Karte # 27: Eine Orientfahrt 1930 – „Unter der Sonne des Südens“ von Fritz Löwe

Heute geht es mal wieder um einen klassischen Reisebericht. Das Buch ist mir zuerst aufgefallen, weil es mir aus der Kiste giftgrün entgegenstrahlte und aufgrund seines Alters a priori interessant erschien. Der Copyright-Vermerk zeigt das Jahr 1930, das Buch hat 127 Seiten, HC im Format DIN A5. Es heißt „Unter der Sonne des Südens – Eine Mittelmeer- und Orientfahrt“. Der Autor heißt Fritz Löwe. Leider steht keine weitere Information über ihn im Buch. Zur gleichen Zeit forschte ein Meteorologe und Glaziologe gleichen Namens. Ich weiß leider nicht, ob die beiden identisch sind.

  • Das Setup

Gesellschaftsreisen auf See finden immer mehr Aufnahme in die Sortimente der Reisebüros und Kontore. So beschreibt der Autor abwechselnd das Leben an Bord und die ereignisreichen Landausflüge, die wohl organisiert sind. Es wird weder gesagt, wann die Reise genau statt fand, nicht einmal die Jahreszeit wird genannt und auch nicht der Name des Schiffes. Es handelt sich also um „irgendeine“ Reise, wie sie in dieser Zeit möglich war.

  • Übers Mittelmeer (Karte rauszoomen)

Die Fahrt beginnt in Neapel, der „ewig jungen Zauberin“, und führt nach Athen. Der erste Landausflug: Man fährt zur Akropolis, am nächsten Tag zum Archäologischen Nationalmuseum, Hadriansbogen, Olympieion, Dionysos-Theater. Dem schließt sich eine Stadtrundfahrt an. Beim Abendessen verplaudert man sich, und so muss ein Auto die Gesellschaft zum Hafen zurück fahren, „dass die Lappen flogen“. Das Schiff fährt weiter nach Konstantinopel mit kurzem Landausflug. Weiter nach Alexandria. Eine kurze Stadtrundfahrt und weiter nach Haifa. Dem Autor fällt die europäische moderne Bauweise der Stadt auf. Die Zuwanderung aus Deutschland hat auch die umliegende Landwirtschaft zur Blüte gebracht. Es beginnt der längste und eindrucksvollste Landausflug, der in mehreren Tagen durchs Heilige Land führt und anschließend weiter bis Ägypten.

  • Das Heilige Land (blaue Knöpfe)

Die Reisegruppe sitzt im Zug und fährt zunächst an der Küste entlang durch fruchtbares Land mit Orangengärten, Viehherden und Palmenhainen. Am Knotenpunkt Ludd zweigt die Bahn nach Jerusalem ab. Mit dem Auto geht es durchs Jaffator bis ins Hotel im arabischen Viertel.

Am nächsten Morgen fährt die Autokolonne am Rahelgrab vorbei nach Bethlehem, das mit 12000 Einwohnern auf zwei durch einen Sattel verbundenen Hügeln liegt. Die Autos halten auf dem großen Platz vor der Geburtskirche, die besichtigt wird. Zurück in Jerusalem stehen weitere Sehenswürdigkeiten an: Die Via Dolorosa, die Grabeskirche, die Klagemauer und die Omar-Moschee, deren Besichtigung ausführlich geschildert wird, einschließlich des Brandopferaltares im Innern.

Am nächsten Tag fährt die Gruppe mit dem Auto durch reiche Öl- und Feigenpflanzungen, später durch Steinwüste, bis nach Jericho und von dort zum Toten Meer. Die Umgebung ist ausgestorben, kein Baum, kein Strauch, kein Vogelgesang, kein Fisch. Es wird geschildert, dass Kaiser Titus Sklaven ins Meer warf, die in Ketten gefesselt waren. Ging nicht (also reinwerfen ging, aber untergehen ging nicht). Die Rückfahrt nach Jerusalem führt bergauf, an Kamelherden und Bergziegen vorbei, von freundlichen Beduinen gegrüßt. Am nächsten Tag setzt man sich in den Zug der ägyptisch-palästinensichen Bahn nach Kairo.

  • Ägypten (gelbe Knöpfe)

Hinter dem Knotenpunkt Ludd führt die Strecke zwischen Wüste und Meer nach El-Aris. Sandfelder und Sandwolken wechseln sich ab (wenn man das denn Abwechslung nennen kann). Die Fenster müssen geschlossen bleiben, damit kein Sand in die Waggons eindringt. Ventilatoren an den Decken der Waggons und ein unerschöpflicher Vorrat an Erfrischungsgetränken machen die Hitze erträglich. Es wird Abend. In grünen Oasen sieht man Lagerfeuer, an denen Beduinen sitzen, während ihre Schafherden an der Tränke sind. Wieder Kamelherden, ab und zu weiden Pferde. Am Suezkanal ist erstmal Endstation. Es wird Nacht. Man setzt nach El-Kantara über, wo es in einem anderen Zug weiter geht. Über Ismailia geht es nach Kairo.

Im Auto geht’s dann ins Heliopolis Palace Hotel. Es ist der erste große Maskenball Kairos mit einigen tausend Gästen. Das Fest – farbenprächtig, temperamentvoll und mehrseitig geschildert – lässt Kairo als eine außergewöhnlich mondäne und luxuriöse Stadt erscheinen.

Die nächsten Tage gehören den Monumenten: Alabastermoschee, Sergius-Kirche, die Königsmumien im ägyptischen Museum. Nächster Tag: Per Nildampfer zum Fellachendorf Bedachen. Auf dem Rücken von Eseln weiter zu den Pyramiden von Sakkara, der Granitstatue Ramses II, zu den Totenfeldern von Memphis, zur Mastaba des Ti, zur Gruft des Apisstiere und wieder per Schiff zurück.

Von der Hotelterrasse beobachtet der Autor das Alltagstreiben in Kairo: Vornehme Menschen führen Affen an der Leine spazieren. Schuhputzer lassen einen einmal ergriffenen Schuh nicht mehr los. Polizisten vertreiben die Schuhputzbengels. Nachts erwachen die Straßen „Charme-Wag“ und „El-Berka“ zum Leben. Hunderte von Bars mit lauter Musik, Kabarett an Kabarett. Musiker aus allen Ländern lärmen, und alle sind von reinem Vergnügungstaumel befallen. Barbiere haben die ganze Nacht geöffnet, In der „Pharmacie“ wird Parfum verkauft, die Bonbon-Buden quillen über, die Konditoreien ebenso. Alles farbenprächtig beschrieben im Kapitel „Die Geishastadt“.

Mit dem Zug fährt man dann über Tanta durch das immer breiter werdende Nildelta, bis man im Hafen von Alexandria wieder das Schiff besteigt. Ein letzter Ball an Bord, Fahrt durch die Straße von Messina, Neapel, Anker rasseln.

  • Bemerkungen

Bei den Landausflügen werden fast ausschließlich die Monumente geschildert und immer wieder betont, dass sie so daliegen, wie seit Jahrhunderten. Es erscheint dem modernen Leser nicht originell. Das ist aber auch vor dem Hintergrund der Zeit zu verstehen. In den 20er-Jahren wurde Reisen erstmals für eine breitere Schicht erschwinglich. So ist das Buch ausdrücklich als Werbung zu verstehen, sich auf eine solche Reise zu begeben. Es wird zwischen den Zeilen gesagt: „Das, was ihr aus Büchern kennt, steht tatsächlich seit Jahrhunderten so da. Fahrt hin und schaut es euch an.“  Dann hätte bestimmt jemand gefragt: „Ist das nicht gefährlich?“

Die Antwort des Buches ist: Auf Reisen fehlt es euch an nichts. Deswegen sind die Exkurse interessant, in denen das Leben an Bord geschildert wird, die organisatorischen Anstrengungen, einen Landausflug perfekt zu organisieren, das Kapitel über den Maschinenraum, die Beschreibungen der Schiffsküche, der Aufgaben des Schiffsarztes, der von modernster Technik profitiert.

„In der Bordfunkstelle“ herrschen Funkpeilung und Radio-Telephonie über die Launen der Naturgewalten. Es werden sogar Nachrichten – von Sport bis zu Börsenkursen – an Bord übermittelt. Und das Unwesen der Hochstapler und Schwindler wird durch schnelle Nachrichtenübermittlung empfindlich gestört.

Insgesamt gesehen ist das Buch eine Rarität und alleine schon deswegen was Besonderes.

http://www.eoas.info/biogs/P002202b.htm

Athen von 2 1/2 Jahrtausenden – Revisited: Das Atommodell

Das nächste Buch, das mir in die Hand kam, heißt „Atom“. Es ist ein historischer Roman von Karl Schenzinger. Er wurde 1950 geschrieben und besteht aus drei Teilen. Diese sind in Struktur und Erzählstil zu verschieden, und so habe ich drei Beiträge daraus gemacht.

Zunächst also zu Teil 1, der im antiken Griechenland spielt, in einer Epoche, die ich schon einmal in diesem Beitrag behandelt habe.  Hier geht es speziell um die Zeit von 404 – ca. 390 v. Chr. Die Hauptperson der Handlung ist Demokrit von Abdera. Dieser Teil 1 trägt den Titel „Die Frage“.

Demokrit ist jung und Schüler des Leukippos. Er verehrt dessen Tochter Xenia. Athen wird von Kritias in tyrannischer Form regiert. Kritias hat vor den Truppen Spartas kapituliert und wird von Sparta als Regent geduldet.

Kritias ließ Demokrit verhaften. Nun sitzt Demokrit in einem Gefängnisturm über der Stadt, darf jedoch seinen Schreiber Pharkias empfangen. Er erzählt seinem Schreiber von einem Besuch in Babylon, wo der höchste Turm steht, den Menschen je gebaut haben. Auf ihm gehen Astronomen ihrer Arbeit nach.

Xenia besucht Demokrit und überredet ihn zur Flucht, weil sie Krieg befürchtet. Außerdem weiß sie, dass Kritias seine Gegenspieler (vor allen Dingen Theramenes – einen der 30 Oligarchen) aus dem Weg räumen lassen möchte. Als Demokrit die Flucht ablehnt, wendet sich Xenia dem Kritias zu. In einer Situation der Orientierungslosigkeit läßt sie sich auf eine Liaison mit ihm ein, obgleich sie ihn haßt.

Theramenes trifft Sokrates in einer Kneipe. Nach einem kurzen Dialog über die Unehrlichkeit der Politik gehen sie gemeinsam durch Athen. Von Kritias gedungene Mörder töten Theramenes auf den Stufen des Tempels. Xenia und Kritias führen den Trauerzug für den Ermordeten an. Leukippos, Xenias Vater ist von ihr enttäuscht und möchte sich umbringen, wird jedoch davon abgehalten.

Kritias besucht Demokrit in seinem Gefängnis und läßt ihn frei. Demokrit genießt seine wieder gewonnene Freiheit mit einem  Spaziergang durch Athen.

Nach langem Zaudern besucht Demokrit Xenia in ihrem Palast. Während dessen tobt die Schlacht von Munychia. Kritias fällt, womit auch Xenias Schicksal besiegelt ist. Pharkias bringt Xenia das Haupt des Kritias und erschlägt sie anschließend damit. (Anmerkung des Blogautors: Sehr bildhaft beschrieben – das Krachen höre ich jetzt noch)

Mittlerweile ist Sokrates verhaftet und zum Tode verurteilt worden. Demokrit besucht Sokrates am Tag seiner Hinrichtung. Auf dem Rückweg sinniert er. Materie ist in unvorstellbar kleine Teile geteilt, diese Atome sind ohne Eigenschaften, sind nie geworden und vergehen nie. Sie bewegen sich ständig in der Leere, die sie umgibt. Dabei bilden sie Gruppen. Diese Gruppen sind die verschiedenen Stoffe. Die Stoffe verändern sich, die Atome nicht.

Demokrit taucht für mehrere Monate ab, um weiter nachzudenken. Er stellt fest, dass alles, was er sieht, ihn immer wieder davon abhält „die Kostbarkeiten, die große Antwort auf die große Frage“ zu erkennen. In letzter Konsequenz blendet er sich mit einem Hohlspiegel. danach lebt er an einem entlegenen Ort, vermutlich in Abdera.

Dort ereilt ihn die Nachricht, dass in Athen seinen Ansichten schroff widersprochen wird. Also macht er sich nach Athen auf, um sich der Rede zu stellen.

Ein letztes – öffentliches Streitgespräch: „Ich kann teilen, immer wieder teilen.“ – „Aber wo ist das Ende?“ … „Du kannst es Logos nennen.. Der Logos ist das Atom, was unteilbar ist.“ – „Erfahren wir das Letzte nicht in uns? Kann reines Gefühl nicht mehr sein als edler Beweis?“.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht stirbt Demokrit.

Der Text ist eine turbulente, bunte und manchmal grausame Sittengeschichte Athens in der Zeit von ca. 410 – 390 v. Chr. Gesichert erscheinen die Daten 404 (Ermordung des Theramenes), 403 (Tod des Kritias) und 399 (Tod des Sokrates). Mit viel Handlung werden die Intrigen der griechischen Politik anschaulich dargestellt. Der Text besteht manchmal aus langen Dialogen, da mußte ich schonmal zurück blättern, um zu verstehen, wer gerade spricht. Die Erzählpassagen sind teilweise in einem schlagwortartigen Stil geschrieben, der gewöhnungsbedürftig ist. Trotzdem: Der Ansatz des Autors ist es, das gesamte Leben des Demokrit darzustellen. Und der ist gelungen.

Demokrits Leben und Wirken (was im Kern aus Denken und Reden besteht) wird in den Kontext des damaligen Athen eingebunden. Er wird geschildert als intelligenter, doch schrulliger Einzelgänger, der mit sozialen Anforderungen überfordert scheint. Der Held lebt in einem sozialen Umfeld, an dem er wenig Freude hat. Seine auf das Denken – und gerade nicht auf das Fühlen – bezogene Weltsicht setzt der Demokrit dieses Romans auch seinem Alltag um. Nach seiner Freilassung weigert er sich tagelang, Xenia zu besuchen, nach dem Tod des Sokrates taucht er monatelang ab und kommt mit noch weltabgewandteren Ansichten wieder. Der Vorgang des Blendens – ob er historisch stattgefunden hat, ist wohl strittig – macht aus Demokrit einen umnachteten Menschen. Demokrit wird als der Denker dargestellt, dessen Ansichten zwar überdauern, der als Person aber an der Wirklichkeit scheitert.

Im Gesamtgefüge des Buches (Zur Erinnerung: das Buch heißt „Atom“) ist der Text aber eher ein überlanger Prolog. Das Atommodell wird an zwei Stellen ein wenig beschrieben. Wie Demokrit auf seine Gedanken kommt, wird nicht geschildert. Auch sonst bleibt seine wissenschaftliche Arbeit im Hintergrund und das Sittengemälde der Gesellschaft ist der eigentliche Inhalt.

Athen vor 2 1/2 Jahrtausenden

Das nächste Buch zieht mich nach Griechenland. „Klassischer Tag“  ist ein Band aus der Reihe „Bild der Jahrhunderte“ von Otto Zierer. Er behandelt auf 140 Seiten die Zeit von 510 (Der Errichtung der Demokratie in Athen) bis 399 (Tod des Sokrates) vor Christus

Die persische Armee unter Darius dringt immer weiter nach Westen vor und könnte in naher Zukunft Athen bedrohen. Der oberste Richter Aristides lässt sich zu dem Besuch eines Gymnasiums überreden, wo ihm der begabte Schüler Themistokles vorgestellt wird. Themistokles plädiert in einer Redeübung dafür, die Seemacht aufzurüsten. Die beiden mögen sich nicht und werden Gegenspieler bleiben.

15 Jahre später wird Aristides zum Stadtherrscher Athens gewählt. Themistokles streitet immer noch für eine kriegerische Politik, und es gelingt ihm im Folgejahr, sich durch die Volksversammlung an die Spitze des Staates wählen zu  lassen. Für den Bau der von ihm gewollten Flote benötigt er die Erträge der reichen Silberminen, die Aristides verwaltet. Außerdem will er für Athen einen Hafen bauen. Als Aristides ihm die Zusammenarbeit verweigert, gelingt es Themistokles, ihn durch ein Scherbengericht aus der Stadt vertreiben zu lassen.

Darius‘ Nachfolger Xerxes setzt dessen expansive Politik fort. Themistokles erkennt die Gefahr und möchte den Kriegsrat dazu bewegen, dass sich die – mittlerweile gebaute – Flotte zum Kampfe stellt. Er unterliegt. Mit einer List verführt er Xerxes dazu, die griechische Armee anzugreifen. Athen kann nun nicht mehr anders als sich zum Kampfe zu stellen. In der seichten Bucht von Salamis haben die leichten griechischen Schiffe Vorteile gegenüber den schwerfälligen und tiefliegenden persischen und siegen.

Weitere 30 Jahre später lebt Griechenland unter Perikles in einer Epoche des Wohlstandes, auch durch den neuen Handelshafen Piräus begründet. Herodot besucht Aischylos‘ Persische Tragödie und lernt den jungen Thukydides kennen. Sie führen eine langen Dialog über die Gefahren und die Beständigkeit der Demokratie. Als Perikles Frau Aspasaia einen Arzt benötigt, sucht Perikles auf dem Markt und findet Hippokrates. Unterdessen gibt es noch einen langen Dialog. Aspasaia plaudert mit ihrer Zofe Chloe über Schönheit und Vergänglichkeit. Perikles empfängt Besuch aus Rom, das gerade die Etruskerkriege gewonnen hat. Die Gäste und der Gastgeber philosophieren über den Sinn und Unsinn von Philosophie. (Der Satz im Titel des Beitrags wird dem römischen Gast Postumius Albus in den Mund gelegt)

Bald jedoch beginnt der Niedergang Athens. Die Kluft zwischen den Volksschichten vertieft sich. Den Politikern geht es nicht mehr um das allgemeine Wohl, sondern um den persönlichen Gewinn. Immer häufiger werden angesehene Bürger diffamiert. Im Theater wird Medea von Euripides aufgeführt. Aristophanes und der begabte Redner Protagoras streiten über das Stück, mehr jedoch darüber, inwieweit das Theater den Wandel seiner jeweiligen Zeit abbildet.

Sparta führt Krieg gegen Athen. Athen zieht gegen Spartas Verbündeten Syrakus. Eitelkeiten in der Athener Führung führen dazu, dass der Oberbefehlshaber Alkibiades zu Beginn der Schlacht abgelöst wird. Er läuft zu Sparta über, das die Athenische Flotte besiegt und später den Rest der Flotte am Hellespont. Zum Ende des Bandes wird die Verurteilung und Hinrichtung des Sokrates wegen Gotteslästerung beschrieben.

Die historischen Fakten der Ereignisgeschichte lassen sich auch an anderer Stelle nachlesen. Das besondere ist der Erzählstil. Es ist ein essayartig geschriebenes Geschichtsbuch. In teils fiktiven – doch auf guter Quellenauswertung gegründeten – Szenen wird die Stimmung in Athen lebendig wider gegeben. Themistokles besucht sein Reich, indem er auf einem Sklavenmarkt und in einer Silbermine auftaucht. Zwei Seefahrer schildern sich gegenseitig, wie unglückliche Umstände sie zur Seefahrt zwangen. Und spielerisch begegnen sich die wichtigsten Personen der Epoche wie zufällig im Theater oder auf dem Markt. Lange Dialoge geben die Stimmungen und Strömungen des Zeitgeistes wieder. Die Geschichte wird authentisch und lebensnah nahegebracht, ohne dass es gleich zu einem historischen Roman wird.

Das Buch sympathisiert mit der Demokratie, deren Kraft aus einer Kombination von idealistischer, militärischer, finanzieller und sozialer Stärke entsteht. Sobald diese Säulen bröckeln, beginnt ihr Zerfall. Deswegen ist das Buch auch heute noch lesenswert, meint Leopold.