Mit dem Roller durch Tel Aviv – „Tote Kameraden“ von Katharina Höftmann

Der Kriminalroman „Tote Kameraden“ von Katharina Höftmann erschien 2015, Aufbau-Verlag, Taschenbuch 281 Seiten.

  • Die Hauptfigur

Die Hauptfigur des Romans ist der ermittelnde Kriminalkommissar Assaf Rosenthal. Als ehemaliger Soldat hat er die Angewohnheit, sich über Verantwortlichkeiten hinweg zu setzen.

Bei den Ermittlungen unterstützen ihn sein Assistent Yossi  und seine Sekretärin Zipi. Assaf wohnt in einem Apartment am Dizengoff-Platz. Der Kommissar ist – wenn er keinen Dienstwagen benutzt – in der Stadt mit seinem weißen Motorroller unterwegs (bei dem vielen Verkehr ein sinnvolles Verkehrsmittel)

Mit diesem Roller fährt er auch zum ersten Tatort: ins Hotel Florida in der Allenby-Street. In einem Zimmer liegt die Leiche einer unbekannten Frau in der Badewanne.

  • 1. Tatort

Das Hotel stellt sich als billige Absteige heraus. Merkwürdig: das Zimmer war seit Monaten nicht vermietet. Während Spusi und Gerichtsmediziner ihrer Arbeit nachgehen, fährt Assaf zu dem Besitzer des Hotels, einem Georgier in Herzliya. Der ist zwar unsympathisch, großprotzig und arrogant, aber wenig verdächtig, und die unbekannte Tote kennt auch er nicht. Auf dem Rückweg zum Auto wird Yossi von einer Ducati beinahe umgefahren. In Ermangelung weiterer Spuren findet Assaf heraus, dass es in Israel 4 Ducatis gibt, eine ist auf den Bruder des Hotelbesitzers zugelassen, eine weitere auf einen Beduinen in Beer-Sheva mit Namen Khaldi.

In der Zwischenzeit fand die Gerichtsmedizinerin heraus, dass die immer noch unbekannte Frau Selbstmord begangen hat (zuviel Betäubungsmittel genommen vor dem Bad). Trotzdem gibt es einige Merkwürdigkeiten: Vor allem dass es so überhaupt keine Hinweise auf Identität der Selbstmörderin gibt.

Jetzt ist Zeit, sich den Schauplatz näher anzusehen:

  • Tel Aviv

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Die Stadt liegt direkt am Meer, das sich „in tosenden Bewegungen aufbäumte“ (S. 23) Und wie in vielen Städten, die direkt am Meer liegen, weht stets ein leichter Wind, die Luft schmeckt nach Salz. Aber Tel Aviv ist auch auf atemberaubende Weise anders: Die Stadt ist laut und lebendig. Es herrscht zu jeder Zeit ein Verkehr, den man von anderen Städten nur zu Feierabendzeiten kennt (S. 33). Das ewige Lärmen von Bussen, Autos, Menschen und Hunden ebbt nur zum Samstag hin ab. Aus den Läden dröhnt Trance-Musik. Mondäne Clubs und chice Restaurants prägen das Nachtleben.

Man durchquert die Stadt in Nord-Süd-Richtung, entweder an der Strandpromenade. Parallel zum Meer verläuft die Herbert-Samuel-Straße, eine beliebte Schnellstraße durch die Stadt. Oder weiter östlich über den Ayalon-Highway.

Etwas außerhalb der Stadt fährt man durch eine hügelige, „Toskana-artige“ Landschaft mit Weinbergen.

  • Weiter

Weiter geht es im Cafe Europa am Rotschild Boulevard. Eigentlich ging Assaf dort hin, um eine Frau aufzureißen, dann aber trifft er Tama, mit der er vor Monaten eine kurze Affäre hatte. Sie reden über Berufliches. Tama hat zusammen mit einem Kollegen auf eine Informantin aus der Armee – Michelle Ami – gewartet, die aber nicht zum vereinbarten Treffen erschien. Die Informantin wollte Militärgeheimnisse an die beiden Journalisten weiter geben. Später dämmert es Assaf, dass die Informantin auch die unbekannte Tote sein könnte. Was sich dann auch als wahr herausstellt.

Weil es sich aber um Selbstmord handelt, wird der Fall abgeschlossen. Assaf wird einer Einheit zugeordnet, die sich um organisierte Kriminalität kümmert. Ihm wird die Kollegin Anat als Partnerin zugeordnet. Organisierte Kriminalität sind im konkreten Fall mehrere Mafia-Familien, die sich gegenseitig bekriegen. Die neue Aufgabe von Assaf ist es, herauszufinden, woher die Mafia-Gangs ihre Waffen beziehen. Besonders der Sprengstoff ist der gleiche, der auch bei der Armee verwendet wird. Bei den Ermittlungen stößt Assaf auch auf eine Beduinen-Gang aus Beer-Sheva mit Namen Khaldi.

Dann wird ein wenig ziellos hin und her ermittelt. Assaf und Kollege besuchen dafür zunächst einen Stripclub auf der Allenby-Road. Später beobachten sie ein Restaurant in der Dizengoff-Straße. Ergebnis der Observation: Ein kleiner Mafioso spricht mit ein paar anderen Männern in einem kleinen Auto. Das Nummernschild ist gestohlen. Klingt unspektakulär.

  • 2. Tatort

Ein weiterer Mord geschieht, diesmal im Azraeli-Center, von wo aus das Opfer auf die Ayalon gestoßen wurde. Das Opfer diente in der gleichen Militäreinheit, der auch Michelle Ami angehörte. Und er hatte Spielschulden bei einer Online-Poker-Seite. Diese wird von den Nanikashvilys betrieben.

So langsam entdeckt der Kommissar also Verbindungen zwischen den Fällen. Aber da er immer noch in Mafia-Angelegenheiten ermitteln muss, geht es erstmal nach Ashdod zum Hafen. Dort soll ein Container für die Khaldi-Familie ankommen. Mehr Infos gibt es nicht, also hängen sie sich an den Wagen der Khadils dran. Im Hafen von Ashdod läuft die Sache aus dem Ruder. Eine Unaufmerksamkeit, und Assaf und Anat werden bemerkt, Anat wird angeschossen.

Der Container mit den Waren enthält zur Enttäuschung aller Kosmetikprodukte. Auf den Überwachungskameras jedoch ist einer der Beteiligten der Schießerei deutlich zu erkennen: es ist ein Mitglied der Nanikashvily-Familie.

In weiteren Ermittlungen stellt sich heraus, dass die Familie Khadil aus der Wüste in die Stadt „expandieren“ will und in Tel Aviv Ansprüche stellt. Außerdem tritt die Gerichtsmedizinerin nochmals auf den Plan. Sie hat bei einem Review ihrer Unterlagen einige Rechenfehler bemerkt. Demnach hat Michelle Ami gar keinen Suizid begangen, sondern wurde ermordet.

Die inzwischen aufgetauchten geheimen Unterlagen von Michelle Ami zeigen Geo-Koordinaten. Diese Koordinaten sind die Stellen, an denen die Grenze zu Ägypten kontrolliert wird. Michelle Ami fand heraus, dass es in der Grenzüberwachung ein paar tote Winkel gibt. An diesen Stellen gehen die Khaldis ihrer Schmugglertätigkeit nach.

Assaf ermittelt weiter im persönlichen Umfeld von Michelle. In der Armeeeinheit, in der beide Opfer gedient haben, wurden Waffen gestohlen.  Der getötete Armeeoffizier hatte Michelles Unterlagen entdeckt. Er selbst versorgte die Khaldis mit Waffen und Sprengstoff aus Armeebeständen und tötete Michelle Ami, weil er seine Geschäftsgrundlage in Gefahr sah.

In einem turbulenten Finale begegnet Assaf Michelles Ex-Freund. Er ist der Schlüssel zur Lösung des zweiten Mordes.

  • Bemerkungen

Ein spannender gradlinig erzählter Krimi mit ein paar Überraschungen, ein wenig Action an den richtigen Stellen und vor einer modernen Kulisse. Lesenswert.

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Spensers Boston: „Painted Ladies“ von Robert B. Parker

Der Autor Robert B. Parker gilt als literarischer Nachfolger von Raymond Chandler. Immerhin haben Chandlers Erben ihn beauftragt, ein Chandler-Fragment zu Ende zu schreiben. Seinen Ruhm begründete er mit den Krimis rund um den Privatdetektiv Spenser. Heute geht es um „Painted Ladies“ aus dem Jahr 2010. Deutsch von Frank Böhmert, „Das trügerische Bild“, 2011, 214 Seiten.

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Spenser hat sein Büro in Boston in der Berkeley Street, von dort schaut er aus dem Fenster auf die Columbus Street. Er wohnt in der Arlington Street. Er hat eine Wochenendbeziehung mit Susan, Therapeutin, die mit ihrem „deutschen Kurzhaar“ – ich schätze mal ein Dackel – namens Pearl in New York lebt. Sie gehen viel im nahe gelegenen Public Park spazieren. Susan geht außerdem – wenn sie in Boston ist – nach Wellesley zum „Power Yoga“.

  •  Die Krimihandlung

Es beginnt mit einer Autofahrt durch Boston. Die Hauptverkehrsader nach Westen ist der Storrow Drive, der parallel zum Charles River führt. Sie fahren mehrere Meilen westwärts. Sie, das sind Spenser und sein Klient Ashton Prince. Prince ist Professor für Kunstgeschichte und bat um Personenschutz bei einer Lösegeldübergabe (Geld gegen ein gestohlenes Gemälde – „Dame mit einem Finken“). Spenser ist beim dem Auftrag auffallend erfolglos. Unter einer Autobahnbrücke im Osten, wo die 128 über die 2 führt, findet eine geheimnisvolle Übergabe statt. Das ausgelöste Gemälde und Prince werden durch eine Bombe in Stücke gerissen. Nun ist Spensers Ehre gefordert. Er muss aus Eigeninteresse den Mord an Prince aufklären. Der Weg zum Mörder führt über die Geheimnisse des Gemäldes. Er macht sich in ganz Boston auf die Suche nach Spuren.

Er besucht die Versicherung (Berkeley Ecke Columbus, also direkt um die Ecke vom Büro aus), das Museum (in Chestnut Hill) und die Universität (an der Commonwealth Avenue). Nebenbei tritt noch Rosalind Washington auf, die Witwe von Prince. Sie ist Dichterin, und weil jeder Mensch seine eigene Art der Trauer pflegt, und Dichterinnen ihre ganz spezielle, muss Spenser ihr alle Details des Todes erzählen. Sie wird dann ein Heldengedicht daraus machen.

Bei der Versicherung ist Winifred Minor für den Fall zuständig. Im Museum taucht zum ersten Mal Morton Lloyd, ein Anwalt auf. Und in der Universität Melissa Minor, Tochter von Winifred. Vater unbekannt.

Dann nimmt die Handlung Fahrt auf. Pearl ist für ein Wochenende bei Spenser. Direkt vor Spensers Büro schlägt er an. Spenser geht ins Gebäude gegenüber und sieht zwei bewaffnete Männer in seinem Büro sitzen. Er kehrt zurück. Das anschließende Feuergefecht überleben die beiden nicht.

Spenser erfährt, dass Prince in jedem Semester das gleiche Seminar gab (Realismus in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts) und stets gute Noten als Gegenleistung für Sex verteilte. Und Spenser erfährt, dass Morton Lloyd teuer ist, also Prince mit seinem Dozentengehalt nicht in der Lage war, seinen Anwalt zu bezahlen.

Spenser trifft nochmal Rosalind Washington, die mittlerweile ihr Heldengedicht fertig hat und bei einem Lyrik-Schreibkurs in Cambridge in der Brattle Street vorträgt. Spenser interviewet sie, und sie wird mit jedem Pernod betrunkener. Dann rückt sie damit raus, dass Ashton Prince in Wirklichkeit Asher Prinz hieß, sein Vater Amos war in einem KZ in Deutschland.

Aber selbst Spenser vermisst irgendeine sinnvolle Beziehung zu einem Motiv. Das ist nun der Moment, wo Pearl (der Dackel) die Sache weiter bringt. Beim Spaziergang im Public Park verliebt sich Pearl in Otto, einen gelben Labrador. Dessen Herrchen Carl Trachtmann ist Spezialist für holländische Malerei und den Kunstmarkt im Allgemeinen. Die Begegnung mit Trachtmann auf Seite 104 bringt die stecken gebliebene Geschichte weiter. Er kennt die Geschichte des zerstörten Bildes. Von den Nachkommen des holländischen Malers ging es in Besitz der reichen jüdischen Familie Herzberg. Die Herzbergs wurden in Auschwitz ermordet, 1949 übergab die Army das Bild dem Hammond Museum.

Ashton Prince galt übrigens – weiß Trachtmann auch – als einer der größten Experten für Kunstfälschungen.

Dann überlebt Spenser wieder einen Mordversuch, diesmal in seiner Wohnung in der Arlington Street. Er bricht in die Wohnung der Witwe Rosalind Washington ein und entdeckt an der Wohnzimmerwand die Dame mit einem Finken. Sonst kein Bild, gar keines. In der Zwischenzeit hat Susan (Spensers Freundin) die Dissertation von Prince gelesen. Prince’s Vater Amos kümmerte sich nach der Befreiung um den einzigen Überlebenden der Herzberg-Familie. Er fand da Versteck einiger Bilder der Herzbergs, die er – um für beide das Überleben zu sichern – verkaufte.

Dann ist Rosalind tot in ihrer Wohnung in der Commonwealth Ave. Und Morton Lloyd, der Anwalt wird verhaftet. Ariel Herzberg stellt sich als der Vater von Missy Minor heraus. Er hat zunächst Beutekunst entdeckt und den ursprünglichen Eigentümern zurück gegeben. Prince hat ihn dann als Fälscher angefangen übers Ohr zu hauen, weshalb Herzberg (oder Morton) ihn ermorden ließ.

  • Bemerkungen

Es ist Winter, ohne einen einzigen Schneesturm zwar, aber der Charles River ist mal zugefroren und mal nicht. Wenn er eisfrei ist, trainieren Ruderer darauf. Ansonsten ist man mit dem Auto unterwegs, ohne dass das Fahren eine andere Bedeutung hat als zu den Schauplätzen zu kommen.

Absolut lesenswert ist die sensible und doch lakonische Sprache des Autors.

 

 

Ein Langstreckenflug nach Ostafrika 1959: „Death in Zanzibar“ von M.M.Kaye

M.M. Kaye (1908 – 2004) war eine britische Autorin.

1959 veröffentlichte sie den Roman „The House of Shade“, dessen Titel 1983 „Death in Zanzibar“ verändert wurde. Deutsch von Rosemarie Hundertmarck 1988, als TB 304 Seiten.

Die Handlung war 1959 zeitgenössisch, was sich aus der Erwähnung von Nasser in einer politischen Diskussion herleiten läßt. Außerdem brüstet sich eine Figur auf S. 284 damit, seine Arbeit „funktionierte wie ein Sputnik.“ Die Formulierung ergibt erst nach Oktober 1957 einen Sinn.

  • Setup und Personal

Dany Ashton, gerade volljährig geworden, darf zum ersten Mal in ihrem Leben reisen. Es geht nach Zanzibar. Ihre Mutter Lorraine lebt dort mit ihrem derzeitigen Gatten Tyson Frost, einem erfolgreichen Schriftsteller.

Auf dem Weg zum Flughafen in London soll sie noch schnell bei Mr. Honeywood, dem Rechtsanwalt ihres Stiefvaters, ein Schreiben für Mr. Frost abholen. Dann wartet sie in einem Hotel auf den Flug am nächsten Morgen.

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Im Hotel warten noch andere, die nach Zanzibar wollen. Lashton Holden Junior, kurz Lash ist Frosts amerikanischer Verleger und macht seine Hochzeitsreise. Amalfi Gordon („sie wirkt wie eine Tiara mitten in billigem Glasschmuck“ – S. 126) hätte eigentlich seine Frau werden sollen, aber hat sich kurzfristig für einen Marchese entschieden, den „grinsenden, pomadisierten Sohn einer Schlange (s. 68)“. Der macht irgendwas mit Wettrennen. Beide fliegen ebenfalls nach Zanzibar. Außerdem Larry, ein Journalist, der eine Homestory über Frost schreiben soll. Und Jemba. Der ist zanzibarianischer Rebellenführer, der eine „demokratische Republik“ mit sich als Diktator und sowjetischer Hilfe einführen will. Und Tysons Schwester sowie deren Gesellschafterin, Millicent – genannt Mimi – Bates.

  • Dann kann’s losgehen

In der Frühe liegt eine Tageszeitung vor Danys Tür. Schlagzeile: Honeywood wurde ermordet. Tatzeit war exakt die halbe Stunde, nachdem Dany bei ihm war. Dumm für Dany: Sie hat bei Honeywood ein Taschentuch mit ihren Initialen verloren.

Sie macht Bekanntschaft mit Lash. Lashs Sekretärin Ada Kushter hätte mitreisen sollen, bekam aber kurzfristig Mumps. Nun tröstet er sich mit Whiskeyfahne und einem weißen Kater namens Asbestos.

Dany erzählt Lash ihre Geschichte. Spannend wird es, als sie in der Schublade ihres Hotelzimmers die Mordwaffe findet, sich daran erinnert, Jemba vor Honeywoods Haus gesehen zu haben, und außerdem ihr Pass fehlt.

Lash stylt Dany schnell auf das Aussehen seiner Sekretärin um. Nun reist Dany als Ada weiter, mit deren Pass.

Dann startet die Maschine in London und fliegt mit Zwischenstopps in Neapel und Khartum nach Nairobi. Dort heißt es umsteigen in eine kleine Maschine. Aber vorher ist eine Nacht im Hotel angesagt. Lash hat die Hochzeitssuite gebucht und ist dort mit Dany alleine. In der Nacht bemerkt Dany einen Einbrecher und verjagt ihn. Lash glaubt ihr nicht, bis er eine fremde Taschenlampe im Zimmer findet. Offensichtlich sollte Dany ermordet werden.

Dany zeigt Lash den verschlossenen Umschlag, den sie von Honeywood bekam. Klar ist nun: ein Mörder sass im Flugzeug.

Am nächsten Morgen geht es in einer kleinen Maschine weiter nach Mombasa. Dort gehen alle aus dem Flugzeug raus in die Wartehalle. Der Weiterflug verzögert sich. Grund: Jemba ist an Zyankali gestorben.

Weiterflug nach Pemba, einer Insel voller Gewürznelken und dunklen Sagen über Dämonen. Dann – in der Mitte des Buches schließlich die Ankunft in Zanzibar. Alle werden von Nigel Pointing, Tyson Frosts Sekretär, abgeholt.

  • Zanzibar

Blumen „ergossen sich in traumhaftem Farbenrausch“ am Straßenrand. Weißgekalkte Häuser bilden enge Gassen. Es duftet nach Gewürzen und heißem Staub. Auf der anderen Seite gibt es „garstige Slums“: Eine Hüttenstadt aus Wellblech und faulem Stroh, ein stickiger Bach, dann wieder Mangohaine und Gewürznelkenbaumplantagen. (S. 131) Von letzteren lebt die Insel übrigens hauptsächlich.
Man schlendert über einen Markt, auf dem bunte exotische Fische angeboten werden (S. 220). Es ist laut. Nachts wird auf den Dächern gefeiert, unter Trommelklang und den melodischen Rufen der Kokosnussverkäufer (S. 234).

Alle kommen im „Haus der Schatten“ an. Das ist das Domizil von Tyson Frost. 75 Jahre zuvor lieh der Sultan das Haus für 150 Jahre an Tysons Großvater, einen skrupellosen Geschäftemacher. Der wiederum schrieb ein Buch, Titel „Haus der Schatten“. Dessen Originalmanuskript soll Millionen wert sein.

Dann beginnt ein gesittetes gegenseitige Verdächtigen aller Anwesenden. Nicht nur Lash könnte der Mörder sein, er hatte stets Zugang zu Danys Garderobe. Andere kommen ebenfalls in Frage. Und so sitzt man abends im Salon und erzählt sich gegenseitig, dass man wenig von den anderen weiß.

Dany geht zu Bett. Draußen schreit ein Ziegenmelker (das ist ein Vogel). Immer wieder. Dazwischen hört Dany ein unregelmäßiges Kratzen und Wischen, dann wieder den Ziegenmelker (es gibt wohl keine anderen Vögel auf Zanzibar). Nur einer der vielen Schreie, die Dany hört, stammt von einem Menschen. Mimi liegt tot auf der Treppe. Außerdem ist der versiegelte Umschlag leer.

Dann geht alles recht schnell. Nigel, Tysons Sekretär, stellt sich Dany in den Weg und will sie aus dem Fenster stoßen. Er wird jedoch mit Hilfe einer Flasche Gin außer Gefecht gesetzt. Zuvor jedoch gestand er den Mord an Honeywood. Motiv: Nigel war mit Jembas Rebellenarmee verbandelt. Im Umschlag war ein Plan, der zu einem Versteck führen sollte. Dort hat der Sultan – sagt man – einen Schatz versteckt. Mit dem Geld hätten sie die Rebellenarmee ausgebaut.

Nur der Mord an Jemba bleibt unaufgeklärt.

Bemerkungen

Positiv

Das Setup: ein Mord, und alle Verdächtigen sitzen im gleichen Langstreckenflug. Das ergibt eine schaurige Mischung aus Verdächtigungen und Zweifeln. Das Buch lebt auch von wunderbar witzigen Formulierungen (Was ist eigentlich ein „Zehn-Dollar-Schnurrbart“? – S.22). Es ist spannend: Erst Danys Angst, in ihrer Rolle als Sekretärin entdeckt zu werden. Dann ihre nächtliche Angst vor Mordanschlägen, die dem Buch eine Thriller-Note verleiht.

Negativ

Die Lösung des Falles fand ich einfallslos. Der Diener war’s. Und es war doch kein Mörder im Flugzeug. Und einer der Morde bleibt ausdrücklich unaufgeklärt. Und in einer angstvollen Atmosphäre sich gesittet gegenseitig des Mordes zu verdächtigen, ist schon sehr gekünstelt. Und das Schlimmste: der Kater Asbestos ist irgendwann nicht mehr mit von der Partie – ohne Erklärung.