„Das Totenschiff“ von B. Traven

Das Totenschiff Cover

Den Beitrag über „Das Totenschiff“ habe ich vor knapp einem Jahr veröffentlicht. Nun gibt es zu diesem sehr lesenswerten Buch auch die Karte.








Das Totenschiff
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StepMap Das Totenschiff



Der Roman „Das Totenschiff“ des geheimnisumwitterten Schriftstellers B. Traven hat 227 Seiten. Das Buch spielt im Jahr 1926 und handelt in drei Teilen von den sehr speziellen Erlebnissen des amerikanischen Matrosen Gales. Er ist der Ich-Erzähler und hat im Buch keinen Vornamen.

  • Teil 1 spielt an Land.

Gales hat auf dem Frachter „Tuscaloosa“ angeheuert. Ein Landgang in Antwerpen, eine Hafenhure, und schwupps: Er versäumt das Auslaufen seines Schiffes. Ohne Papiere, Geld und Gepäck beginnt für ihn eine Odyssee durch Europa. Die fehlenden Papiere sorgen dafür, dass er überall als Staatenloser angesehen wird. Folglich wird er aus jedem Land in das nächste abgeschoben. Die Polizei Antwerpens zeigt ihm, wie er nach Rotterdam kommt, die niederländische Polizei setzt ihn in einen Zug nach Paris, der dortige amerikanische Konsul glaubt ihm seine Geschichte nicht. Gales muss mit dem Zug weiter über Limoges nach Toulouse. Dort wird er wegen „Eisenbahnbetruges“ (so hieß wohl Schwarzfahren früher) verhaftet. Da er mitbekommen hat, dass Amerikaner schlecht angesehen sind, gibt er sich als Deutscher aus. Er sitzt seine Strafe ab und zieht weiter. Eine Bauernfamilie gibt ihm Unterschlupf. Es entstehen amüsante Dialoge. So muss er seinen Gastgebern in Frankreich einmal von Deutschland erzählen, ohne jemals dort gewesen zu sein. Er sagt, er sei aus Südfalen, „da, wo die Hochöfen sind, in denen Königsberger Klopse geschmolzen werden“. Später will er weiter nach Spanien. Kurz vor der Grenze wird er einer französischen Festungsbesatzung inhaftiert und zum Tode verurteilt.

Er wird von einem französischen Offizier verhört. Seiner Schlagfertigkeit verdankt er es, dass er nach Spanien abgeschoben wird. Gales wird aufgegriffen und mit einer Menge Wein und Käse wieder aufgepäppelt. Von Barcelona aus fährt er später kurz nach Marseille, weil er dachte, dass dort amerikanische Schiffe liegen. Dem war aber nicht so. Enttäuscht geht er wieder zurück nach Spanien, wo er faulenzend zwischen Cadiz und Sevilla pendelt.

Während er nun im Hafen von Cadiz beim Angeln sitzt („Angeln ist gelebte Philosophie“), bemerkt er ein altes Schiff, die „Yorikke“. Sie schrammt am Kai entlang. Sie wurde schon häufig umbenannt und umgeflaggt. Die Mannschaft ist schlecht ernährt. Der Kapitän „ein Esel. Die Yorikke war viel intelligenter als ihr Kapitän.“ Die Mannschaft entdeckt Gales und überredet ihn, mitzufahren. Nach Liverpool.

Ende Teil 1

  • Teil 2 spielt auf See an Bord der „Yorikke“

Die Fahrt auf der „Yorikke“ beginnt konfliktreich. Gales gibt sich nun nicht mehr als Deutscher aus, sondern als Ägypter. Gales nennt sich nun Pippip, wird als Kohlenzieher eingeteilt, erfährt, dass das Schiff nicht nach Liverpool fährt, zumindest nicht jetzt, und Heuer bekommt er erstmal auch nicht. Der Kohlenzieher – er wird auch Kohlenschlepp genannt – muss dem Heizer die Kohle bringen. Mit den Kohlen hält der Heizer die neun Feuer im Schiff auf Flamme. Die Arbeitsbedingungen sind unmenschlich, 12-Stunden-Schichten als Kohlenzieher, direkt anschließend 4 Stunden Wache und wieder eine lange Schicht als Kohlenzieher. Die Körper der Matrosen sind gezeichnet, die Arme voller Brandwunden, Hautfetzen hängen herab. Die Matrosen waschen sich mit Asche und Sand. Mehrere Kapitel lang beschreibt Traven, wie sein Körper immer mehr zerschunden wird. Er beobachtet seine Kollegen bei ihrer Arbeit, an der sie langsam zerbrechen. Einige sind bereits Toten gleich.

Die „Yorikke“ legt in Marokko an, sie wird mit Kisten voll Pflaumenmus beladen. Gales öffnet eine Kiste und stellt fest, dass in den Musgläsern Munition versteckt ist. Nach und nach findet er heraus, dass das Schiff zum Waffenschmuggel dient. Er freundet sich mit seinem Kohlenzieher-Kollegen an. Stanislaw Koslowski ist in Posen geboren, dann jahrzehntelang auf Schiffen gefahren. Nach dem Weltkrieg wurde Posen polnisch, jedoch hatte die Bevölkerung die Möglichkeit, zu „optieren“, also aus freien Stücken die deutsche Staatsangehörigkeit zu behalten. Stanislaw war zu dieser Zeit auf See. Als er später einen Pass haben möchte, bekommt er von den deutschen Behörden keinen, da er in ihren Augen Pole ist, von den polnischen Behörden keinen, da er in deren Augen  Deutscher ist. Auf einer deutschen Behörde bekommt er schließlich einen Pass als „Staatenloser“. Damit kann er auf keinem guten Schiff anheuern, da er hierfür eine Staatsangehörigkeit benötigt. Also kam er auf die „Yorikke“. Auf ihr fahren viele Seeleute ohne Pass, die für alle Länder als Tote gelten, und deren Tod niemand bemerken oder betrauern würde. Sie können in keinem Hafen abmustern, denn dazu wären Papiere nötig, die ein Heimatland ausweisen. Das weiß auch der Skipper und enthält den Seeleuten die Heuer vor.

Das Schiff fährt weiter nach Tripolis und dann nach Dakar, wo die Mannschaft tatsächlich an Land gehen darf.

Ende Teil 2

  • Der kurze Teil 3 spielt an Bord der „Empress of Madagascar“

Stanislaw und Gales wollen auf der „Empress of Madagascar“ anheuern, weil sie neu aussieht. Sie erkundigen sich auf anderen Schiffen nach ihr und schnell wird klar, dass das Schiff für einen Versicherungsbetrug benutzt werden soll. Damit wird den beiden klar, dass sie doch besser  nicht auf die „Empress“ gehen. Sie werden jedoch „shanghait“ und landen als Heizer auf dem Schiff. Nach kurzer Zeit läuft die „Empress“ auf ein Riff auf. Teile der Mannschaft – besonders die Offiziere – gehen in die Rettungsboote, ein anderer Teil bleibt an Deck. Eine große Welle reißt die „Empress“ vom Riff los. Stanislaw beginnt zu halluzinieren und springt ins Meer, wo er ertrinkt. Gales gehört zu den wenigen, die gerettet werden.

  • Bemerkungen

Teil 1 ist amüsant und satirisch geschrieben, Teil 2 ist dramatischer und tragischer. Er stellt die Grausamkeit des Schiffes anschaulich dar, die schrecklichen Arbeitsbedingungen, Betrug, aber auch Freundschaft. Wie schon erwähnt, spielt die Handlung im Jahre 1926, der vergangene Erste Weltkrieg ist allgegenwärtig. Die Inflation wird ebenso thematisiert wie die Bildung der Nationalstaaten, die das Phänomen der Staatenlosigkeit nach sich zog. In dem kurzen Teil 3 sinkt das Schiff in einer bildhaften und dramatischen Schilderung.

Eine interessante Fußnote des damaligen Zeitgeistes sind die Anmerkungen Gales‘ über Spanien. Er erlebt dort zum ersten Mal in seinem Leben eine riesige Demonstration. Ursache war der Wunsch der Regierung, ein neues Meldegesetz einzuführen. Der Roman ist ein Klassiker der Abenteuerliteratur, reicht jedoch weit darüber hinaus. Er ist von politischen und sozialkritischen Noten durchsetzt, die stimmig in die Handlung und die Personen eingebaut wurden.

Karte # 18: Tschenstochau und Karte # 19: Wien 1910 – „Schakale Gottes“ von C.C. Bergius

Das nächste Buch führt nach Polen, genauer in den Süden Polens. Der Roman „Schakale Gottes“ von C.C. Bergius erschien im Jahr 1977. Ich habe die Ausgabe als Goldmann-TB aus dem Jahr 1980 mit 319 Seiten. Das Buch hat 11 Kapitel. Die Handlung spielt in Tschenstochau und der weiteren Umgebung, dem Tschenstochauer Jura. Die Einteilung des Romans stammt von mir.

  • Die Geschichte Teil 1 (Die Mordermittlungen)

Die Geschichte beginnt am 5. März 1910 mit einem gefunden Edelsteinschatz. Der Finder Tadeusz Minka ist „Büttel“ eines kleinen Dorfes bei Tschenstochau, in der Nähe von Mstow. Er bringt den Schatz in das Kloster Tschenstochau.

Erster Exkurs zu einem untergegangen Wort: Ein Büttel war ein Fronbote, in späterer Zeit wurden die Aufgaben des Büttels vom Gerichtsdiener übernommen.

In den Tagen danach wird in der Warthe eine Leiche gefunden. Der Kommissar Pawel Bobak aus Nowo-Radomsk wird mit den Ermittlungen beauftragt. Seine Ermittlungen führen ihn auf Kutschfahrten durch den Tschenstochauer Jura und immer wieder zurück ins Kloster Jasna Gora. Schließlich findet er die Spur eines Verdächtigen, des Paters Rochus, der über Myszkow und Olkusz nach Krakau flieht. Dort, in Krakau, läßt Pater Rochus sich widerstandslos festnehmen.

Denn Krakau liegt 1910 im Ausland, in Galizien. Galizien ist von den Österreichern besetzt. Der festnehmende Kommissar in Krakau ist denn auch Österreicher. Ansonsten ist die Gegend um Tschenstochau von der russischen Geheimpolizei kontrolliert. Der Kommissar kann das Kloster mit der Drohung unter Druck setzen, dass es von der russischen Geheimpolizei überfallen werden könnte. Jedenfalls wirkt es kurzzeitig.

Der Mord ist also aufgeklärt. Ganz aufgeklärt? – Nein, denn niemand weiß, wer die Leiche ist. Der Verhaftete Pater Rochus wird zur Staatsanwaltschaft nach Petrikau gebracht. Dort gibt er die Geschichte von Mord und Edelsteindiebstahl zu Protokoll.  Nun beginnt erst Kapitel 5. Da geht also noch was.

  • Die Geographie

Blaue Knöpfe: Ermittlungen: Nowo-Radomsk, Tschenstochau, Mstow, Poraj, Myszkow, Olkusz

gelb: Fluchtweg des Mörders: Koniecpol, Mokrzesz, Zawada, Mstow, Tschenstochau, Poraj, Zarki, Myszkow, Lazi, Olkusz, Zabierzow, Krakau

  • Die Geschichte, Teil 2 (Die Geldgier)

Die Geschichte des Mordes beginnt im Sommer 1908 und dreht sich zunächst um eine kleine Gruppe polnischer Freiheitskämpfer. Die Gruppe wird angeführt von Fedor Zadek, einem Goldschmied (Monatslohn 100 Rubel) , dessen Verlobter Natascha, einer Telefonistin mit 45 Rubel Monatslohn. Beide leben in Warschau. Dann ist da noch Nataschas Bruder Roman Gorski. Er lebt in Krakau. Sie überfallen einen Postzug zwischen den Städten Rudniki und Klomnice, erbeuten 150.000 Rubel, streiten sich um die Beute und arbeiten zukünftig nicht mehr zusammen. Fedor und Natascha besuchen das Kloster Jasna Gora, das der Leser von den Ermittlungen des Kommissars bereits kennt. Eher zufällig lernten sie bei einem Besuch den Pater Rochus kennen. Rochus zeigt ihnen die Schwarze Madonna und die geschmückten Kammern, die voller Edelsteine sind. Fedor und Natascha geben sich als Geschwister aus,

Fedor und Natascha wollen sich als Goldschmiede selbständig machen. Natascha bettelt den Pater deswegen – wenn auch mit einer Lüge – um Geld an. Pater Rochus willigt ein, ihr 6.000 Rubel zu schenken. Da die Mönche auf verschiedenen Wegen immer mal wieder Geld für sich abzweigen, bekommt Rochus die Summe schnell zusammen. Er bittet Natascha, das Geld im Kloster abzuholen. Das tut sie, bringt die 6.000 Rubel nach Hause zurück. Sie muss allerdings als Gegenleistung ihren Gönner auf eine Reise nach Wien begleiten.

Zum Weihnachsfest 1908 wird schließlich auch Pater Rochus nach Warschau eingeladen. Er und Natascha gehen nachts im Lazienki-Park zwei Stunden spazieren. Zuhause angekommen erwartet Natascha ein „Rencontre“.

Zweiter Exkurs zu einem untergegangenen Wort: Das rencontre war eine Zusammenkunft mit einer gewissen feindseligen Note. Der Pater wiederum verlangt im Kloster noch mehr Geld. Der Custos jedoch weigert sich. (wieder ein altes Wort, das ist der Schatzmeister des Klosters). Ein anderer Pater schlägt vor, die Schlüssel zu Schatzkammer und Tresor nachmachen zu lassen. So stehlen die beiden 13.000 Rubel.

  • Die Reise nach Wien

Natascha und Rochus fahren für eine Woche nach Wien. Hier der Reiseplan:

Sie fahren vom Bahnhof am Prater vorbei über den Parkring zum Kärtner Ring ins Hotel, wo sie unter falschen Namen einchecken (blaue Tour). Sie besichtigen die Goethestatue, die Hofburg, den Volksgarten, die Pestsäule am Graben, den Stein-im-Eisen-Platz, den Stephansdom und kaufen Klamotten ein (grüne Tour). Nach einer Woche geht es wieder zurück. Rochus und Natascha einigen sich, dass sie für 500 Rubel im Monat seine Geliebte wird. Im Kloster wurden derweil die Schlösser ausgetauscht und…

  • Die Geschichte, Teil 3 (Die Eskalation)

….Rochus und sein Komplizenpater in Tschenstochau beschließen, statt Geld zukünftig Edelsteine zu stehlen. Sie lassen von den Steinen Imitationen anfertigen und tauschen die echten Steine gegen Imitationen aus. Um die Imitationen kümmert sich Nataschas Verlobter Fedor. Der kann das Geld für seine Selbständigkeit gut gebrauchen und lässt Natascha daher freie Hand. Natascha stellt Pater Rochus zur Rede, was er mit den Imitationen vorhat und woher er das viele Geld hat. Vom Reichtum geblendet, fordert sie ihn auf, noch mehr zu stehlen, aus dem Orden auszutreten und sie zu heiraten. Das erzählt sie auch Fedor.

Fedor und Rochus planen einen ganz großen Raubzug. Er scheint zunächst zu gelingen, doch als das Gespräch auf Natascha kommt, brennen beiden die Sicherungen durch. Pater Rochus erschlägt Fedor. Auf der Flucht hängt er den Beutel mit den Edelsteinen an die Tür des Büttels Tadeusz Minka. Der Kreis der Geschichte hat sich geschlossen.

  • Bemerkungen

Das Buch ist in der Struktur originell: Ein Krimi – nach einer wahren Begebenheit übrigens -, der die Antwort auf die Frage ermittelt: Wer ist die Leiche? Die vielen Haupt- und Nebenfiguren bringen viel Abwechslung in die Geschichte. Einige tauchen auf, spielen dann ohne Grund im weiteren Verlauf keine Rolle mehr, andere kommen dafür hinzu, die zunächst ohne Bedeutung schienen. Die Sache mit dem Freiheitskampf verschwindet ganz aus dem Blickfeld. Immerhin bietet die Handlung ein paar überraschende Wendungen, der historische Rahmen ist spannend.

Natascha und Rochus verstricken sich zunächst unabhängig voneinander, später gemeinsam, immer mehr in Geldgier. Aber die Figuren bleiben ansonsten psychologisch oberflächlich. Das ist bei Bergius, der eher handlungstreibend schreibt, üblich. Auch aus geographischer Sicht habe ich den Eindruck, der Autor habe aus ein paar Büchern und Reiseführern abgeschrieben, es ist ein atmosphärefreies Aufzählen von Stationen.

Im Anhang des Buches gibt es einen ausführlichen Überblick des Autors über die Geschichte Polens. Im Buch erfährt man auch eine Menge über die Schwarze Madonna, den polnischen Freiheitskampf, polnische Königshäuser. Erzählerisch löste Bergius das, indem er diese Dinge Nataschas Tante erzählen läßt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Krakau-Tschenstochauer_Jura

http://bop.jasnagora.pl/

https://de.wikipedia.org/wiki/Königreich_Galizien_und_Lodomerien

Antwerpen – Toulouse – Cadiz und dann raus aufs Meer bis Dakar: Das Totenschiff

Das Totenschiff CoverDer Roman „Das Totenschiff“ von dem geheimnisumwitterten Schriftsteller B. Traven hat 227 Seiten. Das Buch spielt im Jahr 1926 und handelt in drei Teilen von den sehr speziellen Erlebnissen des amerikanischen Matrosen Gales. Er ist der Ich-Erzähler und hat im Buch keinen Vornamen.Teil 1 spielt an Land.

Gales hat auf dem Frachter „Tuscaloosa“ angeheuert. Ein Landgang in Antwerpen, eine Hafenhure, und schwupps: Er versäumt das Auslaufen seines Schiffes. Ohne Papiere, Geld und Gepäck beginnt für ihn eine Odyssee durch Europa. Die fehlenden Papiere sorgen dafür, dass er überall als Staatenloser angesehen wird. Folglich wird er aus jedem Land in das nächste abgeschoben. Die Polizei Antwerpens zeigt ihm, wie er nach Rotterdam kommt, die niederländische Polizei setzt ihn in einen Zug nach Paris, der dortige amerikanische Konsul glaubt ihm seine Geschichte nicht. Gales muss mit dem Zug weiter über Limoges nach Toulouse. Dort wird er wegen „Eisenbahnbetruges“ (so hieß wohl Schwarzfahren früher) verhaftet. Da er mitbekommen hat, dass Amerikaner schlecht angesehen sind, gibt er sich als Deutscher aus. Er sitzt seine Strafe ab und zieht weiter. Eine Bauernfamilie gibt ihm Unterschlupf. Es entstehen amüsante Dialoge. So muss er seinen Gastgebern in Frankreich einmal von Deutschland erzählen, ohne jemals dort gewesen zu sein. Er sagt, er sei aus Südfalen, „da, wo die Hochöfen sind, in denen Königsberger Klopse geschmolzen werden“. Später will er weiter nach Spanien. Kurz vor der Grenze wird er einer französischen Festungsbesatzung inhaftiert und zum Tode verurteilt.

Er wird von einem französischen Offizier verhört. Seiner Schlagfertigkeit verdankt er es, dass er nach Spanien abgeschoben wird. Gales wird aufgegriffen und mit einer Menge Wein und Käse wieder aufgepäppelt. Von Barcelona aus fährt er später kurz nach Marseille, weil er dachte, dass dort amerikanische Schiffe liegen. Dem war aber nicht so. Enttäuscht geht er wieder zurück nach Spanien, wo er faulenzend zwischen Cadiz und Sevilla pendelt.

Beim Angeln („Angeln ist gelebte Philosophie“) bemerkt er ein altes Schiff, die „Yorikke“. Sie schrammt am Kai entlang. Sie wurde schon häufig umbenannt und umgeflaggt. Die Mannschaft ist schlecht ernährt. Der Kapitän „ein Esel. Die Yorikke war viel intelligenter als ihr Kapitän.“ Die Mannschaft entdeckt Gales und überredet ihn, mitzufahren. Nach Liverpool.

Ende Teil 1

Teil 2 spielt auf See an Bord der „Yorikke“.

Die Fahrt auf der „Yorikke“ beginnt konfliktreich. Gales gibt sich nun nicht mehr als Deutscher aus, sondern als Ägypter. Gales nennt sich nun Pippip, wird als Kohlenzieher eingeteilt, erfährt, dass das Schiff nicht nach Liverpool fährt, zumindest nicht jetzt, und Heuer bekommt er erstmal auch nicht. Der Kohlenzieher – er wird auch Kohlenschlepp genannt – muss dem Heizer die Kohle bringen. Mit den Kohlen hält der Heizer die neun Feuer im Schiff auf Flamme. Die Arbeitsbedingungen sind unmenschlich, 12-Stunden-Schichten als Kohlenzieher, direkt anschließend 4 Stunden Wache und wieder eine lange Schicht als Kohlenzieher. Die Körper der Matrosen sind gezeichnet, die Arme voller Brandwunden, Hautfetzen hängen herab. Die Matrosen waschen sich mit Asche und Sand. Mehrere Kapitel lang beschreibt Traven, wie sein Körper immer mehr zerschunden wird. Er beobachtet seine Kollegen bei ihrer Arbeit, an der sie langsam zerbrechen. Einige sind bereits Toten gleich.

Die „Yorikke“ legt in Marokko an, sie wird mit Kisten voll Pflaumenmus beladen. Gales öffnet eine Kiste und stellt fest, dass in den Musgläsern Munition versteckt ist. Nach und nach findet er heraus, dass das Schiff zum Waffenschmuggel dient. Er freundet sich mit seinem Kohlenzieher-Kollegen an. Stanislaw Koslowski ist in Posen geboren, dann jahrzehntelang auf Schiffen gefahren. Nach dem Weltkrieg wurde Posen polnisch, jedoch hatte die Bevölkerung die Möglichkeit, zu „optieren“, also aus freien Stücken die deutsche Staatsangehörigkeit zu behalten. Stanislaw war zu dieser Zeit auf See. Als er später einen Pass haben möchte, bekommt er von den deutschen Behörden keinen, da er in ihren Augen Pole ist, von den polnischen Behörden keinen, da er in deren Augen  Deutscher ist. Auf einer deutschen Behörde bekommt er schließlich einen Pass als „Staatenloser“. Damit kann er auf keinem guten Schiff anheuern, da er hierfür eine Staatsangehörigkeit benötigt. Also kam er auf die „Yorikke“. Auf ihr fahren viele Seeleute ohne Pass, die für alle Länder als Tote gelten, und deren Tod niemand bemerken oder betrauern würde. Sie können in keinem Hafen abmustern, denn dazu wären Papiere nötig, die ein Heimatland ausweisen. Das weiß auch der Skipper und enthält den Seeleuten die Heuer vor.

Das Schiff fährt weiter nach Tripolis und dann nach Dakar, wo die Mannschaft tatsächlich an Land gehen darf.

Ende Teil 2

Der kurze Teil 3 spielt an Bord der „Empress of Madagascar“

Stanislaw und Gales wollen auf der „Empress of Madagascar“ anheuern, weil sie neu aussieht. Sie erkundigen sich auf anderen Schiffen nach ihr und schnell wird klar, dass das Schiff für einen Versicherungsbetrug benutzt werden soll. Damit wird den beiden klar, dass sie doch besser  nicht auf die „Empress“ gehen. Sie werden jedoch „shanghait“ und landen als Heizer auf dem Schiff. Nach kurzer Zeit läuft die „Empress“ auf ein Riff auf. Teile der Mannschaft – besonders die Offiziere – gehen in die Rettungsboote, ein anderer Teil bleibt an Deck. Eine große Welle reißt die „Empress“ vom Riff los. Stanislaw beginnt zu halluzinieren und springt ins Meer, wo er ertrinkt. Gales gehört zu den wenigen, die gerettet werden.

Ende Teil 3

Teil 1 ist amüsant und satirisch geschrieben, Teil 2 ist dramatischer und tragischer. Er stellt die Grausamkeit des Schiffes anschaulich dar, die schrecklichen Arbeitsbedingungen, Betrug, aber auch Freundschaft. Wie schon erwähnt, spielt die Handlung im Jahre 1926, der vergangene Erste Weltkrieg ist allgegenwärtig. Die Inflation wird ebenso thematisiert wie die Bildung der Nationalstaaten, die das Phänomen der Staatenlosigkeit nach sich zog. In dem kurzen Teil 3 sinkt das Schiff in einer bildhaften und dramatischen Schilderung.

Eine interessante Fußnote des damaligen Zeitgeistes sind die Anmerkungen Gales‘ über Spanien. Er erlebt dort zum ersten Mal in seinem Leben eine riesige Demonstration. Ursache war der Wunsch der Regierung, ein neues Meldegesetz einzuführen. Der Roman ist ein Klassiker der Abenteuerliteratur, reicht jedoch weit darüber hinaus. Er ist von politischen und sozialkritischen Noten durchsetzt, die stimmig in die Handlung und die Personen eingebaut wurden.