Karte # 25 Nordsee und # 26 Helgoland bis Hamburg: „Under False Colours“ von Richard Woodman

Heute geht es um einen unterhaltsamen und schnell zu lesenden Historischen Roman. „Under False Colours“ von Richard Woodman ist der 10. Band einer Reihe von Romanen rund um Captain Drinkwater. Er erschien 1991. Ich habe die Übersetzung von U. Minge aus 1998 mit 238 Seiten., Titel „Unter falscher Flagge“.

  • Das Setup

1806 errichtet Frankreich die Kontinentalsperre. Auf diese Weise soll zunächst Handel mit England unterbunden werden. Spätere Verschärfungen verbieten jeden Handel mit Waren, die irgend einen Bezug zu England haben. 1807 verbünden sich Frankreich und Russland im Frieden von Tilsit. Russland tritt der Kontinentalsperre bei. Helgoland wird von England besetzt. Es dient als Umschlagplatz für Waren, die trotzdem aufs Festland geschmuggelt werden sollen und als Stützpunkt für jede Menge Geheimoperationen.

Der Roman spielt im Winter 1809 / 1810 und beginnt in London. Die Hauptfigur ist Captain Drinkwater. Er wird von Lord Dungarth protegiert, von dem er auch vertrauliche Aufträge erhält. In diesem Roman kommen dazu:

  • auf englischer Seite: Captain Littlewood auf der „Gallywasp“, Lt. Quilbury auf dem Kanonenboot „Tracker“, Captain Grisham auf der „Ocean“.
  • auf französischer Seite: Mr. Thiebaut und der „Eiserne Marshall“ Davout.
  • auf ökonomischer Seite: Mr. Solomon in London und Herr Liepmann in Hamburg. Sie handeln mit den Waren, die auf den Schiffen transportiert werden.
  • auf mysteriöser Seite: Madame Hortense Santhonax. Sie wurde von Lord Dungarth bei Carteret gerettet und nach Criel gebracht. Danach hat sie sich in den französischen Offizier Santhonax verliebt und die Seiten gewechselt. Drinkwater hat diesen Franzosen im Gefecht erschossen, wovon sie aber nichts weiß.
  • Die Geschichte

Drinkwater bekommt den Auftrag, eine Ladung Stiefel und Mäntel auf den Frachter „Gallywasp“ zu verladen. Das Schiff soll dann nach Riga fahren und die Ladung dort löschen. Gleichzeitig wird auf verschiedenen Kanälen die Information gestreut, dass Russland mit England Handel treibt und so die Kontinentalsperre unterläuft. Sinn des Ganzen: Frankreichs Vertrauen in Russland als Bündnispartner soll untergraben werden.

Die „Gallywasp“ fährt von London ab, muss vor Gravesend einem Ostindienfahrer ausweichen und beobachtet bei Tilbury einen Milan. Dann geht es nach Norden bis Orfordness. Dort vereinigen sie sich mit der „Tracker“. Ab Whitby sollen sie nach Nordosten Richtung Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks, fahren. Ungünstige Winde und ein heftiger Sturm treiben die „Gallywasp“ nach Helgoland ab, die „Tracker“ geht verloren.

Auf Helgoland wird die Mannschaft zwangsweise einquartiert. Nach einigen Monaten bekommt Drinkwater einen geänderten Auftrag. Die Ostsee ist nun zugefroren. Deswegen soll die „Galliwasp“ bis Hamburg fahren und die Ladung dort verkaufen, das ganze in Begleitung des Frachters „Ocean“ unter Captain Gilham. Wegen der Kontinentalsperre werden die Schiffe mit der amerikanischen Flagge beflaggt.

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  • Das Abenteuer Hamburg

Die Schiffe fahren über Neuwerk, an Cuxhaven, Altenbruch und Otterndorf vorbei bis Brunsbüttel. Ein französischer Offizier, Thiebaut, übernimmt die Kontrolle und befiehlt die Fahrt nach Hamburg. Dort werden Drinkwater und Gilham von Thiebault als Geisel genommen. Thiebaut weiß um den Handel mit England und will weitere Schiffe abwarten, denen er Waffen und Zucker abkaufen kann.

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Im Januar 1810 ändern sich die Verhältnisse in Hamburg. Davout, der „Eiserne Marshall“ übernimmt das Regiment. Er läßt Drinkwater zum Verhör kommen, was zunächst harmlos verläuft. Dann wird Hortense vorgeführt. Sie ist nun die Geliebte Talleyrands, Drinkwater hat Angst, dass sie ihn verraten wird. Die beiden wechseln kein Wort miteinander. Als nächstes müssen Drinkwater und Gilham der Erschießung eines Zuckerschmugglers beiwohnen. Dann geht es weiter in ein Lazarett nach Altona, in dem ein spanischer Arzt arbeitet. Dort treffen sie auf Überlebende der „Tracker“ und beschließen die gemeinsame Flucht.

Der Spanier informiert Liepmann, der die Flucht unterstützt und zwei Fluchtboote stellt. In der fraglichen Nacht fliehen die Jungs der „Tracker“ aus dem Hospital. Drinkwater geht zu Liepmann und in seinem Haus trifft er – Hortense. Drinkwater ist entsetzt, denn er befürchtet immer noch, dass Hortense ihn verraten könnte. Sie aber hat andere Pläne und übereicht Drinkwater Papiere für Lord Dungarth. Drinkwater flieht am nächsten Tag unter Liepmanns Schutz. Am Ufer trifft er auf den spanischen Arzt und Lt. Quilhampton. Der Arzt musste Quilhampton kurz zuvor wundbrandbedingt einen Armstumpf weiter verkürzen. Sie nehmen sich eines von Liepmanns Booten und rudern die Elbe abwärts.

Eisschollen erschweren das ganze ebenso wie der Beschuss durch französische Soldaten. Beste Szene: Die Einschusslöcher des Fluchtbootes kann Drinkwater mit einer Hartwurst verschließen. Sie schaffen es bis Scharhörn. Dort werden sie von einen englischen Schiff entdeckt.

  • Was weiter geschah

Hortense stirbt bei dem – historisch verbürgten – Brand der habsburgischen Botschaft in Paris am 1. Juli 1810. Russland scheidet Ende 1810 aus der Kontinentalsperre aus. Frankreich antwortet mit Krieg. Manipulationen des Getreidepreises machen „Vater Goriot“ reich. Die Romanserie um Captain Drinkwater geht weiter und umfasst am Ende 14 Bände.

  • Bemerkungen

Es handelt sich um einen gradlinig geschriebenen Abenteuerroman. Dennoch ist er schwer zu lesen. Das liegt daran, dass sehr viel seemännisches Fachvokabular verwendet wird. Da streicht eine Landratte wie ich schnell mal die Segel.

Bitte schreibt mir eure Meinung zu dem neuen Kartenformat. Stepmap bietet große Vorteile bei überregionalen Karten, weil man die Karten individuell beschriften kann. In 9 von 10 Fällen ist das gut, aber es gibt Ausnahmen, wo ich auf Google-Maps zurückgreifen mag. Außerdem ist die stepmap-Karte fixiert. Bei Google kann man auf „view larger map“ klicken und so mit der Karte spielen. Bei Stadtplankarten von Stepmap kann man leider den einmal gewählten Bildausschnitt nicht mehr ändern. Deswegen entscheide ich von Fall zu fall, wo ich die Karte erstelle.

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Von Wien mit dem Zug nach Gmünd und im Auto bis Ratten (Steiermark)

Cover Flucht aus der AngstIn dem Roman „Flucht aus der Angst“ von A.J. Cronin wird auf 219 Seiten in Österreich umanand gefahren.

Die Geschichte spielt im Dezember 1950. Austria est omnis divisa in partes quattuor, eben die vier Besatzungszonen. Bryant Harker ist in Wien der Geschäftsleiter eines amerikanischen Ingenieurunternehmens. Er hat gerade die Ausschreibung für den Bau einer Brücke vergeigt und benötigt für einen anderen Auftrag eine Menge Bauholz. In Wien gibt’s keins, also muss er in die sowjetische Besatzungszone nach Gmünd. Zuvor trifft er noch einen alten Bekannten, Arnold Thulemahler. Thulemahler erzählt von seiner Jugendliebe Magdalena Durych, die ebenfalls in Gmünd gestrandet sein soll. Er gibt Harker ein Foto von ihr mit. Auf der Zugfahrt nach Gmünd wird Harker von zwei sowjetischen Agenten befragt, wobei ihm in einem Augenblick der Unachtsamkeit das Foto von Magdalena aus der Tasche fällt. In Gmünd erfährt er von dem Nachtklub „Atlantis“, in dem Durych auftreten soll. Sie nennt sich Madeleine, singt und assistiert dem Hellseher Gustav. Nach einem Auftritt bittet Harker sie an seinen Tisch. Kurz danach steht sie ängstlich auf, nachdem sie den blinden Geheimdienstchef Kyrov und zwei seiner Agenten – die Harker aus dem Zugabteil kennt – gesehen hat.

Madeleine versäumt einen Auftritt. Voller Sorge geht Harker zusammen mit Gustav zu ihrer Wohnung. Sie liegt dort gefesselt, sie und Gustav gestehen Harker, amerikanische Spione zu sein. Harker beschließt, ihnen zur Flucht zu verhelfen, besorgt einen alten Opel – es gibt in der sowjetischen Besatzungszone keine Autovermietungen – und plant die Route: Von Gmünd durch den „Gmeiner Wald“, bei Melk über die Donau, weiter nach Aspang und von dort über die Grenze in den britischen Sektor. Kurz vor Beginn der Flucht entdecken sie Gustav ermordet in seiner Garderobe. Sie brausen los. In Aspang übernachten sie und werden am nächsten Morgen von den beiden schon bekannten Agenten überrascht. Nach einem Handgemenge gelingt Harker und Madeleine die Flucht mit dem Dienstwagen der Agenten. Der Grenzübertritt scheitert, und sie fliehen auf Bergstrecken weiter. Sie schütteln ihre Verfolger ab, verlassen das Auto und fliehen zu Fuß über die Fischbacher Alpen nach Mahlstorf, wo sie übernachten. Während dieser Flucht ist Madeleine schwer gestürzt. Sie suchen einen Arzt in Mahlstorf auf. Harker zwingt ihn mit vorgehaltener Pistole (die hat er aus dem Agentendienstwagen) ins Krankenhaus nach Ratten im britischen Sektor zu fahren. Doch auch der Grenzübertritt mit dem Krankenwagen mißlingt. Schließlich landen sie in Hofheim, wo ein Fest zu Ehren der Heiligen Borna statt findet. Eine Prozession aus einem Dorf aus dem britischen Sektor erklärt sich bereit, Madeleine als Prozessionspuppe zu verkleiden. Auf diese Weise gelingt die Flucht.

Aus geographischer Sicht ist das Buch unschön: Hofheim und Mahlstorf existieren in Wirklichkeit ebenso wenig  (habe zumindest in keinem Atlas was gefunden) wie die Heilige Bora. Hatte das Dörfchen Ratten tatsächlich ein großes Krankenhaus? Die Fischbacher Alpen liegen im damals britischen Sektor. Außerdem spielt die Handlung im Winter. Das sollte erzählerisch zu weit größeren Komplikationen führen. Die Kälte spielt nur einmal bei der Flucht zu Fuß über die Berge eine Rolle, als sich Harker und Madeleine mal kurz die Erfrierungen aus den Zehen rubbeln. Und die Straßen sind 1950 absolut winterfest. Außerdem sind die Motive des Ingenieurs unklar. Er ist zwar in einer beruflichen Krise und bekennt zu Beginn auch seine Naivität gegenüber der Besatzung, aber sich in einem fremden Land so unverhofft in ein Abenteuer zu stürzen, wirkt unmotiviert. Und dann das Happy-End: Harker macht Madeleine einen Heiratsantrag, aber was ist mit der Holzlieferung? Kommt sie an? Wird er gefeuert, versetzt oder befördert?

Leider sind die Figuren und das Buch zu eindimensional erzählt, und ich habe nicht den Eindruck, dass der Autor sich mit Österreich beschäftigt hat.