Karte # 13: die Strecke Paris – Limoges „Ein bisschen Sonne im kalten Wasser“ von F. Sagan

Zum ersten Mal habe ich ein Buch begeistert begonnen und dann enttäuscht zur Seite gelegt. Also rechtfertige ich mich mal: Das Buch heißt „Ein bisschen Sonne im kalten Wasser“ von Françoise Sagan. Klingt gut. Außerdem habe ich mit „Franzosen“ bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Das Buch hat 5 „Teile“; jeder ist entweder überschrieben mit Paris (3 mal) oder Limoges (2 mal). Ich dachte mir, dass in diesem Buch zwischen den beiden Städten gependelt wird, oder sie sonstwie eine Rolle spielen, und war begeistert. Das Buch erschien im Jahr 1969, ich habe die deutsche Ausgabe von Bertelsmann (ohne Jahr) mit 220 Seiten.

  • Geographisches

Nach Limoges kommt man von Paris aus entweder mit dem Zug über Vierzon und Chateauroux oder per Flugzeug von Orly aus. Es gibt die Inlandsfluggesellschaft Air Inter, die aber nie zu dem Zeitpunkt fliegt, wenn eine Person gerade mal schnell nach Limoges will. Also fahren alle mit der Eisenbahn.

  • Das Setup

Das Buch spielt im Jahr 1967. Die Hauptfigur ist Gilles, Auslandsredakteur eines unerwartet erfolgreichen „Linksblatts“. Er wohnt in Paris, in der Rue Monsieur-le-Prince. Er ist mit Eloise zusammen, einem wenig erfolgreichen Mannequin. Gilles geht zum Arzt, weil er Angst vor Krebs hat. Der Arzt stellt bei Gilles aber „nur“ eine Depression fest. Gilles geht darauf hin zu seiner Freundin Gilda, einer Prostituierten in Passy, und fragt, was er tun soll. Sie und ein Freund raten ihm zu einem Erholungsurlaub.

  • Die Geschichte

Gilles fährt zu seiner Schwester nach Limoges. Dort geht er in eine Bar und lernt Nathalie kennen. Sie beginnen eine Affäre. Der dritte Teil beginnt mit Gilles‘ Rückkehr nach Paris. Dann die Szene, die für den Leser alles ändert: Eloise holt ihn vom Bahnhof ab. Es heißt ausdrücklich, dass er sich wieder an sie erinnere. Dann – völlig ironiefrei: „…sie wohnt bei mir, das ist ja furchtbar.“ An dieser Stelle war mir klar, dass diese eigentlich dramatische Geschichte eher emotionslos dahin dümpeln wird.

  • Pause 

Den Rest des Buches habe ich nur noch schnell quer gelesen. Deswegen kann ich zu den restlichen Figuren nicht viel sagen. Es gibt noch eine Nebenhandlung, weil Gilles‘ Chef früh von der Affäre erfährt.

  • Schnell weiter

Nathalie scheint ziemlich gut im Bett zu sein. Sie ist auch sonst ein Knaller, denn sie hatte eine „Art, ein Adjektiv auszusprechen oder einen Nebensatz durch einen andern zu ersetzen, die dieses … Leben fast herzzerreißend machten.“ Also bittet Gilles sie, mit ihm zu kommen. Sie vertröstet ihn, denn sie ist mit Francois verheiratet und muss sich erst mal von ihm trennen. Gilles ist traurig, denn „Ich habe so schiefe Situationen nicht gern.“  Der Leser denkt: das ist ja kein schlechtes Reflektionsniveau für einen Depressiven zwischen zwei Frauen. Nathalies Bruder will Gilles die Affäre ausreden, denn Gilles wisse ja selbst nicht, was er wolle. Der Leser harrt also nun einer Klärung der Lage. Gilles fährt zurück nach Paris. Plötzlich ist Nathalie dort (also in Gilles‘ Wohnung in Paris) Sie liebt ihn sehr. Sie beginnt, in einem Reisebüro zu arbeiten. Überhaupt ist Gilles von Nathalies Selbständigkeit genervt, was er einem Freund klagt. Nathalie hört zufällig mit, ist betrübt und begeht schließlich Selbstmord. Gilles ist traurig.

  • Anmerkungen

Finis und Gääähn. Das Thema böte genug Stoff für eine Tragödie oder Komödie. Aber hier ist alles nur unlogisch und langweilig. Ein paar Argumente: Eine zu anfangs eingeführte Diagnose eines Arztes ergibt Sinn, wenn die Auseinandersetzungen mit der Diagnose in die Handlung einfließen. Ein Autor hat viele Möglichkeiten, damit umzugehen. Françoise Sagan nutzt diesen Kniff,  um die männliche Hauptfigur emotionslos schildern zu können. Nathalie wiederum ist stark genug, um sich aus einer etablierten Ehe zu lösen. In Paris angekommen baut sie sich ein eigenes Leben auf, vor diesem Hintergrund ist das Motiv ihres Selbstmordes  zu belanglos. Für die aufgewühlte und destruktive Seelenlage der Hauptfiguren ist mir persönlich der Erzählstil zu einseitig erotiklastig. Und auch aus der Air Inter hätte man erzählerisch mehr machen können. Weg damit.

http://de.wikipedia.org/wiki/Air_Inter

Karte # 4: Dünkirchen mit dem Fahrrad: Das Haus in den Dünen

Im Roman von dieser Woche geht es wieder nach Frankreich, diesmal in den Norden an die belgische Grenze. „Das Haus in den Dünen“ von Maxence van der Meersch aus dem Jahr 1932 liegt mir in einer Ausgabe von 1948 vor. Vorn ist „G.M.Z.F.O.“ eingedruckt, die Genehmigung der französischen Besatzungsbehörden. Das Buch hat 216 Seiten. Heute würde es wohl als Regionalkrimi bezeichnet werden. Die Geschichte spielt in dem kleinen Gebiet zwischen Dünkirchen und dem belgischen Furnes. Die Gegend ist geprägt von Dünen, Gräsern und verkrüppelten Sträuchern. Rauher, salziger Seewind fegt über die sandige Heidelandschaft. Die Äcker geben mageren Ertrag, meist Kartoffeln und Buchweizen. Auf der belgischen Seite kommt dann hier und da ein üppiger Baum dazu. Es wird viel Fahrrad gefahren, und so habe ich die Rubrik „Fahrradroman“ neu hinzu gefügt.

  • Das Setup

Sylvain ist ein ehemaliger Boxer (nordwestfranzösischer Meister), der seine Karriere aus Liebe zu Germaine aufgab. Germaine wiederum gab aus Liebe zu Sylvain ihr Dasein als Prostituierte auf. Sie wohnen in Bray-Dunes. Das Dorf ist klein, ihre besten Freunde sind gleichzeitig ihre Nachbarn. Dies sind César und seine Freundin Louise. César ist ein erfahrener Tabakschmuggler, und auch Sylvain verdient sein Geld mit Tabak“handel“. Der Tabak wird in Belgien billig gekauft, über die Grenze geschmuggelt und in Dünkirchen teuer verkauft. Zwei Häuser weiter wohnt der Polizist Jules, der von den Geschäften seiner Nachbarn weiß, sie aber in Ruhe läßt.

  • Die Geschichte

Sylvain kommt nach Hause. Er wurde von Polizisten festgenommen und hat sich mittels einer Schlägerei wieder befreit. Stolz erzählt er César davon, fürchtet jedoch, dass die Polizei ihn nun sucht. Als nächstes kauft César Tabak ein. Dafür hat er seinen Hund Tom abgerichtet. Sylvain bringt Tom für César nach Adinkerke in Belgien, wo der „Tabakgroßhändler“ lebt. Dann geht Sylvain weiter nach Furnes, um in einer Kneipe zu entspannen. Er trifft eine junge Frau, unterhält sich mit ihr und verschwindet wieder. Während dessen hat der Händler in Adinkerke dem Hund ein Bündel mit 18 Kilo Tabak umgeschnürt, und der Hund bringt es nach Bray-Dunes.

Sylvain zieht los, um Tabak zu verkaufen. Germaine entscheidet sich, in das Café von Jeanne zu gehen, ihrer früheren „Chefin“, mit der sie immer noch befreundet ist. Sylvain soll sie dann dort abholen. Hinter der Bar steht Henry, zu dem Gästen gehört Jules sowie Monsieur Lourges, ein Zollspitzel, der Informationen über César sammeln will. Nachdem alle nicht handlungsrelevanten Gäste gegangen sind, kommt es zwischen den genannten zu einem Wortgefecht. Am Ende stellen sich Lourges und Sylvain einem Ringkampf, den Sylvain gewinnt.

Sylvain macht öfter mal einen Spaziergang nach Furnes, wo er das Mädchen wieder trifft, Pascaline. Auch ihre alte Tante und ihr Onkel sind da, die – fast 80-jährig – immer noch das Lokal führen. Eines Tages fährt Sylvain zu Kunden, wozu er quer durch Dünkirchen radeln muss. Es ist viel Polizei unterwegs, da seit einigen Tagen „verdächtiger Fahrradverkehr“ beobachtet wurde. Sylvain fährt Schleichwege. An der Kreuzung der Rue de Paris zur Rue de Lille sieht er Lourges stehen. Es kommt zu einer amüsanten Verfolgungsjagd per Fahrrad, bei der Sylvain Sieger bleibt.

  • Kurze Pause.

Im Text wird Benediktiner getrunken. Zum Wohl

  • Weiter in der Geschichte

Lourges will ab nun um jeden Preis Sylvain schnappen. Schlägerei, Ringkampf und Verfolgungsjagd haben Lourges angestachelt. Der Barmann Henry verrät Lourges den Namen von Sylvains Zwischenhändler in Dünkirchen, dem „großen Fernand“. Lourges setzt Fernand unter Druck, für ihn als Spitzel zu arbeiten. Während dessen radelt Sylvain immer öfter nach Furnes, wo er Pascaline und ihrem Onkel und Tante im Haus hilft. Eines Tages stürzt er und verletzt sich. Er beauftragt César, bei Fernand seinen bestellten Tabak abzuholen. So wird César anstelle von Sylvain verhaftet.

Sylvain erkennt das Schäbige an seiner Tätigkeit und nimmt eine Arbeit als Dockarbeiter an. Die Arbeit ist gut bezahlt. Germaine ist trotzdem enttäuscht, denn sie hat weniger zur Verfügung als zuvor zu „Schmugglerzeiten“. Sie geht immer häufiger zu Jeanne, wo sie mit Lourges anbandelt.  Eines Tages erfährt Lourges, dass Sylvain regelmäßig über die Grenze nach Furnes fährt, und er beginnt, an Sylvains Veränderung zu zweifeln. Er erzählt Germaine, dass Sylvain in Furnes ein Verhältnis pflege. Germaine überzieht Sylvain mit Vorwürfen. Sylvain kehrt enttäuscht in sein altes Leben zurück. Allerdings schickt er nun Germaine über die Grenze, um einzukaufen. Eines Tages wird Germaine an der Grenze verhaftet. Sie verlangt nach Lourges, der sie befreit. Im Gegenzug verlangt er von ihr, dass sie ihm Sylvain liefert. Sie willigt ein und verrät Sylvain endgültig.

Bei einer nächtlichen Schmuggelaktion kommt es an der Grenze zu einem Feuergefecht zwischen einer Schmugglerbande mit Sylvain und französischen Zöllnern. Sylvain wird von zwei Kugeln getroffen. Er will sich zu Pascaline durchschlagen, stirbt jedoch unterwegs.

  • Gedanken

Eine traurige Geschichte, die sich nach schelmischem Beginn zur Tragödie wandelt. Die Landschaft spielt hier eine große Rolle. Schmugglergeschichten spielen ja häufiger auf See oder in den Bergen, aber auch hier auf dem flachen Land wirkt die Geschichte eindringlich. Ich konnte nicht immer Sylvains Motive verstehen. Es ist nicht klar, warum er sich nicht völlig von Germaine abwendet. Die Geschichte ist auf jeden Fall spannend, und die Figuren wechseln ihren moralischen Standpunkt manchmal, was zu einigen überraschenden Wendungen führt. Am gewöhnungsbedürftigsten ist der sehr allwissende Erzählstil. Der Autor schildert chronologisch, was jeder der Figuren widerfährt, an einer Stelle begleitet er sogar den Schmugglerhund Tom bei seiner Flucht vor einem Zollhund.

Es lohnt sich auch, sich einmal kurz mit dem Tabakschmuggel zu befassen. Er gehört zu den ältesten heute noch ausgeübten Gewerben. In der Grenzregion zwischen Belgien und Frankreich scheinen die Menschen schon immer davon zu leben. Üblicherweise sind solche informellen Arbitragegeschäfte die Folge von staatlichen Eingriffen in Form von Verboten oder Besteuerung. 1932 liegt die Ursache darin, dass der belgische Tabak billiger und von besserer Qualität ist als der französische. Der Autor beschreibt zu Beginn Sylvains Kalkulation, ohne auf die Gründe für den Preisunterschied einzugehen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Maxence_Van_der_Meersch

http://www.dunkirk-tourism.com/

http://fr.wikipedia.org/wiki/B%C3%A9n%C3%A9dictine

Karte # 1: Die Garonne bei Toulenne: Wein, Fleisch und Blut. Mauriac

Das nächste Buch ist wieder ein Roman, und er führt nach Frankreich. Nachdem schon die Auvergne und die französischen Alpen in Romanen abgehandelt wurden, geht es nun an die Atlantikküste in die Gegend um Bordeaux. Wer von hier aus 50 km die Garonne flußaufwärts fährt, der gelangt in das Städtchen Toulenne. Hier spielt die folgende Geschichte hauptsächlich. Das Buch heißt „Fleisch und Blut“ von Francois Mauriac. Ich habe die Ausgabe von 1954 mit 208 Seiten. Das Original „La Chair et le Sang“ wurde 1920 vollendet. Die Handlung spielt im 1. Halbjahr 1914. Der Autor erhielt 1952 den Nobelpreis.

  • Das Setup

Claude Faverau hat das Priesterseminar in Bordeaux abgebrochen. Er fährt mit dem Zug nach Hause, das ist eine Chartreuse in Lur nahe Toulenne, ein altes Weingut aus dem 18. Jahrhundert. Dort lebt und arbeitet sein Vater Dominique Favreau als Verwalter. Die Chartreuse hat gerade einen neuen Besitzer, Bertie Dupont-Gunther. Er ist Witwer und Protestant und gilt als arroganter, grobschlächtiger Geschäftsmann. Er hat Dominique Faverau als Verwalter übernommen.

  • Die Geschichte

Auf der Chartreuse tummelt sich eine Menge Personal: Berties Sohn Edward ist ein verzogener Schönling, der meist in weißen Anzügen und mit Zigaretten im Mundwinkel rumläuft. Edward verachtet jedes Gefühl. Berties Tochter May spielt Klavier, liebt die Einsamkeit und ist ansonsten unscheinbar. Beide freunden sich mit Claude an, sehr zum Widerwillen ihres Vaters. Dann gibt es da eine Gesellschafterin, Melanie Gonzales. Sie ist eine stämmige Frau, die alles unter Kontrolle hat und jeden dadurch nervt, dass sie permanent vor sich hin plappert. Sie hat eine Tochter, Edith. Bertie Dupont-Gunther wiederum ist eher selten anwesend. Meist kommt er nur kurz vorbei, stänkert überall rum und fährt mit seinem Auto zurück zu seinen Geschäften und Mätressen nach Bordeaux.

Edward, Claude und May gehen in der Garonne schwimmen. Sie finden eine schöne Stelle zwischen Saint-Macaire und Saint-Pierre-d’Aurillac. Anschließend liegen sie im Gras, diskutieren über Religion und Philosophie und lesen sich aus „Fleurs du Mal“ vor. May führt die Diskussionen über die nächsten Wochen fort. Es entstehen zarte Bande der Sympathie zwischen den beiden. Edward langweilt sich und beginnt zu malen.

Edith trifft ein. Frau Gonzales will sie mit Bertie Dupont-Gunther verkuppeln (also ihre Tochter mit einem Mann in ihrem eigenen Alter), um diesen besser kontrollieren zu können. Und natürlich gibt es auch eine Dame, die ihren Sohn mit May verkuppeln möchte. Diese Dame, Frau Castagnedes, ist sehr fett, ihr Sohn Marcel ebenso. Von nun an gehen alle Intrigen schief:

Edith verliebt sich in Edward. May ist von Marcels Benehmen angeekelt und läuft schreiend durchs Haus. Schließlich kommt es zu einem dramatischen Dialog zwischen Edward und Claude. Edward kündigt an, dass er das Gut verlassen wird, und dass Claude für seine – Edwards – Eskapaden Leid auf sich ziehen wird. An dieser Stelle weiß der Leser, dass die Eckpunkte eines Dramas gesetzt sind. Claude auch, denn er beschließt, dass er Edward nicht wieder sehen möchte.

  • Pause

Eine Gesellschaft, also eine große Familienfeier führt alle Personen zusammen. Außerdem kommen noch einige weitere Gäste. May nimmt als einzige nicht von Beginn an teil. Später erscheint sie, angewidert von der ganzen Gesellschaft, besonders dem fetten Marcel, trinkt einige Gläser Rotwein, spielt Klavier, singt „Isoldes Liebestod“ und verzieht sich wieder.

  • Weiter

Herr Dupont-Gunther erfährt, dass seine Dauergeliebte fremd geht und ist zornig auf sie. Frau Gonzales beobachtet May und Claude bei einem innigen Kuß. Sie stellt May zur Rede, die schließlich unter dem Redeschwall zusammen bricht. May fragt Claude um Rat, und als dieser sie abweist, flieht sie zu dem fetten Marcel. Nicht einfach, denn das setzt für die protestantische May eine Konversion voraus.  Claude wiederum betrauert seine eigene Einsamkeit, die er – von seinem tiefen Katholizismus geleitet – als Strafe für seine Schuld ansieht. Edward fährt nach Paris. In einem langen Briefwechsel mit seinem Freund Firmin betrauert er seine einsame Lage. Edith gesteht ihrer Mutter, dass sie in Edward verliebt ist, und auf keinen Fall dessen Vater heiraten wird. Es kommt zum Streit, und in der Folge wirft Bertie Dupont-Gunther Frau Gonzales aus dem Haus.

May kapituliert vor dem Druck aller und heiratet den fetten Marcel. Derweil ist Edith in Paris Edwards Geliebte geworden. Ihre Mutter drängt Edith, dass sie Edward zur Heirat drängen möge. Claude hilft derweil bei den Arbeiten im Weinberg mit. Als Mittel gegen drohenden Frost zieht man mit qualmenden Pechpfannen durch die Weinberge. May entschwindet aus der Handlung.

Edith schlägt Edward vor, dessen Maler-Atelier zu organisieren. Als sie meint, dass er nur die Wahl zwischen ihr und dem Tod habe, schreit er sie an, dass er den Tod wähle. Sie verläßt ihn. Er wird immer einsamer und sein Gemüt verfinstert sich immer mehr. Edward rafft sich nach Wochen auf, in einem Lokal zu essen. Zufällig begegnet er dabei den Gonzales‘. Angewidert begibt er sich in ein Lokal voller verführerisch tanzender Mädchen. Am nächsten Morgen will er aus Paris fliehen. Er nimmt ein Zugticket nach Chalons-sur-Marne.

In Chalons kauft er sich einen Revolver und setzt sich in ein Hotelzimmer. Er kündigt in zwei Briefen seinen Selbstmord in 5 Tagen an, einen schickt er an Edith, einen an Claude. Claude möchte zu Edward fahren, leiht sich bei einem befreundeten Abbé das Geld für die Fahrkarte, gerät in Streit mit seinem Vater, der ihn schließlich einschließt. Bei einem Sprung aus dem Fenster verletzt er sich. Er kommt in Chalons zu spät an. Edward liegt bereits im Sterben. Am Totenbett erscheint Edith, die den Brief zuerst nicht ernst nahm. Edward kehrt mit Sarg nach Hause zurück.

1914 wird ein guter Weinjahrgang, heißt es.

  • paar Gedanken

Mauriac hat eine außergewöhnlich kraftvolle Sprache. Die Personen werden in der Fantasie des Lesers lebendig. Sie werden auch psychologisch einfühlsam geschildert. Die Natur in der Gegend von Bordeaux kann man fast schmecken. Die Vielzahl der Personen macht das Buch an einige Stellen kompliziert. Einige Figuren habe ich in diesem Beitrag der Übersichtlichkeit halber unterschlagen. Die Konflikte um die Liebe, Schuld und Enttäuschung sind nachvollziehbar geschildert, aber doch aufs Äußerste dramatisch zugespitzt. Die Unselbständigkeit und Manipulierbarkeit der Personen befremdet den modernen Leser dennoch sehr. Am Schluß bleibt ein wenig Ratlosigkeit. Alles geht weiter, nur eben ohne Edward.

Lesenswert.

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