Mit dem Schiff nach Malaysia und dann weiter nach Hongkong

Heute geht es nach Malaysia. „Roter Lampion“ von C.C. Bergius läuft auf 408 Seiten um den halben Erdball. Es ist ein Spionageroman, der meistens auf dem Schiff und später im Fernen Osten spielt. Aber weil es ja auch um Geographie geht, kommt hier erstmal die Reiseroute: London – Rotterdam – Golf von Biscaya – Genua – Port Said – Suezkanal – Suez – Dschibouti – Penang. Hier endet die Seereise, der Rest der Geschichte spielt in Ipoh, Kuala Lumpur, Hongkong und Macao. Zwischen Kuala Lumpur und Hongkong wird per Flugzeug gependelt, zwsichen Hongkong und Macao per Schnellboot und in Malaysia wird Auto gefahren.

Die Geschichte beginnt 1967 in London. Vor dem Ritz explodiert der Bentley von Ivo Soronkin. Der ist Waffenhändler aus Hongkong. Der MI5 erfährt, dass Soronkin mit dem Dampfer „Bayern“ nach Hongkong fahren will und beauftragt Gordon Cooper, mit Soronkin Kontakt aufzunehmen. Soronkin leitet die „British Chinese Ex- and Import Company“, hinter deren Fassade ein Spionagering vermutet wird.

Cooper, und damit beginnt die Reise, geht in Rotterdam an Bord der „Bayern“. Die Fahrt führt dann erstmal bis nach Genua. Während eines Landganges erhält Cooper dort weitere Informationen. An Bord befindet sich auch die attraktive Patrice MacDonald. Sie verriet 1951 ihren Geliebten an den Secret Service, und sie hat schon mit Soronkin angebandelt. Nicht mehr an Bord ist der französische Agent Lefebre. Als er die „Bayern“ verläßt, verneigt er sich vor dem chinesischen Passagier Lim Swee Long. Das stimmt  Cooper bedenklich.

Die Fahrt geht weiter bis nach Port Said. Den Passagieren sind Landgänge untersagt. Soronkin darf mit einer Sondergenehmigung das Schiff verlassen. Er fährt nach Kairo, um danach in Suez wieder an Bord zu gehen. Tätigt er etwa Waffengeschäfte?

Während Soronkin an Land ist, explodiert in seiner Kabine eine Bombe. Cooper vermutet spontan Lim als Attentäter.

Die Fahrt geht weiter durch das Rote Meer nach Dschibuti. Unterwegs engagiert Soronkin Cooper als seinen Privatsekretär. Die „Bayern“ durchfährt die Straße von Malakka. Dort verunglückt Soronkin (er guckt aus Neugier in die Ladeluke und wird von einem Flaschenzug am Rücken getroffen), wird in ein Hospital in Penang und später im Gipsbett in die Uniklinik nach Kuala Lumpur transportiert. Cooper verliebt sich in die Ethnologin Margot Holstein, die bereits auf dem Schiff kennlernte. Sie weist ihn zurück.

Der Sechs-Tage-Krieg bricht aus. Soronkin vermutet, dass die Sowjetunion nun Waffen an Ägypten verkaufen wird. Auf diese Wiese aus dem Markt gedrängt, möchte er daher in anderen arabischen Ländern neue Märkte erschließen. Dazu benötigt er Kredite. Er beauftragt Cooper, nach Hongkong zu fliegen. Dort soll er sich mit Ah Boon treffen, der Soronkins Partner bei der Bank of China ist. Cooper darf auch in Soronkins Privathaus wohnen, das von Lo Sung verwaltet wird. Der ist der Neffe von Ah Boon. Cooper entdeckt im Haus Abhörmikrophone.

Cooper erfährt, dass der Agent Bill Hawker nach Hongkong kommt. Am folgenden Morgen wird Hawker unter dem Vorwand, er habe Geld unterschlagen, verhaftet und Soronkins Haus durchsucht.

Soronkin befiehlt nun Cooper nach Kuala Lumpur und erteilt ihm den Auftrag, für 500.000 Dollar ein Privatflugzeug zu kaufen, mit dem er Soronkin nach Hong Kong fliegen kann, obwohl er im Rollstuhl sitzt. Cooper kauft unter Vermittlung des Japaners Lee Akira eine Maschine von einer Bank, die diese Maschine gerade verwertet.

Überhaupt Lee Akira: Er besitzt 55 % der Albion Tin Works in Ipoh und ist außerdem der Adoptivsohn des Geliebten von Patrice, den sie mal verriet. Die anderen 45 % kamen von einem Engländer namens George Hamilton, der sie an den indischen Gouverneur Mac Donald verkaufte. Nach dessen Tod erbte Patrice MacDonald diesen Anteil. Um Patrice aus dem Geschäft zu drängen, befiehlt Lee Akira seinen Arbeitern, unauffällig immer weniger zu produzieren. Patrice MacDonald ist beunruhigt, weil ihre Aktien immer weiter fallen. Soronkin erfährt davon. Als die Bank Patrice unter Druck setzt, kauft Soronkin ihr die Anteile ab. Patrice verunglückt kurz darauf tödlich. Dies ist für Cooper ein Vorwand, wieder nach Hongkong fliegen zu dürfen. Dort trifft er Lo Sung wieder und auch die junge Frau Su-Su, in die er sich verliebt. Sie fahren nach Macao, begegnen in einem Casino zufällig Lim Swee Long und fahren wieder zurück, als Su-Su belästigt wird.

In Hongkong sieht Cooper, wie ein roter Lampion aufsteigt. Er hält dies für ein verabredetes Zeichen. Er fliegt am nächsten Morgen nach Kuala Lumpur und nimmt Soronkins Boy Tim aus dem Hong Konger Privathaus von Soronkin mit. Vor Soronkin gesteht Tim, dass er die Abhöranlage im Auftrag von Lo Sung installierte.  Außerdem hat Lo Sung einen florierenden Handel mit Ginseng-Wurzeln (1 Gramm Wurzel kostet 1 Gramm Gold). Der Handel läuft über Macao. Lo Sung beauftragte Lim Swee Long mit dem Mord an Soronkin. Ihn zu überführen soll er von Macao nach HongKong gelockt werden.

Lee Akira fährt nach Macao, trifft Lim und beauftragt ihn, einen gefälschten Pass zu besorgen. Für die Übergabe benutzt er die Adresse der „British Chinese Ex- and Import Company“, die damit als Spionageorganisation entlarvt ist.

Lim fliegt fährt zur Übergabe nach Hongkong, wo er verhaftet wird.

Nun gut.

Eine weite Schiffreise, an deren Ende viel zwischen Hongkong und Malaysia hin und her gejettet wird. Ansonsten hat das Buch für den heutigen Leser etwas Niedliches. der Agent Cooper hat ständig Angst, Fehler zu machen. Als er den Auftrag von Soronkin erhält, sein Sekretär zu werden, sagt er zu und weiß, dass er seine Kompetenzen überschreitet. Er empfindet einen Loyalitätskonflikt zwischen Soronkin und dem MI5. Und er verliebt sich gleich zweimal, in Margit Holstein und Su-Su. Eine böse Ginseng-Wurzel-Handelsorganisation wird einem Waffenhändler gefährlich. Nett, das alles. Und natürlich ist Margit Holstein dabei, Soronkin zu überzeugen, statt Waffen zu schmuggeln das Rote Kreuz zu unterstützen.

Es wird auch die große Politik gestreift. Der Sechs-Tage-Krieg läuft kurz nach der Durchfahrt des Golf von Suez. China steckt in einer Art Bürgerkrieg zwischen verfeindeten Fraktionen der Roten Garden fest. Trotzdem hat es seine erste Wasserstoffbombe gezündet. Soronkin hat hierfür die Bauteile für ein 20-Mio-Volt Zyklotron geliefert. Und auf dem Weg von Singapur nach Hongkong überfliegt Cooper Vietnam und sinniert darüber, was Menschen anderen Menschen so antun. Die Freundschaft zu einem Waffenhändler bringt ihn nicht auf derartige Gedanken. Das Überfliegen des Kriegsgebiets war wohl zu dieser Zeit auch kein Problem.

Die handelnden Personen bleiben einförmig. Der von wiederholten Zweifeln geplagte Agent Cooper, sein Gegenspieler Soronkin, der im Krankenhaus liegend die Welt an sich vorbei ziehen läßt, Lim Swee Long wird von Anfang an verdächtigt und ist dann wirklich der Täter. Nicht mal Holstein, Lee Akira oder Ah Boon treiben ein falsches Spiel.
Aus geographischer Sicht fragwürdig: Das Schiff fährt aus dem Roten Meer nach Malaysia und fährt weder Indien (Bombay) noch Ceylon an. Das scheint unrealisitisch

Positiv: Es gibt viel Handlung an unterschiedlichsten Orten. Am schönsten ist die Szene, in der Soronkin nach dem Unfall sein Leben wieder selbst in die Hände nimmt, indem er Cooper beauftragt, ein Flugzeug zu kaufen.

Und der Ginsengkurs ist seither drastisch gefallen. Im Roman heißt es für das Jahr 1967: 1 Gramm Wurzel = 1 Gramm Gold. Bei einem Goldpreis von 35,18 USD pro Unze (also 1,13 USD pro Gramm Gold und einem Dollarkurs von 4 DM) kostete die Wurzel ca. 4,51 DM oder 2,31 EUR in heutiger Währung.

Heute kostet 1 Gramm Wurzel ca. 1 EUR, also 1,96 DM. Das sind nur noch 43 % – in heutiger Währung. In Gold gerechnet ist der Preisverfall noch dramatischer: Bei einem Goldpreis von 1700 USD pro Unze (also 54,83 USD pro Gramm und einem EUR/USD-Kurs von 1,4) sind das 39 EUR pro Gramm. Ein Euro kostet also 0,025 Gramm Gold. Die Wurzel Ginseng kostet also in Gold gerechnet nur noch 2,5 % dessen, was sie 1967 gekostet hat.

So ändern sich die Zeiten.

Von Wien mit dem Zug nach Gmünd und im Auto bis Ratten (Steiermark)

Cover Flucht aus der AngstIn dem Roman „Flucht aus der Angst“ von A.J. Cronin wird auf 219 Seiten in Österreich umanand gefahren.

Die Geschichte spielt im Dezember 1950. Austria est omnis divisa in partes quattuor, eben die vier Besatzungszonen. Bryant Harker ist in Wien der Geschäftsleiter eines amerikanischen Ingenieurunternehmens. Er hat gerade die Ausschreibung für den Bau einer Brücke vergeigt und benötigt für einen anderen Auftrag eine Menge Bauholz. In Wien gibt’s keins, also muss er in die sowjetische Besatzungszone nach Gmünd. Zuvor trifft er noch einen alten Bekannten, Arnold Thulemahler. Thulemahler erzählt von seiner Jugendliebe Magdalena Durych, die ebenfalls in Gmünd gestrandet sein soll. Er gibt Harker ein Foto von ihr mit. Auf der Zugfahrt nach Gmünd wird Harker von zwei sowjetischen Agenten befragt, wobei ihm in einem Augenblick der Unachtsamkeit das Foto von Magdalena aus der Tasche fällt. In Gmünd erfährt er von dem Nachtklub „Atlantis“, in dem Durych auftreten soll. Sie nennt sich Madeleine, singt und assistiert dem Hellseher Gustav. Nach einem Auftritt bittet Harker sie an seinen Tisch. Kurz danach steht sie ängstlich auf, nachdem sie den blinden Geheimdienstchef Kyrov und zwei seiner Agenten – die Harker aus dem Zugabteil kennt – gesehen hat.

Madeleine versäumt einen Auftritt. Voller Sorge geht Harker zusammen mit Gustav zu ihrer Wohnung. Sie liegt dort gefesselt, sie und Gustav gestehen Harker, amerikanische Spione zu sein. Harker beschließt, ihnen zur Flucht zu verhelfen, besorgt einen alten Opel – es gibt in der sowjetischen Besatzungszone keine Autovermietungen – und plant die Route: Von Gmünd durch den „Gmeiner Wald“, bei Melk über die Donau, weiter nach Aspang und von dort über die Grenze in den britischen Sektor. Kurz vor Beginn der Flucht entdecken sie Gustav ermordet in seiner Garderobe. Sie brausen los. In Aspang übernachten sie und werden am nächsten Morgen von den beiden schon bekannten Agenten überrascht. Nach einem Handgemenge gelingt Harker und Madeleine die Flucht mit dem Dienstwagen der Agenten. Der Grenzübertritt scheitert, und sie fliehen auf Bergstrecken weiter. Sie schütteln ihre Verfolger ab, verlassen das Auto und fliehen zu Fuß über die Fischbacher Alpen nach Mahlstorf, wo sie übernachten. Während dieser Flucht ist Madeleine schwer gestürzt. Sie suchen einen Arzt in Mahlstorf auf. Harker zwingt ihn mit vorgehaltener Pistole (die hat er aus dem Agentendienstwagen) ins Krankenhaus nach Ratten im britischen Sektor zu fahren. Doch auch der Grenzübertritt mit dem Krankenwagen mißlingt. Schließlich landen sie in Hofheim, wo ein Fest zu Ehren der Heiligen Borna statt findet. Eine Prozession aus einem Dorf aus dem britischen Sektor erklärt sich bereit, Madeleine als Prozessionspuppe zu verkleiden. Auf diese Weise gelingt die Flucht.

Aus geographischer Sicht ist das Buch unschön: Hofheim und Mahlstorf existieren in Wirklichkeit ebenso wenig  (habe zumindest in keinem Atlas was gefunden) wie die Heilige Bora. Hatte das Dörfchen Ratten tatsächlich ein großes Krankenhaus? Die Fischbacher Alpen liegen im damals britischen Sektor. Außerdem spielt die Handlung im Winter. Das sollte erzählerisch zu weit größeren Komplikationen führen. Die Kälte spielt nur einmal bei der Flucht zu Fuß über die Berge eine Rolle, als sich Harker und Madeleine mal kurz die Erfrierungen aus den Zehen rubbeln. Und die Straßen sind 1950 absolut winterfest. Außerdem sind die Motive des Ingenieurs unklar. Er ist zwar in einer beruflichen Krise und bekennt zu Beginn auch seine Naivität gegenüber der Besatzung, aber sich in einem fremden Land so unverhofft in ein Abenteuer zu stürzen, wirkt unmotiviert. Und dann das Happy-End: Harker macht Madeleine einen Heiratsantrag, aber was ist mit der Holzlieferung? Kommt sie an? Wird er gefeuert, versetzt oder befördert?

Leider sind die Figuren und das Buch zu eindimensional erzählt, und ich habe nicht den Eindruck, dass der Autor sich mit Österreich beschäftigt hat.