, weil sie kränkelt und kurz vor einer Theaterpremiere steht. So lernt Katherine also Chris Madden kennen. Abends hören sie in Mrs. Lorimers Haus ein Hörspiel mit Nancy, die – zu aller Überraschung – für eine noch kränkere Kollegin einsprang. Am nächsten Morgen fahren Nancy und Chris nach Manchester, wo die Theaterpremiere statt findet. Chris fährt jedoch vorzeitig aus geschäftlichen Gründen nach London zurück. Er trifft Katherine zum Essen, anschließend gehen sie durch London, besuchen die Operette Gilbert und Sullivan und erhalten abends ein Telegramm von Nancy. Die Premiere war ein Flop. Katherine schlägt dem befreundeten Bühnenautor Sam Braden vor, für Nancy ein Stück zu finden, damit sie wieder erfolgreich wird. Sam Braden willigt ein.

Nun geht es mit dem Schiff nach New York. Katherine mit der Miniatur, die sie verkaufen will. Nancy, weil ihr ein wenig Abwechslung gut tut. Und Chris wegen Nancy. Außerdem muss er sowieso mal wieder heim in seinen Heimatort Graysville in Vermont. Nancy und Katherine sollen seine Mutter kennen lernen, da demnächst auch Nancys Heirat mit Chris ins Haus steht. In New York wird Katherine von einigen Fotografen empfangen. Aus unklaren Gründen ist sie dort berühmt, und der Ruf des Holbein eilte ihr voraus. Sie trifft Herrn Breuget, der ihre Interessen in New York vertritt. Der hat bereits Kontakt mit einem potentiellen Käufer des Bildes geknüpft. Bis zu seinem Eintreffen geht es nach Vermont, zu Chris Maddens Landhaus.

Dort, in Vermont fühlt sich Nancy zunehmend unwohl, während Katherine in Chris‘ Gegenwart aufblüht. Sie gehen Eislaufen, und Katherine und Chris kommen sich immer näher. Schließlich gestehen sie sich ihre Liebe. Inzwischen ist der potentielle Käufer der Holbein-Miniautur tödlich verunglückt. Katherine steht nun einer drohenden Pleite gegenüber. Zum Glück kann Breuget kurzfristig einen anderen Käufer auftreiben, so dass die finanziellen Schwierigkeiten abgewendet sind.

Katherine trifft nun Chris wieder. Sie diskutieren lange darüber, ob sie ihre Liebe öffentlich machen sollen, oder doch besser ihre Freundschaft beenden sollen. Sie wissen nicht, ob und wie Nancy die Information verkraften wird. Nancy jedoch hört zufällig ein paar Gesprächsfetzen mit. Am nächsten Tag ist in New York Premiere ihres neuen Stückes. (Das ging aber schnell, denke ich mir. Aber ich habe nicht ganz verstanden, wie lange der Amerika-Aufenthalt dauert). Das Stück ist ein überwältigender Erfolg. Mit diesem Erfolg im Rücken bittet sie Chris, die Verlobung zu lösen. Sie möchte sich lieber ihrer Laufbahn als Schauspielerin widmen. Chris und Katherine fahren mit dem nächsten Schiff nach Europa zurück. Chris gesteht Katherine seinen Reichtum, Er war es auch, der die Holbein-Miniatur gekauft hat, die er ihr nun wieder zurückschenkt.

Nancy, die inzwischen von einem Film-Magnaten langfristig verpflichtet wurde, wünscht beiden viel Glück.

  • ein paar Gedanken

Schön und kitschig. Die Geschichte laviert zwischen spannender Wirtschaftsstory (es war in den angelsächsischen Ländern immerhin die Zeit der Weltwirtschaftskrise) und kitschiger Dreiecks-Love Story. Ich habe nach den ersten Seiten erwartet, dass es um alte Kunst ginge und den Handel damit. Die Kunst ist aber nur der Gimmick für die Love-story, die schnell Oberhand gewinnt. Wenn der Autor den Leser derart in die Irre führt, dann kann sowas gut gehen. Hier tut es das nicht. Allerdings ist das Buch bis zum totalen Happy-End schnell gelesen. Der zeitliche Rahmen ist stramm (Hochzeitsvorbereitungen, Premiere und Bild verkaufen innerhalb einer Woche, die Leute sind unrealisitisch perfekt organisiert). Und der Übersetzer hat manchmal gehunzt. Als es heißt dass „Chris‘ Auge auf Katherine fiel“, dann sieht man in Gedanken einen Tischtennisball. Zwei Seiten später spielen sie wirklich Tischtennis, das ist unfreiwillig komisch.

Ansonsten wird die Kälte in Vermont schön beschrieben. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.