Karte 67: Mit Pionieren im Abitibi-Land: „Harricana“ von Bernard Clavel

Bernard Clavel (1923 – 2010) war ein französischer Autor von Abenteuerromanen. Ein Buch aus seiner Reihe „Les Royaumes du Nord“ heißt „Harricana“. Der Harricana ist ein Fluss, der durch Quebec und Ontario nach Norden fließt und in die Hudson Bay mündet. Mit dem Originaltitel ist auch schnell der geographische Bezug gesetzt.

Die deutsche Übersetzung von Barbara und Silke Evers aus dem Jahr 1988 trägt den Titel „Wo der Ahorn Früchte trägt“. Etwas unglücklich, denn um Ahorn geht es nicht.

Ziemlich genau auf halber Strecke zwischen den großen Seen an der Grenze zwischen USA und Kanada und der Hudson Bay liegt der Tamiskamingsee. An seinen Ufern wurde 1879 Weizen entdeckt und seither auf den fruchtbaren Hangterrassen des Sees angebaut. Die Helden des Buches hätten die Gelegenheit gehabt, dort zu siedeln. Sie tun es nicht, sondern ziehen weiter.

Die Helden des Buches sind die Robillards, eine Großfamilie, zwei Ehepaare und ihre Kinder. Dreimal schon zogen sie um, um innerhalb Kanadas ihr Glück zu machen. Sie haben gehört, dass eine Eisenbahn von Westen nach Osten gebaut wird. Auf ihrer Strecke muss sie auch den Harricana überqueren. Die Robillards verknüpfen mit diesen Informationen die Hoffnung, dass an der Brücke eine neue Stadt entsteht, wo sie „ihren Traum von einer sicheren Existenz verwirklichen“ wollen (S. 151). Sie planen in der noch entstehenden Stadt einen „Gemischtwarenladen“. Autor und Leser begleiten die Robillards genau ein Jahr lang. Die Geschichte spielt in einem ungenannten Jahr zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Reise:

Sie beginnen ihre Reise im September in der Nähe des Tamiskamingsees. Von dort geht es zunächst zu Fuß auf einem kleinen Weg entlang des Riviere des Quinze. Der heißt so, weil er fünfzehn Stromschnellen hat. Nach ein paar Meilen warten einige Indianer mit ihren Lastenkanus. Die Robillards verladen ihre Habe und fahren los: Zunächst flussaufwärts in den Lac des Quinzes. Dann in den nördlichen Teil des Lac Expanse, wo der Ottawa-Fluß in den See mündet. Sie fahren den Ottawa weiter flussaufwärts. Am Zusammenfluss des Ottawa mit dem Kinojevis streckt sich der Ottawa nach Westen. Die Robillards wollen nach Norden und fahren den Kinojevis hinauf.

Nach 10 Meilen verlassen sie den Fluß, gehen über einen Hügel zu einem kleinen See, dann weiter zum Lac Vaudray. Dann kommen die ersten Flüsse, die nach Norden in die Abitibi-Ebene fließen. (Abitibi bedeutet in der Sprache der Algonkin-Indianer „Grenzwasser“). Unsere Reisenden erreichen den Kakake-Fluss, ziehen weiter zum Kewagama-See und am Seal’s Home See vorbei. Irgendwann liegt der Harricana vor ihnen, der mit seinen tonhaltigen Fluten in einem großen Bogen durch Ontario hindurch der Hudson Bay zustrebt.

Die Geschichte der Siedlung an der Brücke

Zwei Brückenbauingenieure empfangen die Robillards. Es entsteht schnell eine enge Freundschaft, vor allen Dingen, weil alle der Familie Robillards sehr geschickte Handwerker sind. Catherine Robillard wäscht den Bauarbeitern ihre Hemden, bessert sie aus, und bald entsteht auch ein Handel mit Kleidern. Die Ware kommt meist per Ochsenkarren aus Cochrane.

Der strenge Winter nimmt den Robillards ihren Sohn.  Die Tragödie festigt die Freundschaften im Dorf noch mehr.

Der Nachfrage folgend werden die Robillards dann noch Schuhmacher und Korbflechter. Stück für Stück entsteht ein Ort um die Brücke herum. Häuser werden gebaut, ein Bahnhof, eine Kirche. Und der Gemischtwarenladen der Robillards floriert. Der folgende Sommer hat es in sich. Die Eisenbahnlinie wird fertig. Von Osten wie von Westen (von Quebec und von Cochrane kommend) nähern sich Bautrupps der Brücke. Und schließlich vereinen sie die beiden Streckenteile an der Brücke. Ein gewaltiges Fest wird gefeiert, täglich fahren zwei Züge über die Brücke und durch den Ort. Die Bautrupps wie auch die Feierlichkeiten sind gut für’s Geschäft der Robillards, die langsam zu bescheidenem Reichtum kommen. Die Ware kommt jetzt per Güterwaggon aus Cochrane.

Eines Tages wird der Ort und auch die Brücke durch ein Feuer zerstört. Einige Bewohner werden Opfer der Flammen, darunter auch Alban Robillard, das Familienoberhaupt. Viele der Arbeiter ziehen weiter zu der nächsten Baustelle. Die Robillards beschließen, am Ort zu bleiben.

Noch einmal zur Geographie

Das Buch reist einmal durch die Jahreszeiten. Die Reise beginnt im September mit seinen Stürmen, für die sich glitzernde Nächte mit bleischwarzen abwechselten. „Goldfarben stieg das Licht zum violetten Horizont auf“ (S. 80)

Dann die Zeit, wo „Wasser und Land zu einem gewaltigen Panzer zusammen gewachsen waren, den der Winter geschmiedet hatte“ (166). Nirgends ist der Winter so hart wie hier, es herrschten bis zu  minus 60 Grad Celsius. Zuweilen hörte man das Bersten und Krachen von Bäumen.

Aber kein Winter dauert ewig, Eines Tages im Februar hörte man, wie das Eis auf den Flüssen mit ohrenbetäubendem Lärm zerbarst. Packeis mit „jadegrünen Bruchstellen“ bedeckte den Fluss. Das Frühjahr zieht herauf, in dem Schwärme von Mücken die Arbeiter, Elche und Karibus bei ihren Verrichtungen behindern. Und schließlich der Sommer, in dem ein glühende Hitze tagelang windlos über dem Wald liegt.

Bemerkungen

Negativ:

Die Robillards kommen quasi aus dem Nichts. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn da nicht die saloppe Bemerkung des Autors wäre, dass sie zum vierten Mal umsiedeln. Der Leser erfährt nicht mehr darüber. Schade, denn die Gründe für die vielen Umzüge können auch einiges über den Charakter der Leute aussagen. Außerdem schreibt Clavel manchmal zu sehr im „Schlaumeiermodus“. Beim Anblick der Natur reflektiert der Autor (nicht etwa eine Romanfigur) öfter mal deren Jahrmillionen alte Geschichte.

Positiv:
Clavel gelingen immer wieder atemberaubende Naturbeschreibungen. Egal, ob Sommer oder Winter, ob am Fluß oder im Wald. Er beobachtet sehr genau den Himmel, und man erfährt vieles über die Windverhältnisse in Kanada, über Wolken und Vögel. Dramatisch ist die Szene, in der eine Elchherde an der Lagerstelle vorüberzieht. Das Buch ist immer dann stark, wenn die Handlung aus der kleinen Welt der Robillards und ihren Sehnsüchten heraus weiter geführt wird.

Mit römischen Soldaten nach Schottland: Rosemary Sutcliff’s „Eagle of the Ninth“

s geht um den historischen Roman „The Eagle of the Ninth“. Die Autorin Rosemary Sutcliff schrieb ihn 1957. Die deutsche Übersetzung von Ilse Wodtke als dtv-TB von 1971 hat 236 Seiten und den Titel „Der Adler der neunten Legion“.

Wie immer, wenn römische Legionen eine Hauptrolle spielen, geht es um das Erobern von Räumen, das Marschieren durch Räume und eine Landschaft, die diesem Marschieren zu dienen hat. Denn: „Ihr habt feste Steinwälle gebaut, ihr habt gerade Straßen geschaffen“(S.77).

  • Die Geschichte

Marcus – ein römischer Zenturio lässt sich von Ägypten nach Britannien versetzen. Er tritt seinen Dienst in der Garnison Isca Dumnoniorum an. Nach einigen Tagen wird das Lager von Briten angegriffen. Marcus kann die Verteidigung erfolgreich organisieren, wird jedoch verwundet. Um sich zu kurieren, darf er zu seinem Onkel nach Calleva Atrebatum (Silchester).

Marcus besucht die Arena. Nach den Gladiatorenkämpfen kauft er einen Kämpfer und nimmt ihn sich als Sklaven. Er heißt Esca und ist billig, denn er hat gerade einen Kampf verloren. (niemand zahlt viel Geld für einen Besiegten).

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Nachdem der Sklave Esca Vertrauen gefasst hat, erzählt er, wie er eine römische Legion beobachtete, die nach Norden marschierte. Man erzählt sich, dass diese Legion nie zurück gekehrt sei. Es war die Legion, die Marcus‘ Vater anführte. Marcus will herausfinden, was mit der Legion geschah und den „Adler“ finden. Das war eine Figur aus Silber, das Wappen der Legion.

Marcus hat einen Plan: Er wird sich als Augenheiler verkleiden, nach Norden ziehen, und die Spuren der verschwundenen Legion finden. Esca wird als sein Gehilfe mitkommen. Zwar versteht Marcus nichts von Augenheilkunde, aber das hat er mit den meisten umherziehenden Augenheilern gemeinsam. Ein Feldarzt erzählt Marcus noch ein paar Dinge über Krankheiten und Salben, und dann geht es los. Und weil es „viele Fälle von Sumpf-Augenkrankheit“ gibt (S.117), ist der Heilerpass sowas wie Passierschein nach Überall hin.

  •  Über die Grenze

Schnitt: Marcus und Esca kommen am Hadrianswall an. Dort herrscht wenig Grenzverkehr, nur ab und an ein paar Jäger. Bald sind die beiden in der ehemaligen Provinz Valentia unterwegs. Sie begegnen einem Jäger, der ein wenig Latein kann und Soldatenlieder singt. Sie bleiben bei ihm, gewinnen sein Vertrauen. Dann erzählt Guern – so heißt der Jäger – die Geschichte der verschwundenen Legion. Er war selbst Soldat in der Legion.

Trajan zog immer mehr Soldaten aus Britannien für andere Feldzüge ab. Eine verkleinerte Legion wurde nach Valentia geschickt, um die Stämme dort zu unterwerfen. Doch die ließen sich nicht unterwerfen, und sie zermürbten die Römer mit nächtlichen Attacken. Dann starb Kaiser Trajan, und die halbe Legion meuterte. Nun gab es kein Zurück mehr, denn der Senat hätte sie zum „Dezimieren“ verurteilt (dabei wird aus einem Helm ein Los gezogen, dessen Namensträger getötet wird). Die restlichen Legionäre floh durch das schottische Tiefland nach Trimontium. Guern konnte sehen, wie die Fliehenden den Adler bei sich trugen.

Wenig später sah Guern, wie Ebonier den Adler zurück brachten, ohne römische Soldaten. Die zentrale Frage: „Wo ist der Adler jetzt?“. Zur Antwort streckt Guern die Hand aus und zeigt nach Nordwesten.

Marcus und Esca ziehen los.

Sie hören den „wilden, süßen Ruf des Regenpfeifers“ (S. 139), es duftet nach Sumpfmyrte. Eines Tages, an einem „Abend in den Farben einer Taubenbrust“ (S. 141) stehen sie am westlichen Meer, sehen viele kleine Inseln in der See schwimmen, und einige Schiffe aus Irland davor. Im Norden „lastete hoch aufragend Cruchan, düster, in Schatten gehüllt, von Nebeln gekrönt, Cruachan, die Nabe der Welt“. (S. 141)

  •  Am Cruachan

Marcus und Esca ziehen weiter an den nördlichen Wall (den Antoninuswall). Er trennt Valentia von Kaledonien. Dort, im Land der Fjorde und der „abfallenden Wälder (S.161)“ machen sie eine andere Erfahrung: Sie werden von den misstrauischen Einheimischen gastfreundlich behandelt und nehmen an einer Zeremonie teil. Unter einem Hünengrab führen einige Priester einen Totem-Tanz auf. Der oberste Priester trägt Schmuck, der von den Abzeichen einer römischen Legion stammt.

Also – so schaurig es ist – heißt es für Marcus und Esca: Dranbleiben. Nachts dringen sie in das Hünengrab ein. Das Innenleben ist eine Ritualstätte. Sie entdecken den silbernen Adler und nehmen ihn mit. Auf dem Rückweg versteckt Esca den Adler in einem See (vermutlich der Loch Awe). Schnell werden die beiden von Dorfbewohnern mit ihren Hunden eingeholt und des Diebstahls bezichtigt. Priester haben den Verlust des Adlers bemerkt. Nach einer langen Durchsuchung ihrer Sachen dürfen sie weiter ziehen. Tage später kehrt er zurück, um ihn zu holen. Dabei verliert er eine Mantelspange am Ufer.

Sturm zieht auf. Die beiden müssen zum Hadrianswall fliehen. Dabei hilft Guern der Jäger, der aus dem ersten Teil der Geschichte bereits bekannt ist. Er führt sie durch Valentia. Dann zeigt er ihnen einen sicheren Weg zum Wall, und der Nebel trennt die beiden schließlich vom zurück bleibenden Guern. Tagsüber verstecken sich Marcus und Esca. Sobald es dunkel wird jagen sie in wilden Ritten durch die Nacht. Schließlich kommen sie in Borcovicus an und berichten dem Kommandeur von ihrer Beute, dem Adler.

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Sie reiten nach Hause nach Calleva. Dort vergraben sie den Adler unter dem Haus von Marcus‘ Onkel. Die neunte Legion ist jedoch kaum eine Erinnerung wert.

  •  Bemerkungen

Das Buch ist als Jugendbuch kategorisiert. Nun gut. Es ist eine gradlinig und professionell herunter geschriebene Geschichte. Die Wildnis des schottischen Hochlandes wird als Gegensatz zu der Gradlinigkeit römischer Straßen geschildert, ebenso wie die Wildheit der Stämme gegen die römische Disziplin steht. Die Handlung wechselt von einem Teil, in dem der Held seine Rolle in der Geschichte finden muss, über einen spannenden zu einem schaurigen Teil. Dem folgt schnell eine Jagd, als halb Schottland hinter den beiden Helden her ist. Die Figuren bleiben oberflächlich. Die interessanteste Figur ist der Jäger Guern, der sich mit Fragen der Loyalität auseinander setzen musste.

Calleva in der Nähe von Silchester ist heute eine der bedeutendsten römischen Ausgrabungsstätten, weil es nie wieder überbaut wurde.

Doch bleibt eine Frage unbeantwortet: Wie verläuft „ein Abend in den Farben einer Taubenbrust“?

Mit Enrico Caruso auf Kuba 1920, „Como un Mensajero Tuyo“ von Mayra Montero

Der große Tenor Enrico Caruso besuchte Kuba vom 5. Mai bis 23. Juni 1920. Er stieg mit viel Gefolge und Reporterauflauf im Hotel Sevilla ab, und gab 10 Konzerte, davon 8 in Havanna. Um die historischen Ereignisse dieser Tournee herum bastelte die Autorin Mayra Montero 1998 den Roman „Como un Mensajero Tuyo“. Deutsch von Sibylle Martin heißt er „Wo Aida Caruso fand“. Das Knaur-TB aus dem Jahr 2000 hat 258 Seiten.

Mayra Montero wurde 1952 in Havanna geboren und lebt seit 1972 auf Puerto Rico.

Hauptfigur des Romans ist die Näherin Aida Cheng. Sie erzählt ihre Geschichte auf dem Sterbebett im Jahre 1950 ihrer Tochter Enriquita. Diese Tochter macht sich nun ihrerseits auf den Weg, um die Beteiligten der Geschichte ausfindig zu machen. So entstehen zwei Erzählperspektiven, die Geschichte der Mutter und die Geschichte, die Enriqueta recherchiert. Jedes Ereignis wird also mindestens zweimal erzählt, und so kommen immer neue Details zum Vorschein.

  • Havanna 


Begeben wir uns also ins Havanna des 13. Juni 1920, ein Sonntag. Die Näherin Aida wohnt in der Calle Armagura Nr. 75 und liefert Ware an ihre Kunden aus, zunächst in der Calle Compostela. Dann ins Hotel Inglaterra. Sie steht gerade in der Hotelküche, als im benachbarten Teatro Nacional eine Bombe explodiert. Ein Mann in Theaterverkleidung (es ist die des Radames) flieht in die Hotelküche. (Das nie aufgeklärte Attentat ist ebenso historisch verbürgt wie die Tatsache, dass Caruso danach unauffindbar war)

Aida erfasst die Situation und bringt den Theatermann im Taxi zu sich nach Hause. Sie kennt weder Caruso noch die Oper Aida. Caruso vermutet hinter dem Anschlag ein Attentat auf ihn. Er wird von der Mafia Neapels seit längerem bedroht. Schnell entscheidet Aida, Caruso zu ihrem Paten Calazan nach Regla zu bringen.

  • Regla

Regla liegt auf der anderen Seite der Bucht von Havanna und ist leicht mit einem Motorboot zu erreichen. Es ist ein Ort, den „niemand freiwillig aufsucht“, ein „Dorf voller Hexer und Heiliger“ (S. 64). Caruso wird mit verschiedenen Kräutern behandelt. Calazan bemerkt, dass Caruso „stirbt“ (nicht wegen der Bombe, sondern kontinuierlich).

Calazan beschließt, „Ebba zu machen“. Das ist ein Ritual der Yoruba, bei dem die Geister befragt und die Heiligen zufrieden gestellt werden sollen. Dazu fahren alle 100 Kilometer nach Osten, nach Matanzas

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  • Matanzas

Mit dem Boot, später gehen sie zu Fuß durch Zuckerrohrfelder und über die Eisenbahnschienen, bis sie in der Bucht von San Joaquin ankommen. Caruso erzählt den Yoruba die Geschichte von Aida nach. Bald danach geraten alle in Trance, es wird getrommelt, ein paar Hühner werden geschlachtet, und auch Caruso ist mittendrin. Im flachen Wasser werden stundenlang noch jede Menge seltsamer Handlungen durchgeführt.

Caruso geht verändert aus dieser Nacht hervor – die einen werden sagen, er sei besessen. Die anderen werden sagen, er sei erkältet. Auf jeden Fall verstärken sich seine Schweißausbrüche. Caruso läßt eine Nachricht ins Hotel Sevilla bringen. Aida zieht mit ihm weiter, im Zug („einem modernen, in denen auch Essen angeboten wird“, S. 129) nach …

  • Santa Clara

Obwohl Caruso verschwunden war, wurde das Konzert in Santa Clara, im Teatro Caridad, nicht abgesagt. Etliche Journalisten haben sich auf den Weg gemacht, weil dort der erste Auftritt Carusos nach dem Attentat zu erleben ist. Am Tag des Konzertes hat Caruso wieder mal Schweißausbrüche und beginnt, Stimmen zu hören.

Zum Konzert aber ist er topfit wie immer. Während des Konzertes geht ein Gewitter über Santa Clara hinweg. Wem der Eintritt zu teuer war, der sass vor dem Theater im Park und hörte Carusos Stimme klar und deutlich. Bereits in der Nacht geht es weiter nach …

  • Cienfuegos

Auf dem Weg nach Cienfuegos – wieder mit der Eisenbahn – fängt Caruso erneut an, zu halluzinieren, diesmal schlimmer als je zuvor. Er denkt, er würde ein Erdbeben erleben (tatsächlich war er 1906 in San Francisco). Fiebergetränkt kommt er an. Aida und er steigen im einzigen guten Hotel der Stadt ab. Hier in Cienfuegos „gerät alles ins Wanken“. Das Leben von 5 Menschen war, als hätten sie alle „dort landen müssen, damit eine gute oder eine schlechte Wahrheit uns aufrüttelte“. (S. 149)

Das sind nicht nur Caruso und Aida, sondern zum Beispiel auch ein Konzertgeiger, der während der Probe einfach aufsteht und stirbt. Caruso erhält wieder Morddrohungen, die er der Mafia zuordnet. Aida plant die nächste Etappe der gemeinsamen Flucht. Sie läßt sich von einem Medizinmann im nahen Palmira beraten. Nach dem Konzert sollen sie mit einem Boot über die Bahia de Jagua fliehen. Es geht mit dem Boot die Küste entlang, bis La Boca und von dort mit dem Auto in das Städtchen Trinidad.

  •  Trinidad

Aida und Caruso verbringen zwei unbeschwerte Tage in Trinidad. Aida wird schwanger. Dann aber werden die beiden überfallen. Aida wird entführt und in einer Höhle liegen gelassen; drei Finger sind zerquetscht. Auch Caruso überlebt schwer verletzt mit gebrochenen Rippen. Sie werden von einem Arzt aus Cienfuegos versorgt, fahren mit dem Zug nach Havanna zurück. Weder Entführung noch Bombe werden aufgeklärt. Egal, denn „es gab nicht nur eine Bombe, sondern viele. All jene, die in jenem Sommer unser Leben veränderten.“ (S. 150)

Zurück in Havanna besteigt Caruso ein Schiff, das ihn nach New York bringt. Von dort fährt er nach Neapel, seiner Heimat. Am 2. August 1921 stirbt er. Manche sagen, er habe sich von der Erkältung in Matanzas nicht erholt, andere meinen von dem Rippenbruch aus Trinidad. Wahrscheinlich aber ist, dass er bereits todkrank auf Kuba ankam. In der Zwischenzeit wurde auch Enriqueta Cheng, Carusos und Aidas Tochter, in Havanna geboren.

In der Zweithandlung hat Aida ihren Frieden gefunden und stirbt.

  • Bemerkungen 

Es ist die Geschichte eines Reiseabenteuers, die Geschichte einer Mutter-Tochter-Erfahrung und die Geschichte einer Frau, die einen Unbekannten durch ein ebenso unbekanntes Land lotst.

Ein paar Kleinigkeiten habe ich zu bemängeln: Aida fehlen 3 Finger. Dass der Leser erst am Ende des Buches, in der Trinidad-Passage, darüber informiert wird, empfinde ich dem Leser gegenüber als dreist. Für eine Näherin sollte das in den 30 Jahren zwischen 1920 und 1950 schonmal ein Thema gewesen sein. Überhaupt wirkt die Perspektive, in der Enriquita die Geschichte ihrer Mutter nacherzählt, teilweise sehr distanziert.
Und die Übersetzung ist schwerfällig (z.B….(Caruso) „verspürt ein Stechen, das ihm das Atmen verunmöglicht hatte“, S. 50).

Trotzdem hat der Roman seine starken Momente, besonders die Matanzas-Passage, die wie eine Verbindung der beiden Kulturen wirkt, oder auch wenn Aida sich nie sicher ist, ob sie einem ortsansässigen Ratgeber vertrauen darf oder nicht. Diese Elemente voller Unsicherheit, Angst, zwischen Fieberträumen und Tropengewittern geben dem Buch eine düstere Stimmung.

Eine sehr schöne private Fansite über Caruso gibt es hier

Lissabon 1506 – „Der Kabbalist von Lissabon“ von Richard Zimler

Das heutige Buch ist ein Historischer Roman. Das Buch „Der Kabbalist von Lissabon“ des amerikanisch-portugiesischen Autors Richard Zimler erschien 1996 auf Portugiesisch und Englisch (in beiden Sprachen vom Autor verfasst), 1999 auf Deutsch. Das rororo-TB hat 429 Seiten und ein Glossar. Die Handlung beruht auf einem tatsächlich in Konstantinopel gefundenen zeitgenössischen Manuskript. Sie basiert also im Kern auf Tatsachen.

Die Geschichte führt uns ins Lissabon des Jahres 1506. Zehn Jahre zuvor hatte König Manuel auf Druck Spaniens die portugiesischen Juden zur Konversion gezwungen. Sie sind nun „Neuchristen“. Einige von ihnen praktizieren ihren Glauben in geheimen kabbalistischen Zirkeln weiter.

  • Lissabon 1506 und seine Stadttore

Wie nähert man sich dem mittelalterlichen Lissabon, das zudem nach dem Erdbeben 1755 komplett umgestaltet wurde? Eine Möglichkeit: Kirchen. Eine andere, ungewöhnliche: Stadttore. Der Protagonist geht ständig aus der Stadt raus und wieder rein. Dabei muss er sich mit den Besatzungen der Stadttore auseinander setzen. So kommt bei der Lektüre eine Liste der Tore des alten Lissabon zustande. Das sind im Uhrzeigersinn von Westen nach Osten:

  1. Porta Santa Catarina (Richtung Belem)
  2. Porta Sant’Ana
  3. Maurentor
  4. Porta Do Sao Lorenzo
  5. Porta de Sao Vincente
  6. Porta das Monges nach Osten
  7. Porta Santa Cruz ebenfalls Osten Richtung Santa Iria
  8. und Porta do Chafariz dos Cavalos vom Fluss her kommend.

Die Schilderung der vielen Stadttore zeigt, dass der Held des Buches ganz ordentlich unterwegs ist, übrigens ausschließlich zu Fuß, von einer Bootsfahrt abgesehen.

  • Worum geht es?

Der Held ist Zarco Berekia, lebt mittlerweile (1522) in Konstantinopel und erzählt im Rückblick seine Geschichte und die seines Onkels Abraham. Die beiden gehören zu den besagten Neuchristen.

Berekia ist Obsthändler, sein Laden liegt in der Alfama an der Rua Sao Pedro, Ecke Rua da Sinagoga. Abraham stellt in seinem Keller wertvolle – und verbotene – Bücher her.

Seit 11 Monaten hat es nicht mehr geregnet. Die Pest fordert viele Todesopfer. Friedhöfe reichen nicht mehr aus, Wölfe ernähren sich von den Leichen. Die allgemeine Stimmung in der Stadt ist gereizt.

Ein Bekannter, der Drucker Diego, rettet sich verwundet zu Berekia. Schnell wird er ins neue Krankenhaus in der Nähe des Rossio gebracht. Wenige Tage später findet Berekia seinen Onkel im Keller seines Hauses ermordet, neben ihm die Leiche einer unbekannten jungen Frau. Die Truhen des Onkels sind durchwühlt. Ein wertvolles Buch fehlt. Schnell ist klar: Die Identität des Mädchens und der Verbleib des Buches sind die Schlüssel zur Aufklärung des Doppelmordes. Außerdem findet Berekia Hinweise dafür, dass der Mörder ein Bekannter seines Onkels sein müsste, möglicherweise einer aus dem kabbalistischen Zirkel.

Berekia erstellt eine Liste der möglichen Verdächtigen. Dabei hilft ihm Farid, Moslem und Freund aus Kindheitstagen. Farid ist von Geburt an stumm und selbst auf der Suche nach seinem verschollenen Vater. Farid versorgt Berekia mit unverdächtiger Kleidung,

  • Von der Alfama bis zum Rossio

Auf dem Weg zu dem ersten Verdächtigen, dem Schneider Salomon, begegnen Berekia ein paar hundert Bauern mit geschulterten Sensen. Sie laufen die Rua da Sinagoga hinunter zum Fluss. Berekia biegt in die Rua de Sao Pedro und sieht Rauch am westlichen Himmel über dem Zentrum der Stadt. Vor der Kathedrale kommen ihm schreiende Frauen entgegen. Er biegt in die Rua dos Duradores ein, von dort in die Rua Nova del Rei (das ist die heutige Rua de Comercio). Ein Nachbar sagt, Dominikaner haben Salomon abgeholt. Dann sieht Berekia, wie immer mehr Rauch über dem Rossio aufsteigt.

Der Rauch kommt von den Scheiterhaufen. Ein lynchender Mob tobt in den Straßen der Stadt, zerrt alle Neuchristen, deren er habhaft werden kann, auf die Scheiterhaufen. Die Scheiterhaufen brennen drei Tage lang. Tagsüber versteckt sich Berekia außerhalb der Stadttore, einmal in Santa Iria, einmal am Mandelhof, zwei Meilen östlich der Stadt, wo auch der jüdische Friedhof liegt.

  • Belem und Benfica

Berekia findet die Identität des Mädchens heraus, sie ist aus Belem, die Spur führt aber ins Leere. Dann trifft er einen gewissen Dom Miguel, der seine Reitställe in Benfica hat. Er besucht ihn dort, jenseits der Kalksteinbrüche von Campolide mit ihren vielen Sklavenarbeitern.

Zwischenergebnis der Ermittlungen: Der ermordete Onkel schmuggelte wertvolle Bücher nach Spanien. Sein bisheriger Schmuggelkurier hat ihn betrogen. Der könnte der Mörder sein. Aber wer war dieser letzte Kurier?

Im Estaus-Palast – der Adelsabsteige der Stadt – residiert ein gewisser Graf von Almeira, der anscheinend alte Handschriften kauft wie auch verkauft. Berekia und Farid suchen ihn auf. Von dort gibt es eine weitere Spur, eine Frau, die alle Esther nennen. Berekia und Farid finden sie. Sie offenbart, die Bücherschmugglerin zu sein und erzählt: Diego hat sie erpresst, die Bücher herauszurücken, um als Gegenleistung ihre jüdische Herkunft zu verschweigen. Sie versuchte, Diego zu ermorden (siehe den Romananfang oben). Aber den Onkel Abraham, den hat sie nicht ermordet.

Diego schließlich gesteht den Mord an Onkel Abraham und der jungen Frau. Motiv: Diego hatte in Spanien Neuchristen an die Inquisition verraten und dafür Geld kassiert. Die Neuchristen kauften sich dann von der Inquisition wieder frei. Onkel Abraham wußte davon. Als sie sich in Lissabon wieder begegneten, ermordete Diego Onkel Abraham, um seine Verbrechen in Spanien zu vertuschen. Diego wiederum fällt nach dem Geständnis einem von Berekia und Esther eingefädelten Attentat zum Opfer.

  • Bemerkungen

Der Autor neigt zu drastischen Schilderungen der Grausamkeiten. Andererseits erzählt er die Beziehung zwischen Berekia und Farid sehr sensibel: Die beiden unterhalten sich stets in Gebärdensprache. Ihre Dialoge werden spannend und bildhaft erzählt.

Das Tempo der Handlung beeindruckt. Der Roman ist geprägt von Bewegung. Berekia lebt „eine Woche ohne Schlaf und Nahrung“, sammelt immer neue Details, setzt die Informationen immer neu zusammen, sucht weitere Leute auf, verbirgt sich aus Angst vor dem Mob, findet Misstrauen allerorten, flieht über Nacht, kommt am nächsten Morgen zurück. Jeder Weg aus der Stadt führt im nächsten Schritt wieder in die Stadt, in der sich die Lage von Stunde zu Stunde verändert.

Die Handlung ist auf die Stadt Lissabon und auf den Zeitraum von einer Woche begrenzt und damit unglaublich kompakt erzählt. Das Buch ist durchgehend spannend und schlüssig, was bei über 400 Seiten nicht der Normalfall ist. Lesenswert.

Karte # 28a: Nordengland und 28b: Das Empire 1760: „Longitude“ von Dava Sobel

Heute geht es um ein Buch, das 1995 ein Überraschungs-Bestseller wurde und heute schon ein Klassiker der geographiebezogenen Literatur ist.  Das Buch „Longitude“ von Dava Sobel habe ich als btb-TB mit 230 Seiten (deutscher Titel: „Längengrad“).

  • Das Setup

1707: 5 englische Kriegsschiffe fahren nach Hause. Ein Navigationsfehler lässt sie an den Scilly-Inseln zerschellen. Das lenkt das Augenmerk der Briten auf ein Problem, das es seit Beginn der Seefahrt gibt. Man konnte nicht feststellen, auf welchem Längengrad man sich befand. Händler, Reeder und Kapitäne fordern die Ausschreibung einer Prämie für denjenigen, der eine praktikable, einfache und möglichst genaue Methode findet, den Längengrad auf See zu berechnen. Ein Gesetz wird dafür beschlossen, der „Longitude Act“. Ein Kommission wird gebildet. Der Sieger soll 20000 Pfund erhalten. Es ist das Jahr 1714.

  • Die zwei Methoden

Bis dahin versuchten sich alle führenden Astronomen an der Methode der „Monddistanzen„. Der Mond durchwandert am Himmel die Sternbilder. Mit Hilfe der Abstände zu den Fixsternen konnte näherungsweise – und mit Hilfe eines sehr aufwendigen Verfahrens – die Länge festgestellt werden. Außer tagsüber oder wenn’s bewölkt war. Also nicht immer. Zur Entwicklung der Methode wurde ab 1675 am höchsten Punkt des Greenwich Park die Sternwarte gebaut. Problem: Die Berechnung ist kompliziert, und man braucht für alle wichtigen Orte Sterntabellen, die über Jahre im Voraus berechnet werden müssen.

Dann gab es noch Handwerker und Uhrmacher, die davon träumten, dass man durch den schlichten Vergleich der Uhrzeit auf dem Schiff mit der Uhrzeit des Heimathafens zum Ziel käme. Problem: Uhren gingen nicht genau (15 Minuten Abweichung pro Tag waren normal). An Land. Bei Salzluft auf schwankenden Schiffen noch viel mehr.

Keine der beiden Methoden erzielte einen entscheidenden Durchbruch.

  • Die Geschichte

1693 in Nostell Priory, West Yorkshire:  John Harrison wird geboren. Die Familie zieht bald nach Barrow am Fluss Humber. Auf der anderen Seite des Flusses liegt das Städtchen Hull. Harrison lernt Schreiner, wie sein Vater. Nebenbei baut er hin und wieder ein paar Uhren. Diese sind getischlert, also ganz ohne Metall. Den erste Höhepunkt erlebt Harrison auf dem Gut Brocklesby Park. Er baut eine Turmuhr. Harrison schreinerte die Uhr aus einem bestimmten Tropenholz, das kontinuierlich Fett abgibt. Auf diese Weise spart man es sich, die Teile regelmäßig zu ölen.

Irgendwann hat Harrison von dem Longitude Act erfahren. 1730 reist er nach London, um seine Konstruktionszeichnungen vorzustellen. Er sucht zunächst Halley auf (der mit dem Kometen). Der bringt ihn zu Graham, einem berühmten Uhrmacher. Harrison fährt mit einem zinsfreien Kredit heim.

5 Jahre später kehrt er zu Halley zurück. Im Gepäck eine Uhr, die er „H-1“ genannt hat. Halley stellt fest, dass die Uhr sehr genau geht, und dann geht’s zur Royal Society. Die Gesellschaft schickt Harrison und seine Uhr auf Seefahrt. Es geht nach Lissabon und zurück. Der Test verläuft außerordentlich erfolgreich.

Nun endlich ist es Zeit, die Uhr der Kommission vorzustellen, die über die 20000 Pfund entscheidet. Harrison macht einen entscheidenden Fehler: Er ist ein schlechter Verkäufer seiner Uhr. Ganz der Erfinder, der immer neuen Verbesserungen nachjagt, spricht er mehr über die Schwächen seiner Uhr als über die Stärken.

Harrison erhält also nicht den Preis, aber immerhin 250 Pfund Entwicklungszuschuss, damit er weiter arbeiten kann. Er zieht nach London um, baut die H-2 (Entwicklungszeit 5 Jahre) und später die H-3 (Entwicklungszeit weitere 19 Jahre). Von Zeit zu Zeit holt er sich von der Kommission 500 Pfund ab.

Das größte Problem ist, dass das Metall in den Uhren auf Temperaturen empfindlich reagiert (1 Grad Unterschied macht 15 Minuten Ungenauigkeit aus). Harrison erfindet eine Methode, wie sich die Reaktionen kompensieren. Das von ihm erfundene Objekt ist ein Streifen aus Messingblech und Stahl. Der ist unter dem Namen Bimetallstreifen bis heute im Einsatz. Außerdem entwickelte er einen neuartigen Mechanismus zur Reibungsverminderung. Auch der ist bis heute im Einsatz und heißt Kugellager.

In London lernt Harrison den Uhrmacher John Jeffreys kennen. Er baut auf Harrisons Anweisungen eine Taschenuhr. Diese wird die Grundlage für die kleinere H-4, die im Jahre 1759 fertig gestellt wird. Sie ist Harrisons Meisterwerk.

Jetzt aber betritt der Schurke der Geschichte die Bühne: Reverend Maskelyne ist Astronom und Anhänger der Methode der Monddistanzen, die er auch entwickelt. Er wird von den Astronomen in der Kommission unterstützt, die diese Methode als die überlegene sehen wollen.

Maskelyne fährt 1761 nach St. Helena, um den Venusdurchgang zu beobachten und viele Messungen durchzuführen. Derweil soll die H-4 auf ihre Seetauglichkeit getestet werden. Die Uhr fährt von Portsmouth über Madeira nach Jamaika und zurück. Der Test gelingt. Die Uhr geht über zwei Monate hinweg nur 10 Sekunden falsch. Die Längengrade werden korrekt berechnet. Die Kapitäne sind begeistert. Die H-4 hat alle Anforderungen des Longitude Act erfüllt.

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Das Preisgeld bekommt er trotzdem nicht. Maskelyne bringt auf anderen Gebieten gute Meßergebnisse aus Sankt Helena mit. Die Kommission entscheidet, das die H-4 nochmal auf Testreise gehen soll, diesmal nach Barbados. Dort wartet Maskelyne mit dem Auftrag, die Uhr zu prüfen. Doch er wird nervös und macht Rechenfehler. Die aber lastet er der Uhr an. Und schließlich verfügte Maskelyne selbst – mittlerweile Mitglied der Kommission – die Herausgabe aller Uhren an die Kommission. Immerhin bekommt Harrison jetzt das halbe Preisgeld zugewiesen.

Harrison soll als nächstes – ohne die Uhren und ohne Zeichnungen – zwei weitere Uhren bauen. Er baut die H-5. Der befreundete Uhrmacher Kendell baut im Taschenuhrformat eine weitere Uhr, er nennt sie K-1, ein exakter Zwilling der H-4.  James Cook nimmt die K-1 auf seine zweite und später auf seine dritte Reise mit. Cook ist voll des Lobes. Harrison, dem der volle Preis wieder mal vorenthalten wurde, wendet sich direkt an den König George III. Nach einigen Vorführungen der Uhr interveniert der König und Harrison bekommt den Rest des Preisgeldes zugesprochen.

1776 stirbt Harrison 83-jährig in London.

  • Wie es weiterging

In England entsteht ein neuer Industriezweig, der Bau von Schiffschronometern.  1815 gab es in England etwa 5000 dieser Uhren. Maskelyne entscheidet, dass der Bezugsmeridian zur Längengradberechnung durch Greenwich läuft. 1884 bestimmt eine Meridiankonferenz in Washington den Meridian von Greenwich zum Internationalen Nullmeridian. Harrisons Uhren – die im Brocklesby Park und die H-1 – laufen heute noch.

  • Bemerkungen

Es ist eine Geschichte so ganz nach meinem Geschmack. Ein Tischler aus der Provinz löst durch ständiges Forschen das größte Problem des Empires und gewinnt gegen alle Widerstände der honoren Gesellschaft. Die Autorin schafft es, den komplizierten Sachverhalt rund um Mathematik, Ingenieurskunst und Geographie spannend zu erzählen und dabei das Innenleben der Personen nicht außer acht zu lassen. Dieses essayistische Annähern an Sachthemen ist seltene Form der Erzählkunst. Das Buch fällt in die Rubrik: Viel gelernt und Spass gehabt.

http://en.wikipedia.org/wiki/Scilly_naval_disaster_of_1707

http://de.wikipedia.org/wiki/John_Harrison_(Uhrmacher)

Karte # 25 Nordsee und # 26 Helgoland bis Hamburg: „Under False Colours“ von Richard Woodman

Heute geht es um einen unterhaltsamen und schnell zu lesenden Historischen Roman. „Under False Colours“ von Richard Woodman ist der 10. Band einer Reihe von Romanen rund um Captain Drinkwater. Er erschien 1991. Ich habe die Übersetzung von U. Minge aus 1998 mit 238 Seiten., Titel „Unter falscher Flagge“.

  • Das Setup

1806 errichtet Frankreich die Kontinentalsperre. Auf diese Weise soll zunächst Handel mit England unterbunden werden. Spätere Verschärfungen verbieten jeden Handel mit Waren, die irgend einen Bezug zu England haben. 1807 verbünden sich Frankreich und Russland im Frieden von Tilsit. Russland tritt der Kontinentalsperre bei. Helgoland wird von England besetzt. Es dient als Umschlagplatz für Waren, die trotzdem aufs Festland geschmuggelt werden sollen und als Stützpunkt für jede Menge Geheimoperationen.

Der Roman spielt im Winter 1809 / 1810 und beginnt in London. Die Hauptfigur ist Captain Drinkwater. Er wird von Lord Dungarth protegiert, von dem er auch vertrauliche Aufträge erhält. In diesem Roman kommen dazu:

  • auf englischer Seite: Captain Littlewood auf der „Gallywasp“, Lt. Quilbury auf dem Kanonenboot „Tracker“, Captain Grisham auf der „Ocean“.
  • auf französischer Seite: Mr. Thiebaut und der „Eiserne Marshall“ Davout.
  • auf ökonomischer Seite: Mr. Solomon in London und Herr Liepmann in Hamburg. Sie handeln mit den Waren, die auf den Schiffen transportiert werden.
  • auf mysteriöser Seite: Madame Hortense Santhonax. Sie wurde von Lord Dungarth bei Carteret gerettet und nach Criel gebracht. Danach hat sie sich in den französischen Offizier Santhonax verliebt und die Seiten gewechselt. Drinkwater hat diesen Franzosen im Gefecht erschossen, wovon sie aber nichts weiß.
  • Die Geschichte

Drinkwater bekommt den Auftrag, eine Ladung Stiefel und Mäntel auf den Frachter „Gallywasp“ zu verladen. Das Schiff soll dann nach Riga fahren und die Ladung dort löschen. Gleichzeitig wird auf verschiedenen Kanälen die Information gestreut, dass Russland mit England Handel treibt und so die Kontinentalsperre unterläuft. Sinn des Ganzen: Frankreichs Vertrauen in Russland als Bündnispartner soll untergraben werden.

Die „Gallywasp“ fährt von London ab, muss vor Gravesend einem Ostindienfahrer ausweichen und beobachtet bei Tilbury einen Milan. Dann geht es nach Norden bis Orfordness. Dort vereinigen sie sich mit der „Tracker“. Ab Whitby sollen sie nach Nordosten Richtung Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks, fahren. Ungünstige Winde und ein heftiger Sturm treiben die „Gallywasp“ nach Helgoland ab, die „Tracker“ geht verloren.

Auf Helgoland wird die Mannschaft zwangsweise einquartiert. Nach einigen Monaten bekommt Drinkwater einen geänderten Auftrag. Die Ostsee ist nun zugefroren. Deswegen soll die „Galliwasp“ bis Hamburg fahren und die Ladung dort verkaufen, das ganze in Begleitung des Frachters „Ocean“ unter Captain Gilham. Wegen der Kontinentalsperre werden die Schiffe mit der amerikanischen Flagge beflaggt.

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  • Das Abenteuer Hamburg

Die Schiffe fahren über Neuwerk, an Cuxhaven, Altenbruch und Otterndorf vorbei bis Brunsbüttel. Ein französischer Offizier, Thiebaut, übernimmt die Kontrolle und befiehlt die Fahrt nach Hamburg. Dort werden Drinkwater und Gilham von Thiebault als Geisel genommen. Thiebaut weiß um den Handel mit England und will weitere Schiffe abwarten, denen er Waffen und Zucker abkaufen kann.

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Im Januar 1810 ändern sich die Verhältnisse in Hamburg. Davout, der „Eiserne Marshall“ übernimmt das Regiment. Er läßt Drinkwater zum Verhör kommen, was zunächst harmlos verläuft. Dann wird Hortense vorgeführt. Sie ist nun die Geliebte Talleyrands, Drinkwater hat Angst, dass sie ihn verraten wird. Die beiden wechseln kein Wort miteinander. Als nächstes müssen Drinkwater und Gilham der Erschießung eines Zuckerschmugglers beiwohnen. Dann geht es weiter in ein Lazarett nach Altona, in dem ein spanischer Arzt arbeitet. Dort treffen sie auf Überlebende der „Tracker“ und beschließen die gemeinsame Flucht.

Der Spanier informiert Liepmann, der die Flucht unterstützt und zwei Fluchtboote stellt. In der fraglichen Nacht fliehen die Jungs der „Tracker“ aus dem Hospital. Drinkwater geht zu Liepmann und in seinem Haus trifft er – Hortense. Drinkwater ist entsetzt, denn er befürchtet immer noch, dass Hortense ihn verraten könnte. Sie aber hat andere Pläne und übereicht Drinkwater Papiere für Lord Dungarth. Drinkwater flieht am nächsten Tag unter Liepmanns Schutz. Am Ufer trifft er auf den spanischen Arzt und Lt. Quilhampton. Der Arzt musste Quilhampton kurz zuvor wundbrandbedingt einen Armstumpf weiter verkürzen. Sie nehmen sich eines von Liepmanns Booten und rudern die Elbe abwärts.

Eisschollen erschweren das ganze ebenso wie der Beschuss durch französische Soldaten. Beste Szene: Die Einschusslöcher des Fluchtbootes kann Drinkwater mit einer Hartwurst verschließen. Sie schaffen es bis Scharhörn. Dort werden sie von einen englischen Schiff entdeckt.

  • Was weiter geschah

Hortense stirbt bei dem – historisch verbürgten – Brand der habsburgischen Botschaft in Paris am 1. Juli 1810. Russland scheidet Ende 1810 aus der Kontinentalsperre aus. Frankreich antwortet mit Krieg. Manipulationen des Getreidepreises machen „Vater Goriot“ reich. Die Romanserie um Captain Drinkwater geht weiter und umfasst am Ende 14 Bände.

  • Bemerkungen

Es handelt sich um einen gradlinig geschriebenen Abenteuerroman. Dennoch ist er schwer zu lesen. Das liegt daran, dass sehr viel seemännisches Fachvokabular verwendet wird. Da streicht eine Landratte wie ich schnell mal die Segel.

Bitte schreibt mir eure Meinung zu dem neuen Kartenformat. Stepmap bietet große Vorteile bei überregionalen Karten, weil man die Karten individuell beschriften kann. In 9 von 10 Fällen ist das gut, aber es gibt Ausnahmen, wo ich auf Google-Maps zurückgreifen mag. Außerdem ist die stepmap-Karte fixiert. Bei Google kann man auf „view larger map“ klicken und so mit der Karte spielen. Bei Stadtplankarten von Stepmap kann man leider den einmal gewählten Bildausschnitt nicht mehr ändern. Deswegen entscheide ich von Fall zu fall, wo ich die Karte erstelle.

Karte # 21: Amsterdam 1659: „The Coffee Trader“ von Daniel Liss

Das heutige Buch ist wieder ein historischer Roman. „The Coffee Trader“ von Daniel Liss erschien im Jahr 2003. Meine Ausgabe (Übersetzt von A. Carstens) ist das btb-TB von 2007 mit dem Titel „Der Kaffeehändler“ und 478 Seiten. Die Geschichte spielt in Amsterdam und beginnt am 13. Mai 1659.

  • Das Setup

Auf der Flucht vor der Inquisition wanderten etliche portugiesische Juden nach Amsterdam aus, wo sie in einem eigenen Stadtviertel, Vlooyenburg, wohnten. Aus den Erfahrungen mit der Inquisition haben sie einen eigenen Gemeinderat gegründet. Dessen mächtigstes Mitglied ist der Händler und Strippenzieher Parido. Auch die Hauptfigur Miguel Lienzo kam aus Lissabon nach Amsterdam, ebenso sein Bruder Daniel mit seiner Frau Hannah.

Das Buch ist aus einer doppelten Perspektive erzählt. Die Geschichte von Miguel Lienzo wird unterbrochen von Auszügen aus den Memoiren des Alonzo Alferonda. Miguel ist Händler und Börsenmakler. Er war mal mit Paridos Schwester verlobt, ließ sich aber mit ihrem Hausmädchen erwischen, was ihm die Feindschaft Paridos einbrachte. Auch Alonzo Alferonda war Händler, bis Parido dafür sorgte, dass er aus der Gemeinde ausgeschlossen wird. Seither schlägt er sich als Wucherer durch, verleiht Geld und wartet auf eine Gelegenheit, sich an Parido zu rächen. In diesem Dreieck Parido – Miguel – Alonzo spielt die Geschichte.

  • Die Börse

Miguel handelt mit Warenterminkontrakten, die zum 20. jeden Monats zu einem aktuellen Preis abgerechnet werden. Früher war Miguel auf den Zuckerhandel spezialisiert. Der Zuckerpreis fiel eines Tages ins Bodenlose, Miguel verarmte und muss nun bei seinem Bruder Daniel wohnen, bei dem er auch sonst in der Kreide steht. So wie es aussieht, wird Miguel mit Terminkontrakten auf Weinbrand wieder viel Geld verlieren. Parido weiß um Miguels Verlustposition und vermittelt Kontakt zu einem Franzosen, der bereit ist, die Kontrakte abzukaufen. Die Börse wird als sehr modern geschildert. Es gibt Intradayhandel, Terminhandel und Settlementfragen (also dass das Geschäft auch bezahlt und beliefert wird).

  • Die Geographie

Der Ort, um den sich alles dreht, ist die Börse. Sie war ein von Tribünen umgrenzter, nicht überdachter Platz am Dam. Die Glocken der Nieuwe Kerk sind zu hören. Von hier aus geht es über die Warmoesstraat nach Börsenschluss in die Kneipen. Die eingewanderten Juden wohnen in Vlooyenburg, ihr privater Aufenthaltsbereich reichte bis an den Nieuwe Markt, an dessen Südgrenze eine Waage stand. Der Voorburgwal, den Hanna einmal durchquert, ist also „verbotenes“ Terrain. Über die Heerengracht, Keizersgracht und Prinsengracht hinweg kommt man zu dem Viertel Jordaan. Es wird neu gebaut, überall ist der Lärm von Handwerkern zu hören. Das Gefängnis ist am Heiligeweg. Insgesamt wird Amsterdam als aufstrebende Stadt beschrieben. Reger Handel, auch aus heutiger Sicht modern wirkende Usancen und wirtschaftliche Dynamik bestimmen das Bild.

  • Der  Kaffeedeal

Eine holländische Freundin, Gertruid Damhuis, bietet Miguel einige Tassen Kaffee an. Zu dieser Zeit ein exotisches Getränk, das in kleinen Mengen gehandelt wird. Gertruid entwirft ihm den Plan, den Kaffeehandel in Amsterdam auszubauen und zu kontrollieren.

Um an das nötige Kleingeld zu kommen (Erinnerung: Miguel ist pleite wegen der Zuckergeschäfte) handelt Miguel auf einen Tipp Alonzos hin Walfischtrankontrakte.  Er kauft zur Eröffnung und verkauft am gleichen Tag mit großem Gewinn wieder. Der Erfolg macht Miguel mutiger, das Kaffeegeschäft zu planen. Er nimmt Kontakt zu Isaiah Nunez auf, der wiederum gute Verbindungen zur Ostindien-Compagnie hat. Die beiden wollen unter größtmöglicher Geheimhaltung 90 Tonnen Kaffee nach Amsterdam bringen. Nach Ankunft des Schiffes würde der Preis fallen und Miguel einen Gewinn bescheren. Gleichzeitig würden Gertruids Mittelsmänner den Kaffee zu den nun gefallenen Preisen aufkaufen. Der Preis würde soweit steigen, dass der weitere Kauf von Kaffee unrentabel wird. Damit hätten Miguel und Gertruid ein Monopol – genauer: einen Corner – errichtet.

Nunez will natürlich für die Schiffsladung Kaffee Geld sehen. Kein Problem, denn Miguel hat ja gerade bei Walfischtran gewonnen. Doch ein Problem: Das Geld aus dem Gewinn ist noch nicht da. Stück für Stück stellt sich heraus, dass der einflussreiche Parido überall seine Finger drin hat. Alonzo schließlich klärt den Leser auf, dass es Daniel ist, der seinem Bruder das Geld aus dem Walfischtrangeschäft schuldet.

  • Die Suche nach Verbündeten

Auf der Suche nach weiteren Verbündeten kauft Miguel den stadtbekannten Bettler Johann Wagenaar aus dem Zuchthaus, dem Rasphuis, frei.

Trotz aller Widerstände geht das Kaffeegeschäft voran, weil Gertruid sich stark engagiert. Aber sie wird immer mysteriöser. Sie schießt Geld in den Handel, dessen Herkunft unklar ist. Sie treibt sich in zwielichtigen Kneipen herum, wo sie Gerüchte über ankommende oder untergegangene Schiffe verbreitet.

Miguel hat nicht genug Geld, deswegen fälscht er eine Bürgschaft seines Bruders. Dann entsteht das Gerücht, dass das Kaffeeschiff umgeleitet wurde. Die Lieferung würde sich um ein Jahr verspäten. Miguels Verkaufsoptionen würden wertlos. Der Bettler Johann Wagenaar taucht plötzlich gut gekleidet bei Miguel auf und fragt ihn über seine Geschäfte aus. Er wurde von Parido gekauft. Dann jedoch beginnt er, für eigene Rechnung zu arbeiten und verbündet sich wieder mit Miguel. Er erzählt, dass der Kaffee zwar auf jeden Fall pünktlich kommt. Allerdings auf einem Schiff, das Parido gehört. Daniel feuert seine Haushaltshilfe Annetje, die – wie sich herausstellt – Daniel und Miguel für Alonzo ausspioniert hat. Alonzo bezahlt Annetje, damit sie Miguel erzählt, sie stehe in Diensten Gertruids.

  • Die Schlacht

Schließlich ist wieder Abrechnungstag. Der Kaffeepreis ist hoch. Miguel ist Long, hält Puts und will billig wieder Long gehen. Parido, sein mächtiger Gegenspieler hält Calls und hat die Ware unter Kontrolle. Die Glocke läutet. Die Schlacht beginnt. Der Preis schließt nach heftigen Kursbewegungen auf Tagestief. In den Tagen danach kehrt jeder seine Scherben zusammen. Miguel hat viel Geld gewonnen, Gertruid ausgebootet und seinem Bruder die Frau ausgespannt. Parido hat viel Geld verloren. Zwei lange Gespräche, eines mit Gertruid und eines mit Alonzo bringen Miguel die ganze Wahrheit aller Intrigen ans Licht. Es war ganz anders, als er vermutete. Der Gewinn hat Miguel gesellschaftlich rehabilitiert, aber einsam gemacht.

  • Bemerkungen über das Buch

Das Buch lässt sich nicht so recht in ein Genre stecken. Krimi? Dazu fehlen die typischen Spannung schaffenden Elemente. Bis auf ein paar Kneipenschlägerein gibt es auch keine Gewalt, erst recht keine Leiche. Historischer Roman? Die Atmosphäre der Zeit wird nicht dicht genug geschildert. Am ehesten geht das Buch als psychologischer Roman durch.

Die Beziehungen zwischen den Personen verändern sich ständig. Wer steht in wessen Diensten? Wer schlägt Finten? Es gilt, immer wieder zu sortieren und überlegen. Wer ist vertrauenswürdig und wer nicht. Koalitionen ändern sich, Verdachtsmomente ändern sich. Geschäftliche Interessen gehen vor persönlichen Interessen, und manchmal ist es umgekehrt. Wieweit darf man einem Gerücht glauben, wer profitiert von ihm und wer hat schon profitiert? Diese ständige Veränderung im Beziehungsgeflecht ist es, was das Buch spannend macht.

Und der Autor bringt die Angst und die Gier auf den Punkt, die sich angesichts von Kursentwicklungen einstellen. Wie weit darf man einem steigenden Kurs zuschauen, bis man aussteigt? Wie schnell muss man bei einem fallenden Kurs abstoßen, welche Kursentwicklungen sind kurzfristig, welche sind von Dauer? Das Fieber, das in wenigen Stunden über Reichtum und Armut entscheidet, kommt rüber, und zwar besser als im Film „Wall Street“.

Letztendlich bietet das Buch dem ökonomisch interessierten Leser einige Themen, die es in die schlüssig erzählte Geschichte einbindet.

Lesenswert.

Die Amsterdamer Börse

Der Dam in Amsterdam

Den Markt über einen Corner kontrollieren

Kaffeegeschichte