Spanien und Italien 1620 bis 1660. „I, Juan de Pareja“ von Elizabeth Borton

Elizabeth Borton de Trevino schrieb den historischen Roman „I, Juan de Pareja“ 1965. Das Buch erhielt 1966 die Newbery Medal, einen amerikanischen Literaturpreis für Jugendliteratur. Die deutsche Übersetzung von Klaus Weinmann aus dem Jahr 2001 trägt den Titel „Der Freund des Malers“. Hardcover 224 Seiten, Beltz Verlag.

  • In einem Satz

Juan arbeitet so lange als Atelierassistent bis er sich als Maler selbständig macht.

  • Die Hauptfigur

Der Ich-Erzähler ist der Sklave Juan de Pareja. Er ist historisch verbürgt und lebte 1606 – 1670. Juan arbeitete als Atelierassistent des Malers Diego Rodríguez de Silva y Velázquez. Velazquez lebte von 1599 bis 1660. Wir befinden uns also Mitte des 17. Jahrhunderts.

  • Wie kam Juan zu Velazquez?

Er ist Sklave in einem Haushalt in Sevilla. Nach dem Tod des Hausherrn und später dessen Witwe erbt der Maler Velazquez das Haus. Zum Erbe gehören auch die Sklaven, und so wird Velazquez der neue Herr des Juan. Bald wird Velazquez vom spanischen König Philipp IV. engagiert und der gesamte Haushalt zieht nach Madrid um.

Juan arbeitet im Atelier von Velazquez. Er reinigt die Pinsel, er mischt Farben, er sorgt für die Belichtung im Raum. Er würde auch gerne malen lernen. Eine Verordnung untersagt jedoch Sklaven jede Form der künstlerischen Tätigkeit.

Die Epoche war auch die erste große Blütezeit der Niederlande. Dort galt Peter Paul Rubens als der bedeutendste Maler. 1628 besucht Rubens den spanischen Hof. Er bleibt 8 Monate. Velazquez und Rubens lernen viel voneinander. Sie besuchen das Atelier des Bildhauers Meister Medina. Der ist berühmt für seine Figuren des Gekreuzigten und die beiden lernen das Geheimnis der eindinglichen schmerzverzerrten Gesichter der Skulpturen kennen: Meister Medina hat zur Folter Verurteilte bei ihren Qualen beobachtet.

Italienreisen von Velazquez

StepMap Italienreisen von Velazquez
  • Die erste Italienreise

1629 erhält Velazquez vom König den Auftrag, Italien zu bereisen. Juan begleitet ihn.

Anlass: Velazquez soll in Neapel die Infantin Maria porträtieren. Das ist die Schwester des Königs, die demnächst mit Ferdinand III von Ungarn verheiratet werden soll.

Zunächst fährt Velazquez mit Familie und einem Teil des Personals in zwei Kutschen nach Sevilla. Die Familie fährt zurück, Juan und Velazquez besteigen ein kleines Schiff, das sie über den schmutzig dahin fließenden Gualdalquivir ins offene Meer bringt, und weiter über ein paar kleinere Häfen und Malaga nach Barcelona.  Dort steigen Juan und Velazquez um in die prächtige Galeone des Marquis de Spinola. Das ist bequemer. Trotzdem wird Velazquez seekrank. Es geht nach Genua. Sie besuchen die großen Galerien in Genua und Florenz, die ihnen die Sprache verschlagen. Die beiden fertigen Kopien der großen Bilder an. Italien ist „ein Land, das für die Kunst lebte und dem man jeden seiner Fehler verzeihen konnte. “ (S. 110)

Velazquez fordert Juan auf, seine Eindrücke zu schildern: Das Licht ist anders als in Spanien. In Spanien ist das Licht klar, hart und blendend, die Schatten sind tiefer und dramatischer. In Italien ist das Licht wie eine Flüssigkeit und hat einen weichen Schimmer, die Schatten sind sanfter und die Umrisse der Gegenstände weicher. (S. 110)

Es geht weiter nach Rom, dann nach Neapel. Dort befindet sich der eigentliche Grund der Italienreise, nämlich die Infantin. Dann geht es noch nach Venedig, wo sie vom Winter überrascht werden, bis sie sich in Genua für die Rückreise einschiffen.

  • Die zweite Italienreise

Anlass: Velazquez soll Gemälde für den spanischen Hof kaufen.

In Sevilla tobt die Pest, Barcelona ist von den Franzosen besetzt. Juan und Velazquez schiffen in Malaga ein, von wo aus sie nach Genua fahren. Der Künstler kauft mehrere Gemälde und läßt sie auf einer spanischen Galeone an den Hof schicken.

Das Land ist besser zu bereisen als Spanien, denn die „italienischen Städte lagen oft nur einen Tagesmarsch beieinander“. (S 164) Die beiden haben fast kein Geld dabei, denn die Bankleute des Königs haben verfügt, dass in jeder Stadt die Geldwechsler bestimmte Summen bereit hielten.

Ein Schneesturm zwingt die Reisenden, in Cremona zu bleiben. Die Stadt war damals bereits berühmt für seine Geigenbauer-Dynastien. Und natürlich besuchen Velazquez und Juan eine Familie berühmter Geigenbauer (der Beschreibung und der Epoche nach dürften es die Amatis sein) und erfahren etwas über geheimnisvolle Lacke. Auf der Weiterreise friert Velazquez die Hand ein und ist gelähmt. Für ihn ist es eine Katastrophe. Juan pflegt und wickelt die Hand immer wieder, und schließlich ist der Maler geheilt.

Weiter geht es nach Venedig. Das Licht dort ist anders als im übrigen Italien. „In den meisten Regionen des Landes ist das Licht ein sanftes Gold, aber in Venedig hat es einen hellblauen Schimmer. Es ist ein strahlendes, reines Licht, ziemlich kühl, wie ein Widerschein des Meeres.“ (S. 169)

Von Venedig aus fahren sie in der Kutsche nach Rom. Papst Innozenz X empfängt Velazquez, während Juan draussen wartet. Als Velaquez von der Audienz zurück kehrt, hat er den Auftrag in der Tasche, den Papst zu malen.

Zur Überraschung von Juan ist es das Porträt eins zähen und starken Menschen und zeigt kein barmherziges Gesicht. „Kein schönes Gesicht, nicht einmal ein barmherziges…. Ich denke eher, dass er Manns genug ist, sich darüber zu freuen, dass ich ihn als zäh und stark gesehen habe.“ (S. 184)

Das Porträt wird ein durchschlagender Erfolg. Velazquez erhält eine Reihe Folgeaufträge aus dem italienischen Adel.

  • Schluss

Zurück in Madrid ruft Velazquez seinen Sklaven Juan zu sich. Juan erhält die Urkunde über seine Freilassung. Er bleibt aber bei Velazquez. immerhin darf er nun malen, was Sklaven verboten war. Am 6. August 1660 stirbt Velazquez. Juan kehrt nach Sevilla zurück, wo er sich ein eigenes Atelier einrichtet und ein erfolgreicher Maler wird.

  • Bemerkungen

Eine schön und leicht zu lesende Biographie über einen großen Künstler und sein Werk. Velazquez erklärt Juan immer wieder Details seiner Kunst seiner Maltechnik. So wird der Leser gemeinsam mit Juan an das Werk von Velazquez herangeführt. Im Nachwort klärt die Autorin auf, welche Fakten historisch sind und wo sie eigene Dinge erfunden hat, und wo sie erfundene und überlieferte Fakten miteinander verband. Mein Kritikpunkt ist, dass der Leser über das Spanien dieser Zeit wenig erfährt. Als Entschädigung gibt es aber über die Italienreisen umso mehr zu erfahren.

  • Was sonst geschah

Juan wurde in Sevilla ein geachteter Maler. Das Papstportrait gilt bis auf den heutigen Tag als das beste Portrait, das je von einem Papst gemalt wurde. Velazquez wurde in Madrid begraben. 1809 wurde die Kirche von Joseph Bonaparte eingeebnet, Velazquez‘ Grab ist verschollen.

Karte # 32: Burgund – „Burgundy Stars“ von William Echikson

Heute stelle ich einen biographischen Roman aus dem Jahr 1995 vor. Es geht um „Burgundy Stars“ von William Echikson. In der deutschen Übersetzung von Petra Hrabak und Rita Seuß aus dem Jahr 1998 heißt es „Die Sterne Burgunds“. Das Knaur-TB hat 368 Seiten. William Echikson erzählt die Lebensgeschichte des Kochs Bernard Loiseau.

  • Das Setup

Loiseau wurde 1951 in Clermont-Ferrand geboren. Er geht in Roanne in die Lehre als Koch. Einige Stationen später wird er Küchenchef eines Lokals in Paris, das dem Unternehmer Vergers gehört. Er gerät in die Szene der Stars, Unternehmer und Politiker. 1975 kauft Vergers in Saulieu das „Cote d’Or“. Es hat zwei Michelin-Sterne. Saulieu liegt in Burgund, in der Umgebung haben bereits mehrere Lokale zwei oder drei Sterne Fünf Jahre später kauft Loiseau das Lokal seinem Gönner ab. Er investiert, baut das Lokal aus und will den dritten Stern bekommen. Nein, er will nicht, er ist besessen davon, ihn haben zu müssen.

  • Das Personal

Zunächst kann der Leser Bernard dabei zusehen, wie er das Lokal umorganisiert. Jeder Angestellte wird zuständig für einen bestimmten Aufgabenbereich. Militärisch gekleidete Kellner bringen den Gästen Speisen an den Tisch, es gibt einen Käsetester, einen Patisseur, einen Abteilungskoch für Fleisch und die Praktikanten zur Perfektionierung der ständig wiederkehrenden Tätigkeiten (Schälen und Rupfen). Im Laufe des Buches wird man immer wieder Zeuge verschiedener Konflikte. Die Angestellten haben die Befehle des Kochs entgegen zu nehmen. Ein amerikanischer Praktikant sagt, dass die Franzosen deswegen auch so dumme Fragen stellen.

  • Das Konzept

Er kreiert neue Varianten alter Rezepte. Mehl- und Sahnesaucen werden abgeschafft. Schnecken und Froschschenkel werden leichter. Der Eigengeschmack der Speisen wird herausgearbeitet. Bernard erfindet Neues, wie Hecht und Schnapper auf Seeigel. Er komponiert Themenmenus aus Kartoffeln oder Spargeln.

  • Die Kosten

Auf der Jagd nach dem Stern schaut sich Bernard andere Lokale an, die den dritten Stern haben. Alle haben mit viel Aufwand umgebaut, aus ihren Restaurants wurden Chateaus oder Wohlfühlpaläste mit Hotelbetrieb. Also stürzt sich Loiseau in die Verhandlungen mit Banken.  Es ist Wirtschaftskrise, die Autobahn wurde um Saulieu gebaut und hält Gäste davon ab, in den Ort zu kommen, die Branche gilt als „schlecht“. Am Ende hat Loiseau 15 Mio Francs aufgenommen, die er in Monatsraten von 225.000 Francs zurück zahlen muss. Ohne zu wissen, ob wegen des Umbaus ein einziger Gast mehr kommt.

Am Silvestertag 1990 ist das umgebaute Lokal erstmals voll (120 Gäste á 1000 Francs Umsatz).

Karte 32 - Burgund
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StepMap Karte 32 - Burgund


  • Die Region

Als nächstes sucht er sich die besten Zutaten und Lieferanten für Produkte aus der Region. Diese Kapitel (eines pro Produkt) sind eine wunderbare Reise durch die Dörfer Burgunds. Er sucht Pfifferlinge und Steinpilze in den unzugänglichen Wäldern von Morvan. Er schießt Tauben (fleischige, nicht die städtischen). Weine findet Bernard in und um Savigny-sur-Beaune und Nuits-Saint-Georges. Käse in Epoisse (die Käsesuche ist mein Lieblingskapitel). Schnecken in Blancey. Rindfleisch in Charolles. Nur der Bäcker in Brazey lehnt ab, weil er keine Lust hat, seine Produktion auszuweiten.

Dann beginnt die Pressearbeit. Bernard fährt mit Fernsehteams und Journalisten zu jedem seiner Lieferanten. Fototermine, Auftritte in TV-Shows folgen. Die Preise der Gerichte steigen. Nur der Gewinn stagniert bei 60 Angestellten. Dann endlich erhält er den dritten Stern.

Das Lokal ist jeden Tag voll besetzt. Schließlich kommt sogar Mitterand. Er bringt übrigens selbst gesammelte Pilze mit.

  • Neue Wege

Die Nouvelle Cuisine ist mittlerweile zu einer Spielwiese von Experimentalköchen geworden (es gibt so merkwürdige Sachen wie Ente in Schokolade) oder für schöne Gemälde auf dem Teller, die mit Kiwis verziert sind, aber nicht schmecken. Die guten Köche, darunter neben Loiseau auch Bocuse schauen sich nach neuen Geschäftsideen um.

Bocuse ist es schließlich, der die Parole ausgibt: Wir müssen von McDonalds lernen. Zwei Dinge können die besser. Sie beziehen die Kinder in den Betrieb mit ein, und sie machen ein Menu für Familien mit Kindern preislich attraktiv. Und dann gibt es weitere potentielle Kunden. Das sind alle die, die sich von der förmlichen Atmosphäre eines 3-Sterne-Lokals abgeschreckt fühlen.

Die Lösungen sind Tiefkühlgerichte – pardon: Tiefkühl-Gourmet-Gerichte. Außerdem entstehen Bistro-Ketten, und schließlich stellen die Sternköche ihre Namen auch für einfachere Lokale zur Verfügung. Es kommen Kochbücher auf den Markt, und es kommen Anfragen aus anderen Ländern, Restaurants zu eröffnen. Bernards erstes ausländisches Restaurant steht in Kobe in Japan. Dann folgen Gespräche mit den Produktmanagern von Unilever und eine Suppenedition entsteht.

Aber der Markt ist gesättigt. Die Bistros sind das erste Anzeichen für die Sehnsucht nach mehr authentischem Leben. Rindfleisch wird durch mehrere Skandale diskreditiert. Die Kreditzinsen sind hoch; Bernard muss 13 Angestellte entlassen. Seinen Konkurrenten geht es nicht besser. Da helfen auch ein paar verliehene Orden nicht weiter. Irgendwann kommt aber auch der nächste Aufschwung, neue Preise. Die Geschichte endet 1994.

  • Bemerkungen

Es kein Gourmet-Buch, kein erzähltes Kochbuch. Das Buch handelt von den organisatorischen Problemen eines Mannes, der ein Unternehmen führt, seinem Wettlauf um die beste Qualität, und natürlich seinen finanziellen Herausforderungen. So erfährt man, dass die wichtigste Neuerung der Nouvelle Cousine eine ökonomische war. Der Koch ist von nun an gleichzeitig der Besitzer des Lokals, nicht mehr Angestellter. Und der Maitre d’hotel ist an Weisungen des Kochs gebunden. An dieser kleinen Bemerkung erahnt man die Spannungen, die es zuvor zwischen den beiden gegeben haben muss. 
Es ist spannend erzählt und bietet einen tiefen Einblick in die Geschichte, Kultur und Ökonomie Burgunds. Das weitere Leben Loiseaus verläuft tragisch. Er erschoss sich 2008. Seine Witwe führt das „Cote d’Or“ bis heute weiter.