Ein Hausbootkrimi – M.M. Kaye „Death in Kashmir“

 

  • Der Anfang

Janet und Sarah, zwei junge Engländerinnen befinden sich auf einer Skifreizeit. Sie sitzen in einer eingeschneiten Hütte und unterhalten sich übers Skifahren, den Schnee und ihre Jobs. Das klingt recht harmlos, wäre da nicht der Anlass für das Gespräch: Sara sah und verjagte eine dunkle Gestalt, die vor Janets Hütte stand. Und der Job: Beide sind beim britischen Geheimdienst beschäftigt. Und die 3 Todesfälle, über die Janet berichtet: Ihre Auftraggeberin Mrs Matthews, eine hochrangige Agentin; ein Bote des Geheimdienstes, der auf dem Weg zur Skihütte aus dem Zug fiel; und der Ersatzbote, der von einem Jagdausflug nicht zurück kehrte.

Einige Tage später ist auch Janet tot, sie kehrte von einem Skiausflug nicht mehr zurück. Die Behörden lassen es wie Unfälle aussehen, doch an einigen Details wird Sarah schnell klar, dass es sich um Morde handelte.

  • Das Buch

So jagt der Leser durch die ersten 100 Seiten des Buches „Death in Kashmir“ von M.M.Kaye. Die deutsche Übersetzung von Ursula Kupsch-Langhein trägt den Titel „Vollmond über Kaschmir“. Damit gibt sie zwar den Titel des Originals nicht gerade sinnvoll wieder, die Übersetzung ist aber an manchen Textstellen nicht ohne Humor. Ort der Handlung bis dahin: ein bei Engländern beliebtes Skigebiet in Kaschmir. Eine Reisegruppe verlebt dort einige Tage, es ist die letzte Skifreizeit des Skiclubs. Am folgenden Sommer werden sich die Engländer als Kolonialmacht zurück ziehen. Wir sind also im Jahr 1946.

Nach diesen 100 Seiten weiß der Leser, dass Sarah – qua Ableben aller anderen wichtig erscheinenden Figuren – die Hautperson des Roman ist. Und um zur Ruhe zu kommen, fährt die ganze Reisegruppe ins Tal nach Rawalpindi. Dort verlebt Sarah erstmal einige schöne Monate in der englischen Gesellschaft, bis es im Mai wieder zurück geht, nach Srinagar.

  • Srinagar

Die politische Situation Kaschmirs ist geprägt von den englischen Kolonialherren. Es gehört nicht zum Vizekönigreich Indien, es wird von einem Maharadscha regiert

Überhaupt: Srinagar. Dieses „merkwürdige Konglomerat aus altem und neuem Indien“,  am und über dem Fluss Jelhum gelegen, beschirmt von einem gekrümmten Ausläufer der Berge und in der Nähe einer herrlichen Seenkette. Der Fluss, der bis dahin durch die engen Gebirgsschluchten tobte, verbreiterte sich hier zu einem sanften Strom, der … von Weiden und Chenarbäumen umsäumt, heiter dahinfloss (S. 140).

Hier sucht Sarah das Hausboot, das die ermordete Janet gemietet hatte. Es heißt „Waterwitch“. Sie findet es in Chota Nagin, einem kleine Nebensee des großen Dal Lake. Hausboote sind hier überhaupt eine übliche Form der Unterkunft. Sarah hat Janets – bereits bezahlten – Pachtvertrag in Händen, so dass es für sie kein Problem ist, das Boot zu übernehmen.

  • Das Hausboot

Damit jedoch beginnen die Verwicklungen. Andere Briten in Srinagar beginnen, Sarah auszufragen, und die gute Sarah weiß irgendwann nicht mehr, wo ihr der Kopf steht, wem gab sie welche Antworten, welche davon brachten sie selbst in Gefahr, und wem darf sie trauen. Immerhin sind da noch 4 unaufgeklärte Morde. Und so kann Sarah die potentielle Bedrohlichkeit der Situation nicht jederzeit ausblenden. Vor allen Dingen dann nicht, wenn das Hausboot knarzt, sie Schritte zu hören glaubt, oder es ganz allgemein Nacht ist. Oder Sturm.

Das ist das eigentlich spannende an dem Buch: Die enge Atmosphäre auf der Waterwitch. Auf einem Hausboot ist es niemals völlig still.

Aber welche Geräusche kommen von den Wellen, welche verursacht ein Sturm, welche Sarahs Hund und welche ein möglicher Einbrecher? Und dann ist manchmal schon jemand auf dem Boot, ein einheimischer Diener, oder Henry. Der wird nämlich zu Sarahs Vertrautem. Und mit ihm gleicht sie die Geschichten ab, die sie erzählte. Mit ihm geht sie auf eine Party.