Die Katalanischen Pyrenäen: „Wie ein Stein im Geröll“ von Maria Barbal

Heute geht es in die Berglandschaft der Pyrenäen in Katalanien.

  • Das Buch

Der Roman „Pedra de Tartera“  erschien im Jahr 1985. Es ist das Erstlingswerk der Autorin Maria Barbal und gilt heute als Klassiker der katalanischen Literatur. Schon 1986 übersetzte Heike Nottebaum das Buch aus dem Katalanischen. Deutscher Titel „Wie ein Stein im Geröll“. Verlag Transit, Hardcover. Der Roman ist mit 107 Seiten sehr kurz. Dazu kommt ein Nachwort des Literaturwissenschaftlers Pere Joan Tous aus dem Jahr 2006, der die Bedeutung der Autorin in der katalanischen Literaturszene einordnet. Und ein Glossar. So hat das Buch insgesamt 127 Seiten.

Die Autorin gehört zu den bedeutendsten katalanischen Autoren. Sie wurde in Tremp in den Pyrenäen geboren. Und ganz in der Nähe ihres Geburtsortes hat sie diesen Roman angesiedelt. Zeitlich spannt er sich über beinahe das ganze 20. Jahrhundert.

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  •  Die Hauptfigur

Die Hauptfigur und Ich-Erzählerin ist  Concepcion, die von allen Conxa genannt wird, weil ihr echter Name zu kompliziert ist. Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Jeder Teil behandelt einen Abschied Conxas.

Im ersten Teil ist Conxa 13 Jahre alt. Sie soll den elterlichen Hof in dem Dorf Ermita verlassen und zu Onkel und Tante ziehen. Die beiden sind kinderlos und brauchen eine helfende Hand. Also verlässt Conxa Ermita und wandert zu Fuß in das etwas größere Dorf Pallares.

  • Das Dorf

Stichwort Dorf: Manche bestehen gerade mal aus 4 Häusern. Das Leben ist karg, man hat ein paar Stück Vieh, meistens Kühe, dazu Hühner und Kaninchen, und ein paar Wiesen. Geld braucht man nicht, außer für den Viehhandel. Es gibt zwei Sorten Pilze, Röhrlinge und Mairitterlinge. Die Frauen sammeln sie und trocknen sie anschließend für den Winter. Nur Wasser gibt es im Überfluss. Die vielen Bäche und Flüsse, die die Gegend durchziehen, liefern Forellen. Man fängt sie mit der bloßen Hand (kleiner Trick: vorher mit einem Bündel Wolfskraut auf das Wasser schlagen, das betäubt sie).

Conxas Leben verläuft über Jahre hinweg eintönig. Sie hilft auf den Wiesen das Gras mähen, und beim Vieh. Ab und zu kommen Vettern aus Barcelona zu Besuch. Dann hat man mehr Ausgaben, weil die Vettern so viel essen, aber sie bringen auch Kaffee und andere Dinge aus der Stadt mit.

  • Die große Liebe

Conxa heiratet Jaume, den Nachbarsjungen. Jaume ist Handwerker. Er reist in den Bergen umher und arbeitet dort, wo gerade ein Haus gebaut wird. Jaume und Conxa bekommen Kinder. Sie sind glücklich, gehen auf die umliegenden Dorffeste zum Tanz. Dann aber bricht eines Tages – zuerst unmerklich – die große Politik über die Familie herein. König Alfons XIII hat abgedankt, die Republik wurde ausgerufen – wir sind also im Jahr 1931. Jaume engagiert sich als Friedensrichter.

Fünf Jahre später putschen sich die Franco-Faschisten an die Macht. Kurz danach besetzen deren Truppen die Gegend. Jaume wird verhaftet, Conxa mit einigen anderen Frauen auf einem Lastwagen in ein Lager gebracht. Maria Barbal lässt Conxa den Titel des Romans erklären. Conxa fühlt sich wie ein Stein im Geröll. Wird sie angestoßen, dann rollt sie mit allen anderen weiter, wenn nicht, dann bleibt sie einfach liegen.

Später wird Conxa in der Provinzhauptstadt Noguerea ihren Mann identifizieren, der ermordet wurde. Er wird anonym beigesetzt. Conxa fährt wieder zurück in ihr Dorf. Fremde tauchen auf und wollen ihrer Tante den Hof, ein Stück Weide oder Vieh abkaufen. Sie widerstehen den Angeboten, die stets von Anfeindungen begleitet werden. Conxas Sohn heiratet eine Frau aus Torrent, die beiden bekommen ein Kind. Mutter und Kind sind schwach, und sie ziehen der besseren Ärzte wegen nach Barcelona. Conxa geht mit ihnen. Weil sie bei ihrem Enkel sein kann, aber auch weil sie zu alt für die Berge ist, und im Hof nichts mehr helfen kann.

  • Die Stadt

Barcelona schließlich ist eine fremde und moderne Welt, mit Hochhäusern und Apparaten, die sprechen und einen anschauen. Manchmal lachen die anderen, wenn Conxa etwas sagt. So weiß sie, dass sie wichtig ist, und fühlt sich doch gleichzeitig nutzlos. Dann hört das Buch auf. Und der hat Leser hat den Eindruck, dass sich das Buch einfach aus Conxas Geschichte „ausblendet“.

  • Bemerkungen

Der Roman behandelt das gesamte Leben von Conxa, wobei der Schwerpunkt in den 20er und 30er Jahren ihres Lebens (und des Jahrhunderts) liegt.

Da ist der Gegensatz zwischen dem beschaulichen Leben und dem, in das die große Politik hineinregiert, der Gegensatz zwischen dem ländlichen und dem städtischen, der Gegensatz zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen der Familie. Geradlinig, beschaulich und beinahe meditativ lässt Maria Barbal Conxa ihre eigene Geschichte erzählen.  Das ist sehr schön. Der zentrale Teil ist die Liebe zu Jaume, sein Verschwinden und die Trauer um ihn, der große Einsamkeit folgt.

Ich persönlich hätte mir noch ein wenig mehr über das Leben in Barcelona, ein wenig mehr Stadt gewünscht. Zumindest suggeriert der Klappentext, das da noch was käme. Aber das hätte auch die erzählerische Kompaktheit dieses kleinen Romans zerstört. Lesenswert.

 

50 Jahre in Pennsylvania: Pearl S. Buck „Portrait Of A Marriage“

 

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Ein Hügel in Pennsylvanien, zur Linken der Delaware, ein Fluss, der sich wie ein silbernes Band hinzieht. Zur Rechten geht es hinunter zur Stadt Philadelphia. Auf dem Hügel sitzt William Barton und malt. Mit dieser Szene beginnt der Roman „Portrait of a Marriage“ von Pearl S. Buck.

  • Autorin und Buch

Die Autorin (1892 – 1973) erhielt 1938 den Literaturnobelpreis – hauptsächlich für den Roman „The Good Earth“. „Portrait of a Marriage“ erschien 1945. Die Übersetzung von Ursula von Wiese aus dem Jahr 1946 trägt den Titel „Eine Liebesehe“. Ich habe die Ausgabe vom Bertelsmann Lesering 1958. Hardcover, 232 Seiten.

  • Die Familie entsteht

Der Leser darf sich anschnallen: Das Buch hetzt durch die Jahrzehnte. Zunächst sind die Jahre der Handlung nicht benannt. Aber zu Beginn machen sich die Bartons (Williams Eltern) Gedanken darüber, „einen dieser pferdelosen Wagen“ zu kaufen. William malt derweil Bilder. Die Ausbildung in Paris bekam er von seinem Vater finanziert, der von den Dividenden seiner Eisenbahnaktien lebt. William hat zwei Geschwister. Louise heiratet einen Engländer und kommt zweimal im Jahr zu Besuch. Tom eröffnet eine der ersten „Garagen“ des Landes.

Bei einer Einkehr während eines Malausfluges begegnet William Ruth, einer Farmerstochter. William bittet sie, ihm Modell zu stehen. Das Ganze geschieht in der Küche des Hauses. Ruths Eltern sind von William wenig begeistert, den er hält sich nicht an Termine, kommt manchmal öfter, andererseits wochenlang gar nicht (wenn er gerade eine Malblockade hat).

William hat noch eine Stadtwohnung in New York angemietet. Diese dient als sein Atelier, und von hier aus verkauft er seine Bilder. Er könnte das Bild von Ruth mehrmals verkaufen, lehnt dies aber immer ab. Schließlich hängt er es in seinem Zimmer auf und betrachtet es oft stundenlang.

Ein Jahr später sind er und Ruth verheiratet. das sind die ersten 53 Seiten.

Die Jungvermählten leben zunächst in New York. William mag an der Stadt, dass er überall mit den normalen Leuten reden kann. Und er verkauft seine Bilder von Zeit zu Zeit. Geld kommt unregelmäßig rein, aber es reicht. Dennoch ist Ruth von der Unregelmäßigkeit genervt, vor allem, als sie sieht, dass  Toms Garage ganz gut läuft. Eines Tages entdeckt William, dass sein Vater die meisten Bilder gekauft hat. Und das, obwohl die Eisenbahnaktien nicht mehr soviel Dividende abwerfen wie früher. Schuld daran ist das immer stärker verbreitete Automobil.

Aber er bekommt keine Anregungen zu malen. Er malt ohnehin nur noch Ruth. William rechtfertigt sich damit, dass Millet auch häufig die gleiche Person gemalt habe. (Gemeint ist hier Jean-Francois Millet). Aber Ruth mag New York nicht, und so ziehen sie zurück in Ruths elterliches Bauernhaus. Dort gebiert Ruth 3 Kinder (Hal, Jill und Mary). William stellt seine Bilder nur noch im Ort aus.

  • Die Familie zerstreut sich

Eines Tages, am 13. Juli 1913, verschwindet Hal. Drei endlose Jahre später taucht er wieder auf, nur um seinen Eltern zu sagen, dass er sich zur Armee gemeldet hat. Er verschwindet in den ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg heiratet er eine Französin und zieht in die Umgebung von Paris, arbeitet als Taxichauffeur. Sie bekommen zwei Kinder.

Ansonsten will William mal was anders malen und Ruth für eine Zeit verlassen. Ruth ist entsetzt. Am nächsten Morgen muss sie eine läufige Kuh zum Nachbarn bringen. Dessen Stier soll die Kuh besteigen. Dabei wird Ruth schwer verletzt. William war während dessen irgendwo, um ein Landschaftsbild zu malen. Sowohl der Nachbar als auch Ruth finden Williams Verhalten unmöglich. Er sollte seiner Frau mehr zur Hand gehen.

Tochter Mary und Joel, der Sohn des Nachbarn, verlieben sich und heiraten bald darauf. Außerdem zieht Jill zu einer alten Freundin nach New York. Die entdeckt, dass Jill großartig singen kann und läßt sie ausbilden. Sie wird eine der besten Altstimmen Amerikas.

Jill, Hal und Mary sind also aus dem Haus. William malt weiter. Der Zweite Weltkrieg bricht aus. Hal und seine Frau werden von einem deutschen Bomber beim Picknick beschossen und sterben. Die Töchter der beiden werden ins nächste Schiff nach New York gesetzt und sind bald Teil von Williams und Ruths Haushalt.

Dann eines Tages erleidet William einen Herzinfarkt. Er stirbt bald darauf. Rickie, der Sohn von Tochter Mary will Opas Malkasten geschenkt bekommen. In ihm wird die Familie weiter leben.

  • Ein Blick auf 50 Jahre Mobilität

Der Leser kann die Entwicklung der Infrastruktur verfolgen. Zu Beginn ist das Pferdefuhrwerk-Geschäft von Ruths Eltern vom Automobil bedroht. Am Ende ist die Welt „durch Schnellzüge, Automobile und Flugzeuge ein engbegrenztes Gebiet geworden“. (S.217)

William und Ruth besassen nie ein Automobil. Er fuhr meist Straßenbahn oder mit dem Zug, wenn er nicht zu Fuß unterwegs war. Und die beiden ziehen vom fernen New York wieder zurück ins ländliche Idyll des heimischen Hofes. Aber um die beiden herum läßt sich die Entwicklung der Mobilität beobachten. Dabei fällt auf, dass alle wichtigen Personen ihren Lebensunterhalt aus dem Wirtschaftsfaktor Mobilität bestreiten.

Williams Vater lebt von Eisenbahnaktien. Williams Bruder Tom besitzt eine Autowerkstatt. Die Eltern von Ruth betreiben ein Fahrgeschäft mit Pferdekutschen. Sohn Hal arbeitet als Taxichauffeur und später als privater Chauffeur. Jill schließlich lebt davon, dass sie auf der ganzen Welt herumreist und Konzerte gibt.

Andererseits bekommt der Leser nichts von den anderen Reichtümern Pennsylvanias mit. Der Reichtum an Bodenschätzen spielt nur einmal eine Rolle, als William auf der Suche nach neuen Motiven ist. Wenige Kilometer östlich der Farm geht das Schieferbett, das den Bauernhof umgibt in Boden über, der Kohle und Eisen enthält. (S. 100). Doch niemand aus dem Bergbau oder der Hüttenindustrie verirrt sich in den Roman,

  •  Anmerkungen

Die Übersetzung ist manchmal altbacken „Vater kann jemanden dingen (S. 85) „, „sie lag wach, indes er schlief (S. 118)“. Oder schlicht falsch. „Garage“ ist nunmal keine „Garage“, sondern eine Autowerkstatt. Ansonsten vergehen die Jahre schnell, und manchmal schüttelt sich der Leser ob des Tempos. Die Handlung ist fast ausschließlich auf William und Ruth fokussiert, was dem Roman Struktur gibt und ihn gut lesbar macht.

Der Roman wird im Klappentext angepriesen als Lob der „Schönheit des einfachen Landlebens“. Ich hab das nicht rausgelesen. William verzichtet auf eine Karriere als Maler – sowohl ökonomisch als auch stilistisch. Williams selbst ist nicht immer glücklich damit.  Er verfolgt auch das Schicksal seiner Kinder nur noch am Rande, nachdem sie aus dem Haus sind. Und die beiden „französischen“ Enkelinnen verschwinden nach ihrer Ankunft aus der Geschichte. Da wäre mehr drin gewesen.

 

Ein Langstreckenflug nach Ostafrika 1959: „Death in Zanzibar“ von M.M.Kaye

M.M. Kaye (1908 – 2004) war eine britische Autorin.

1959 veröffentlichte sie den Roman „The House of Shade“, dessen Titel 1983 „Death in Zanzibar“ verändert wurde. Deutsch von Rosemarie Hundertmarck 1988, als TB 304 Seiten.

Die Handlung war 1959 zeitgenössisch, was sich aus der Erwähnung von Nasser in einer politischen Diskussion herleiten läßt. Außerdem brüstet sich eine Figur auf S. 284 damit, seine Arbeit „funktionierte wie ein Sputnik.“ Die Formulierung ergibt erst nach Oktober 1957 einen Sinn.

  • Setup und Personal

Dany Ashton, gerade volljährig geworden, darf zum ersten Mal in ihrem Leben reisen. Es geht nach Zanzibar. Ihre Mutter Lorraine lebt dort mit ihrem derzeitigen Gatten Tyson Frost, einem erfolgreichen Schriftsteller.

Auf dem Weg zum Flughafen in London soll sie noch schnell bei Mr. Honeywood, dem Rechtsanwalt ihres Stiefvaters, ein Schreiben für Mr. Frost abholen. Dann wartet sie in einem Hotel auf den Flug am nächsten Morgen.

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Im Hotel warten noch andere, die nach Zanzibar wollen. Lashton Holden Junior, kurz Lash ist Frosts amerikanischer Verleger und macht seine Hochzeitsreise. Amalfi Gordon („sie wirkt wie eine Tiara mitten in billigem Glasschmuck“ – S. 126) hätte eigentlich seine Frau werden sollen, aber hat sich kurzfristig für einen Marchese entschieden, den „grinsenden, pomadisierten Sohn einer Schlange (s. 68)“. Der macht irgendwas mit Wettrennen. Beide fliegen ebenfalls nach Zanzibar. Außerdem Larry, ein Journalist, der eine Homestory über Frost schreiben soll. Und Jemba. Der ist zanzibarianischer Rebellenführer, der eine „demokratische Republik“ mit sich als Diktator und sowjetischer Hilfe einführen will. Und Tysons Schwester sowie deren Gesellschafterin, Millicent – genannt Mimi – Bates.

  • Dann kann’s losgehen

In der Frühe liegt eine Tageszeitung vor Danys Tür. Schlagzeile: Honeywood wurde ermordet. Tatzeit war exakt die halbe Stunde, nachdem Dany bei ihm war. Dumm für Dany: Sie hat bei Honeywood ein Taschentuch mit ihren Initialen verloren.

Sie macht Bekanntschaft mit Lash. Lashs Sekretärin Ada Kushter hätte mitreisen sollen, bekam aber kurzfristig Mumps. Nun tröstet er sich mit Whiskeyfahne und einem weißen Kater namens Asbestos.

Dany erzählt Lash ihre Geschichte. Spannend wird es, als sie in der Schublade ihres Hotelzimmers die Mordwaffe findet, sich daran erinnert, Jemba vor Honeywoods Haus gesehen zu haben, und außerdem ihr Pass fehlt.

Lash stylt Dany schnell auf das Aussehen seiner Sekretärin um. Nun reist Dany als Ada weiter, mit deren Pass.

Dann startet die Maschine in London und fliegt mit Zwischenstopps in Neapel und Khartum nach Nairobi. Dort heißt es umsteigen in eine kleine Maschine. Aber vorher ist eine Nacht im Hotel angesagt. Lash hat die Hochzeitssuite gebucht und ist dort mit Dany alleine. In der Nacht bemerkt Dany einen Einbrecher und verjagt ihn. Lash glaubt ihr nicht, bis er eine fremde Taschenlampe im Zimmer findet. Offensichtlich sollte Dany ermordet werden.

Dany zeigt Lash den verschlossenen Umschlag, den sie von Honeywood bekam. Klar ist nun: ein Mörder sass im Flugzeug.

Am nächsten Morgen geht es in einer kleinen Maschine weiter nach Mombasa. Dort gehen alle aus dem Flugzeug raus in die Wartehalle. Der Weiterflug verzögert sich. Grund: Jemba ist an Zyankali gestorben.

Weiterflug nach Pemba, einer Insel voller Gewürznelken und dunklen Sagen über Dämonen. Dann – in der Mitte des Buches schließlich die Ankunft in Zanzibar. Alle werden von Nigel Pointing, Tyson Frosts Sekretär, abgeholt.

  • Zanzibar

Blumen „ergossen sich in traumhaftem Farbenrausch“ am Straßenrand. Weißgekalkte Häuser bilden enge Gassen. Es duftet nach Gewürzen und heißem Staub. Auf der anderen Seite gibt es „garstige Slums“: Eine Hüttenstadt aus Wellblech und faulem Stroh, ein stickiger Bach, dann wieder Mangohaine und Gewürznelkenbaumplantagen. (S. 131) Von letzteren lebt die Insel übrigens hauptsächlich.
Man schlendert über einen Markt, auf dem bunte exotische Fische angeboten werden (S. 220). Es ist laut. Nachts wird auf den Dächern gefeiert, unter Trommelklang und den melodischen Rufen der Kokosnussverkäufer (S. 234).

Alle kommen im „Haus der Schatten“ an. Das ist das Domizil von Tyson Frost. 75 Jahre zuvor lieh der Sultan das Haus für 150 Jahre an Tysons Großvater, einen skrupellosen Geschäftemacher. Der wiederum schrieb ein Buch, Titel „Haus der Schatten“. Dessen Originalmanuskript soll Millionen wert sein.

Dann beginnt ein gesittetes gegenseitige Verdächtigen aller Anwesenden. Nicht nur Lash könnte der Mörder sein, er hatte stets Zugang zu Danys Garderobe. Andere kommen ebenfalls in Frage. Und so sitzt man abends im Salon und erzählt sich gegenseitig, dass man wenig von den anderen weiß.

Dany geht zu Bett. Draußen schreit ein Ziegenmelker (das ist ein Vogel). Immer wieder. Dazwischen hört Dany ein unregelmäßiges Kratzen und Wischen, dann wieder den Ziegenmelker (es gibt wohl keine anderen Vögel auf Zanzibar). Nur einer der vielen Schreie, die Dany hört, stammt von einem Menschen. Mimi liegt tot auf der Treppe. Außerdem ist der versiegelte Umschlag leer.

Dann geht alles recht schnell. Nigel, Tysons Sekretär, stellt sich Dany in den Weg und will sie aus dem Fenster stoßen. Er wird jedoch mit Hilfe einer Flasche Gin außer Gefecht gesetzt. Zuvor jedoch gestand er den Mord an Honeywood. Motiv: Nigel war mit Jembas Rebellenarmee verbandelt. Im Umschlag war ein Plan, der zu einem Versteck führen sollte. Dort hat der Sultan – sagt man – einen Schatz versteckt. Mit dem Geld hätten sie die Rebellenarmee ausgebaut.

Nur der Mord an Jemba bleibt unaufgeklärt.

Bemerkungen

Positiv

Das Setup: ein Mord, und alle Verdächtigen sitzen im gleichen Langstreckenflug. Das ergibt eine schaurige Mischung aus Verdächtigungen und Zweifeln. Das Buch lebt auch von wunderbar witzigen Formulierungen (Was ist eigentlich ein „Zehn-Dollar-Schnurrbart“? – S.22). Es ist spannend: Erst Danys Angst, in ihrer Rolle als Sekretärin entdeckt zu werden. Dann ihre nächtliche Angst vor Mordanschlägen, die dem Buch eine Thriller-Note verleiht.

Negativ

Die Lösung des Falles fand ich einfallslos. Der Diener war’s. Und es war doch kein Mörder im Flugzeug. Und einer der Morde bleibt ausdrücklich unaufgeklärt. Und in einer angstvollen Atmosphäre sich gesittet gegenseitig des Mordes zu verdächtigen, ist schon sehr gekünstelt. Und das Schlimmste: der Kater Asbestos ist irgendwann nicht mehr mit von der Partie – ohne Erklärung.

Flussmündungen bei Honore de Balzac: „La Femme de Trente Ans“

Wo Flüsse ineinander fließen, siedelt man, Handlungsstränge verflechten sich, Menschen begegnen sich. Honore de Balzac treibt damit ein literarisches Spiel in seinem Roman „La femme de trente ans“ übersetzt von Siever Johann Meyer-Berghaus: „Die Frau von 30 Jahren“, Agrippina-Bücherei Wiesbaden, ca. 1955, 190 Seiten.

  • An der Mündung der Cise in die Loire

Wir sind im Frankreich Napoleons. Ein Reisewagen fährt von Amboise nach Tours. Die Zügel reißen. Der Wagen muss halten, er tut es an der Stelle, wo die Cise in die Loire mündet. Dort steht eine Brücke, unweit davon – zwischen Schluchten und Fesen – das Städtchen Vouvray. In der Loire liegen kleine grüne Inseln, in der Ferne sieht man die Hügelkette von Cher. Eine Felsenreihe erstreckt sich bis nach Tours. Die Bevölkerung betreibt den Weinbau auf fast senkrecht stehenden Feldern.

Im Reisewagen sitzen Neuvermählte: Julie von Aiglemont und ihr Gatte Viktor aus Paris. Die Zügel werden repariert und danach geht die Fahrt weiter nach Tours. Viktor von Aiglemont bringt seine Frau dorthin zu seiner Tante, weil ihr sonst „Gefahren drohen“.

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Da plötzlich – o Schreck – kommt ein Engländer angeritten, „einer der Burschen, denen man nachsagt, dass sie Frankreich auffressen wollen“ (S. 21). Es ist Lord Grenville. Was aber macht ein Engländer mitten im napoleonischen Frankreich?

  • Exkurs: Der Vertrag von Amiens

Er vertreibt sich seine Zeit als Gefangener. 1802 beendeten England und Frankreich den Zweiten Koalitionskrieg mit dem Vertrag von Amiens. In der Folge war Frankreich ein beliebtes Ziel englischer Touristen. So auch Lord Grenville, der in Montpellier zu Kur war.

Doch weder Frankreich noch England unternahmen viel, um den Frieden aufrecht zu erhalten. England beschlagnahmte im Mai 1803 französische Schiffe, und Napoleon nahm alle Engländer gefangen, die sich gerade in Frankreich aufhielten.

Sie konnten ihren Aufenthaltsort wählen, mussten sich aber vom Kaiser in andere Gegenden versetzen lassen, wenn es die Interessen der Kolonialpolitik erforderten. Und so ritt also Lord Grenville in der Touraine herum. Zum Glück für die Handlung immer genau da, wo gerade Julie von Aiglemont war.

Viktors Tante klärt inzwischen Julie über Viktors schwärmerischen Charakter auf. Und schon wieder reitet dieser Engländer unter Julies Fenster umher.

Schnitt. 1814. Das Kaiserreich ist zusammengebrochen. Viktor kann nicht nach Tours kommen und bittet Julie, über Orleans nach Paris zu reisen. Sie reist los. Und hinter ihr: richtig – Lord Grenville. In Orleans wird Julie von Preussen gefangen gehalten. Die Intervention Grenvilles bewirkt, dass sie weiter nach Paris reisen darf. Dort erfährt sie vom Tod von Viktors Tante und ist traurig.

Außerdem bekommt sie eine Tochter – Helene – und entdeckt, dass ihr Mann seit Jahren eine Affäre hat.

Jahre später, 1820, wird Lord Grenville auch in Paris gesichtet. Und eines Tages – Viktor geht für 8 Tage auf eine Jagd – kündigt er sich bei Julie an. Er gesteht seine Liebe zu ihr, will sie samt Kind mitnehmen. Als es zwischen beiden richtig ab geht, kehrt Viktor unerwartet zurück – die Jagd fiel aus. Grenville rettet Julies Ehre, indem er sich auf dem Fenstersims versteckt. Dort holt er sich eine Erkältung und stirbt.

  • An der Mündung der Loing in die Seine

Wir wechseln in die Gegend des Waldes von Fontainebleau. Das ist zwischen Orleans und Paris. Die Seine fließt hier durch und nimmt die Wasser des Flüsschens Loing auf. Zwischen den Ortschaften Moret, Nemours und Montereau liegt das Schlösschen Saint-Lange. Ringsherum Getreidesteppe, „eine Wüste aus Kreide, Mergel und Sand“ (S. 70).
Dort kommt Julie 1820 an. Sie ist einsam und „heftet ihre Blicke auf die flache Gegend, die ein Symbol ihrer Zukunft war.“ (S. 70) Sie spricht lange Zeit mit dem Dorfpfarrer. Dessen Leben ist noch viel trauriger, denn er verlor seine drei Söhne im Krieg.

Mit neuem Mut zieht sie nach Paris, wo sie 1822 – im Alter von 30 Jahren – die Liebe des deutlich jüngeren Charles von Vandenesse gewinnt. Daher auch der Titel des Buches. Die beiden knüpfen immer enger Bande, und auch Charles und Helene verstehen sich auch gut. Dann aber, als es zwischen beiden richtig ab geht, tritt Gatte Viktor ins Zimmer. Er bietet Charles eine Stelle als Botschafter an.

  • An der Mündung der Bièvre in die Seine

Paris. Die Bièvre mündet in der Nähe des Botanischen Gartens in die Seine. Wir sind also im 13 Arrondissement, dem Arrondissement des Gobelins. Helene hat ein kleines Brüderchen, Charles. Beim Spiel stößt sie es mit Absicht in das schlammige Wasser der Bièvre und rächt so ihren Vater.

Dann, eines Abends, klopft es an der Tür. Ein offensichtlich fliehender Mann erscheint aus dem Nichts und bittet um Einlass. Viktor versteckt ihn auf dem Dachboden. Es klopft erneut: Ein Gendarm weist auf einen Mord hin, der in der Nähe geschah. Julie bringt ihre Tochter mit dem Mörder zusammen. Eine Seelenverwandtschaft entsteht. Der Mörder wird des Hauses verwiesen. Helene geht mit ihm. Viktor ist entsetzt. Julie, die Helenes Gründe kennt, ist einverstanden.

Dem dramatischen Verlust der Tochter folgen Viktors Pleite, noch eine zweite Pleite und dann verlässt er das Land Richtung Karibik.

  • Sechs Jahre später

Ein paar französische Kaufleute haben ein Schiff gemietet, das sie von Havanna nach Bordeaux brachte, An Bord: Viktor von Aiglemont, der in der Karibik neuen Reichtum erwarb. Sein Schiff wird vom Schiff eines kolumbischen Korsaren geentert. Der Korsar ist der Mörder von vor sechs Jahren und Viktors Schwiegervater. Helene ist auch auf dem Schiff. Vater und Tochter sprechen sich aus. 1833 hat dann Viktor seine Angelegenheiten geregelt und stirbt.

Bald darauf stirbt auch Helene, die mittlerweile ihre Familie beim Schiffbruch verloren hat, in den Armen ihrer Mutter. Julie bleibt noch eine Tochter, Moine.

Die wird an einen Herzog verheiratet. Der ist dann 6 Monate unterwegs. Moine beginnt eine Affäre mit dem Grafen von Vandenesse jr. (Sohn des Herrn, der die Affäre der Mutter war). Mutter und Tochter verdächtigen sich dann gegenseitig Affären mit Vater und Sohn und Julie stirbt. 1842 war das.

  • Bemerkungen

Der Roman umfasst einen langen Zeitraum von 40 Jahren und überspringt immer mal ein paar Jahre. Das gibt ihm einen episodenhaften Charakter. Er gilt nicht als eines der stärksten Bücher Balzacs. Aber mir erschien er sehr modern, geradezu wie  für einen zapping-affinen Leser geschrieben. Denn gerade der Wechsel zwischen Familiensaga, Krimi und Piratengeschichte, dazu die originelle Variante des Schuld-und Sühne-Themas machen das Buch abwechslungsreich und kurzweilig.

  • P.S.

Die Bievre fließt heute unterirdisch und entwässert in die Pariser Kanalisation. Außerdem erwähnt Balzac den Gobelinfluss, der 3 Kilometer lang war und in der Nähe der Bievre-Mündung floss. Dieser Fluss ist völlig in Vergessenheit geraten und Balzacs Roman eines der ganz wenigen Dokumente, die an ihn erinnern.

Mit Enrico Caruso auf Kuba 1920, „Como un Mensajero Tuyo“ von Mayra Montero

Der große Tenor Enrico Caruso besuchte Kuba vom 5. Mai bis 23. Juni 1920. Er stieg mit viel Gefolge und Reporterauflauf im Hotel Sevilla ab, und gab 10 Konzerte, davon 8 in Havanna. Um die historischen Ereignisse dieser Tournee herum bastelte die Autorin Mayra Montero 1998 den Roman „Como un Mensajero Tuyo“. Deutsch von Sibylle Martin heißt er „Wo Aida Caruso fand“. Das Knaur-TB aus dem Jahr 2000 hat 258 Seiten.

Mayra Montero wurde 1952 in Havanna geboren und lebt seit 1972 auf Puerto Rico.

Hauptfigur des Romans ist die Näherin Aida Cheng. Sie erzählt ihre Geschichte auf dem Sterbebett im Jahre 1950 ihrer Tochter Enriquita. Diese Tochter macht sich nun ihrerseits auf den Weg, um die Beteiligten der Geschichte ausfindig zu machen. So entstehen zwei Erzählperspektiven, die Geschichte der Mutter und die Geschichte, die Enriqueta recherchiert. Jedes Ereignis wird also mindestens zweimal erzählt, und so kommen immer neue Details zum Vorschein.

  • Havanna 


Begeben wir uns also ins Havanna des 13. Juni 1920, ein Sonntag. Die Näherin Aida wohnt in der Calle Armagura Nr. 75 und liefert Ware an ihre Kunden aus, zunächst in der Calle Compostela. Dann ins Hotel Inglaterra. Sie steht gerade in der Hotelküche, als im benachbarten Teatro Nacional eine Bombe explodiert. Ein Mann in Theaterverkleidung (es ist die des Radames) flieht in die Hotelküche. (Das nie aufgeklärte Attentat ist ebenso historisch verbürgt wie die Tatsache, dass Caruso danach unauffindbar war)

Aida erfasst die Situation und bringt den Theatermann im Taxi zu sich nach Hause. Sie kennt weder Caruso noch die Oper Aida. Caruso vermutet hinter dem Anschlag ein Attentat auf ihn. Er wird von der Mafia Neapels seit längerem bedroht. Schnell entscheidet Aida, Caruso zu ihrem Paten Calazan nach Regla zu bringen.

  • Regla

Regla liegt auf der anderen Seite der Bucht von Havanna und ist leicht mit einem Motorboot zu erreichen. Es ist ein Ort, den „niemand freiwillig aufsucht“, ein „Dorf voller Hexer und Heiliger“ (S. 64). Caruso wird mit verschiedenen Kräutern behandelt. Calazan bemerkt, dass Caruso „stirbt“ (nicht wegen der Bombe, sondern kontinuierlich).

Calazan beschließt, „Ebba zu machen“. Das ist ein Ritual der Yoruba, bei dem die Geister befragt und die Heiligen zufrieden gestellt werden sollen. Dazu fahren alle 100 Kilometer nach Osten, nach Matanzas

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  • Matanzas

Mit dem Boot, später gehen sie zu Fuß durch Zuckerrohrfelder und über die Eisenbahnschienen, bis sie in der Bucht von San Joaquin ankommen. Caruso erzählt den Yoruba die Geschichte von Aida nach. Bald danach geraten alle in Trance, es wird getrommelt, ein paar Hühner werden geschlachtet, und auch Caruso ist mittendrin. Im flachen Wasser werden stundenlang noch jede Menge seltsamer Handlungen durchgeführt.

Caruso geht verändert aus dieser Nacht hervor – die einen werden sagen, er sei besessen. Die anderen werden sagen, er sei erkältet. Auf jeden Fall verstärken sich seine Schweißausbrüche. Caruso läßt eine Nachricht ins Hotel Sevilla bringen. Aida zieht mit ihm weiter, im Zug („einem modernen, in denen auch Essen angeboten wird“, S. 129) nach …

  • Santa Clara

Obwohl Caruso verschwunden war, wurde das Konzert in Santa Clara, im Teatro Caridad, nicht abgesagt. Etliche Journalisten haben sich auf den Weg gemacht, weil dort der erste Auftritt Carusos nach dem Attentat zu erleben ist. Am Tag des Konzertes hat Caruso wieder mal Schweißausbrüche und beginnt, Stimmen zu hören.

Zum Konzert aber ist er topfit wie immer. Während des Konzertes geht ein Gewitter über Santa Clara hinweg. Wem der Eintritt zu teuer war, der sass vor dem Theater im Park und hörte Carusos Stimme klar und deutlich. Bereits in der Nacht geht es weiter nach …

  • Cienfuegos

Auf dem Weg nach Cienfuegos – wieder mit der Eisenbahn – fängt Caruso erneut an, zu halluzinieren, diesmal schlimmer als je zuvor. Er denkt, er würde ein Erdbeben erleben (tatsächlich war er 1906 in San Francisco). Fiebergetränkt kommt er an. Aida und er steigen im einzigen guten Hotel der Stadt ab. Hier in Cienfuegos „gerät alles ins Wanken“. Das Leben von 5 Menschen war, als hätten sie alle „dort landen müssen, damit eine gute oder eine schlechte Wahrheit uns aufrüttelte“. (S. 149)

Das sind nicht nur Caruso und Aida, sondern zum Beispiel auch ein Konzertgeiger, der während der Probe einfach aufsteht und stirbt. Caruso erhält wieder Morddrohungen, die er der Mafia zuordnet. Aida plant die nächste Etappe der gemeinsamen Flucht. Sie läßt sich von einem Medizinmann im nahen Palmira beraten. Nach dem Konzert sollen sie mit einem Boot über die Bahia de Jagua fliehen. Es geht mit dem Boot die Küste entlang, bis La Boca und von dort mit dem Auto in das Städtchen Trinidad.

  •  Trinidad

Aida und Caruso verbringen zwei unbeschwerte Tage in Trinidad. Aida wird schwanger. Dann aber werden die beiden überfallen. Aida wird entführt und in einer Höhle liegen gelassen; drei Finger sind zerquetscht. Auch Caruso überlebt schwer verletzt mit gebrochenen Rippen. Sie werden von einem Arzt aus Cienfuegos versorgt, fahren mit dem Zug nach Havanna zurück. Weder Entführung noch Bombe werden aufgeklärt. Egal, denn „es gab nicht nur eine Bombe, sondern viele. All jene, die in jenem Sommer unser Leben veränderten.“ (S. 150)

Zurück in Havanna besteigt Caruso ein Schiff, das ihn nach New York bringt. Von dort fährt er nach Neapel, seiner Heimat. Am 2. August 1921 stirbt er. Manche sagen, er habe sich von der Erkältung in Matanzas nicht erholt, andere meinen von dem Rippenbruch aus Trinidad. Wahrscheinlich aber ist, dass er bereits todkrank auf Kuba ankam. In der Zwischenzeit wurde auch Enriqueta Cheng, Carusos und Aidas Tochter, in Havanna geboren.

In der Zweithandlung hat Aida ihren Frieden gefunden und stirbt.

  • Bemerkungen 

Es ist die Geschichte eines Reiseabenteuers, die Geschichte einer Mutter-Tochter-Erfahrung und die Geschichte einer Frau, die einen Unbekannten durch ein ebenso unbekanntes Land lotst.

Ein paar Kleinigkeiten habe ich zu bemängeln: Aida fehlen 3 Finger. Dass der Leser erst am Ende des Buches, in der Trinidad-Passage, darüber informiert wird, empfinde ich dem Leser gegenüber als dreist. Für eine Näherin sollte das in den 30 Jahren zwischen 1920 und 1950 schonmal ein Thema gewesen sein. Überhaupt wirkt die Perspektive, in der Enriquita die Geschichte ihrer Mutter nacherzählt, teilweise sehr distanziert.
Und die Übersetzung ist schwerfällig (z.B….(Caruso) „verspürt ein Stechen, das ihm das Atmen verunmöglicht hatte“, S. 50).

Trotzdem hat der Roman seine starken Momente, besonders die Matanzas-Passage, die wie eine Verbindung der beiden Kulturen wirkt, oder auch wenn Aida sich nie sicher ist, ob sie einem ortsansässigen Ratgeber vertrauen darf oder nicht. Diese Elemente voller Unsicherheit, Angst, zwischen Fieberträumen und Tropengewittern geben dem Buch eine düstere Stimmung.

Eine sehr schöne private Fansite über Caruso gibt es hier