Ein enttäuschender Esoterik-Trip: „Mondfels“ von Anne Sievers

  • Das Buch

Der Roman „Mondfels“ erschien 1994. Die Autorin Anne Sievers heißt eigentlich Eva Völler; Anne Sievers ist eines ihrer vielen Pseudonyme. Ich habe das TB 324 Seiten. Auf das Buch wurde ich durch den Rückseitentext aufmerksam. Es dreht sich um eine Geschichte, die zwischen München und New York wechselt. Das klang spannend, und so war am Ende meine Enttäuschung über das Buch umso größer.

  • In einem Satz

Eine junge Frau mit übersinnlichen Anwandlungen klärt den Mord an ihrem Bruder auf.

  • Die Personen

Verschwunden: Paddy Donner (heißt eigentlich Patrick). Er ist Journalist und kommt von einem Aufenthalt in New York nicht zurück.

Noch da: Paddys Schwester Penny, die eigentlich Penelope heißt. Penny verdient ihr Geld als Model. Sie hat knallrote Haare und ist als Model für Zähne weltweit gefragt. Außerdem hat sie keine Wohnung in München, sondern wohnt bei ihrem Bruder.

Wieder da: Paddys bester Freund Ben Röder. Ben ist groß und dick und verlor bei einem Autounfall Frau, Mutter und Kind. Seither kann er seinen Beruf als Polizist nicht mehr ausüben und gründete eine Detektei, die aber noch auf der Suche nach dem ersten Kunden ist.

  • Der Beginn

Penny kam von einem Shooting in Kalifornien zurück in Paddys Wohnung und stellte fest, dass ihr Bruder verschwunden ist. Ben kam auch in Paddys Wohnung, zufällig zur gleichen Zeit, weil er auch über Paddy besorgt ist. Penny und Ben beraten, wie sie Paddys Verschwinden aufklären können. Dazu fahren sie zu Bens Vater, wo sie erstmal ihre Geschichten der letzten Jahre austauschen. Penny wußte das mit Bens Unfall nicht (obwohl ihr Bruder Bens bester Freund ist). Zum Gespräch gibt es Steaks, Bier und später übernachtet Penny im Gästezimmer.

Bevor sich der Leser der Langeweile ergibt, schläft Penny ein und hat eine Art Wachtraum von einem Ritual. Ben hört sie schreien, weckt und schüttelt sie. Ben und der Leser ahnen, dass da irgendwas Zwielichtiges dräut.

  • Was tun?

Erste Frage von Penny und Ben: Woran arbeitete Paddy zuletzt? Die Spur führt in eine Bibliothek, wo die Angestellte Annette Ben flirtfreudig Auskunft gibt. Die ausgeliehenen Bücher lassen auf eine Recherche über Schwarze Messen schließen. Von Annette erfahren sie auch von einem Esoterik-Laden vor den Toren Münchens. Und Annette trägt im Schlaumeiermodus noch ein bisschen was über Schwarze Messen vor. Sie fahren dorthin und erfahren einiges über die Wicca. (referatsmäßig vorgetragen von der Besitzerin des Esoterik-Ladens). Und Penny kauft den „Hexenhammer“.

Zwischendurch hat Penny immer mal wieder so eine Art Wachtraum.

Später findet die Haushälterin von Bens Vater Penny weinend auf dem Boden liegen. Eine Passage aus dem „Hexenhammer“ fand sie derart grausam, dass sie zusammen brach. Außerdem träumt sie mal wieder, diesmal dass ihr Bruder tot sei.

Im Esoterik-Laden werden die beiden zu einer nächtlichen Veranstaltung eingeladen, dem Alraunen-Ziehen. Kostet 300 Mark pro Person. Dabei zottelt ein schwarzer Hund eine Wurzel aus dem Erdreich (die für solche Veranstaltungen vorher dort vergraben wird). Außerdem fällt Penny und Ben ein, dass Paddy in der Nacht zum 1. Mai verschwand, der Hexennacht also (wenn man jemanden vermisst, dann fragt man sich sowas früher, denkt der Leser hier).

Inzwischen darf Annette, die Bibliotheksangestellte im Schlaumeiermodus, nochmal ran: Wenn das Verschwinden etwas mit der Esoterik-Sekte zu tun habe, dann fand ein eventuelles Verbrechen auf keinen Fall in einer der bekannten Locations (die heißen in diesem Milieu „Kraftorte“) statt. Das wäre zu offensichtlich. Anette zählt also die Orte auf, an die auf keinen Fall einen Bezug zur Handlung haben. Diese Locations findet der Leser hier:

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  • Übersinnliches

Die Teilnehmer fahren im Konvoi zu der Stelle, wo das Alraunenziehen statt findet. Der erforderliche schwarze Hund ist in Gestalt eines blinden Pudels dabei. Vom Parkplatz aus verdrücken sich Ben und Penny ins Gebüsch und haben Sex. Als sie zum Wagen zurück kehren, steht nur noch das Auto der Esoladenbesitzerin da. Penny und Ben machen sich schließlich auf die Suche nach der Frau. Sie finden sie inmitten einer Art Schwarzer Messe. Heißt: zwei nackte Albinos tanzen im Wald rum und machen komische Geräusche.

Penny und Ben werden entdeckt und fliehen. Der schwarze Hund (also der blinde Pudel) holt die beiden ein und verbeißt sich in Bens Wade. Dann suchen sie noch eine zeitlang den Autoschlüssel. Schlußendlich aber  gelingt die Flucht. Die Autorin erwähnt ausdrücklich, dass die beiden ihre Flucht mit 60 Metern Vorsprung beginnen. Mit Wadenbeißerpudel und kurzzeitig verlegtem Autoschlüssel bei 60 Metern Vorsprung ist diese Flucht wohl die einzige echte übernatürliche Angelegenheit im ganzen Buch.

Rückfahrt. Nächster Morgen. Ben muss sich um einen Klienten kümmern (Ja, tatsächlich will jemand Tipps zur Sicherung seines Anwesens haben, bezahlt, und hat sonst mit der Geschichte nichts zu tun)

Nun wird Annette ermordet, später auch Paddys Freundin Uschi. Sie konnte kurz zuvor Ben noch erzählen, dass Paddy eine Reise nach Cornwall buchte. Und dort wohl auch hinfuhr.

Derweil sitzt Penny bei Bens Vater und spielt mit ihm und seiner Haushälterin Memory. Der Mörder von Annette und Uschi taucht auch hier auf. Penny handelt mit ihm aus, dass sie mit kommt, sofern den beiden anderen nichts getan wird. Bens Vater und die Haushälterin werden von Ben auch gleich darauf entdeckt. Nur Penny ist verschwunden.

In der Zwischenzeit ist das Buch richtig spannend geworden. Am Schluss werden alle gerettet und die Sektenmitglieder wegen diverser Morde festgenommen.

  • Bemerkungen

positiv: Das Buch mutiert auf den letzten 50 Seiten zu einem spannenden Thriller.

negativ: Die Autorin lässt kein Klischee aus, und sie ist beim Aufbau der Geschichte sehr unaufmerksam. Einige Zusammenhänge sind erklärungsbedürfitg, werden jedoch nicht schlüssig erklärt. (Penny erfährt erst jetzt vom Schicksal des besten Freundes ihres Bruders, Penny fällt erst nach Tagen ein, wann sie das letzte Lebenszeichen von ihrem Bruder bekam; Penny sieht ihrem Bruder wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich und fällt im Eso-Laden und der Bibliothek sofort als Paddys Schwester auf, was erst am Ende thematisiert wird). All das sind Dinge, die den Handlungsablauf nicht glaubwürdig machen.

Und die Handlung spielt entgegen meiner Erwartung ausschließlich in München, alle anderen handlungsrelevanten Orte werden dem Leser ausschließlich in Berichten erläutert.

Enttäuschend.

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