Mit römischen Soldaten nach Schottland: Rosemary Sutcliff’s „Eagle of the Ninth“

s geht um den historischen Roman „The Eagle of the Ninth“. Die Autorin Rosemary Sutcliff schrieb ihn 1957. Die deutsche Übersetzung von Ilse Wodtke als dtv-TB von 1971 hat 236 Seiten und den Titel „Der Adler der neunten Legion“.

Wie immer, wenn römische Legionen eine Hauptrolle spielen, geht es um das Erobern von Räumen, das Marschieren durch Räume und eine Landschaft, die diesem Marschieren zu dienen hat. Denn: „Ihr habt feste Steinwälle gebaut, ihr habt gerade Straßen geschaffen“(S.77).

  • Die Geschichte

Marcus – ein römischer Zenturio lässt sich von Ägypten nach Britannien versetzen. Er tritt seinen Dienst in der Garnison Isca Dumnoniorum an. Nach einigen Tagen wird das Lager von Briten angegriffen. Marcus kann die Verteidigung erfolgreich organisieren, wird jedoch verwundet. Um sich zu kurieren, darf er zu seinem Onkel nach Calleva Atrebatum (Silchester).

Marcus besucht die Arena. Nach den Gladiatorenkämpfen kauft er einen Kämpfer und nimmt ihn sich als Sklaven. Er heißt Esca und ist billig, denn er hat gerade einen Kampf verloren. (niemand zahlt viel Geld für einen Besiegten).

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Nachdem der Sklave Esca Vertrauen gefasst hat, erzählt er, wie er eine römische Legion beobachtete, die nach Norden marschierte. Man erzählt sich, dass diese Legion nie zurück gekehrt sei. Es war die Legion, die Marcus‘ Vater anführte. Marcus will herausfinden, was mit der Legion geschah und den „Adler“ finden. Das war eine Figur aus Silber, das Wappen der Legion.

Marcus hat einen Plan: Er wird sich als Augenheiler verkleiden, nach Norden ziehen, und die Spuren der verschwundenen Legion finden. Esca wird als sein Gehilfe mitkommen. Zwar versteht Marcus nichts von Augenheilkunde, aber das hat er mit den meisten umherziehenden Augenheilern gemeinsam. Ein Feldarzt erzählt Marcus noch ein paar Dinge über Krankheiten und Salben, und dann geht es los. Und weil es „viele Fälle von Sumpf-Augenkrankheit“ gibt (S.117), ist der Heilerpass sowas wie Passierschein nach Überall hin.

  •  Über die Grenze

Schnitt: Marcus und Esca kommen am Hadrianswall an. Dort herrscht wenig Grenzverkehr, nur ab und an ein paar Jäger. Bald sind die beiden in der ehemaligen Provinz Valentia unterwegs. Sie begegnen einem Jäger, der ein wenig Latein kann und Soldatenlieder singt. Sie bleiben bei ihm, gewinnen sein Vertrauen. Dann erzählt Guern – so heißt der Jäger – die Geschichte der verschwundenen Legion. Er war selbst Soldat in der Legion.

Trajan zog immer mehr Soldaten aus Britannien für andere Feldzüge ab. Eine verkleinerte Legion wurde nach Valentia geschickt, um die Stämme dort zu unterwerfen. Doch die ließen sich nicht unterwerfen, und sie zermürbten die Römer mit nächtlichen Attacken. Dann starb Kaiser Trajan, und die halbe Legion meuterte. Nun gab es kein Zurück mehr, denn der Senat hätte sie zum „Dezimieren“ verurteilt (dabei wird aus einem Helm ein Los gezogen, dessen Namensträger getötet wird). Die restlichen Legionäre floh durch das schottische Tiefland nach Trimontium. Guern konnte sehen, wie die Fliehenden den Adler bei sich trugen.

Wenig später sah Guern, wie Ebonier den Adler zurück brachten, ohne römische Soldaten. Die zentrale Frage: „Wo ist der Adler jetzt?“. Zur Antwort streckt Guern die Hand aus und zeigt nach Nordwesten.

Marcus und Esca ziehen los.

Sie hören den „wilden, süßen Ruf des Regenpfeifers“ (S. 139), es duftet nach Sumpfmyrte. Eines Tages, an einem „Abend in den Farben einer Taubenbrust“ (S. 141) stehen sie am westlichen Meer, sehen viele kleine Inseln in der See schwimmen, und einige Schiffe aus Irland davor. Im Norden „lastete hoch aufragend Cruchan, düster, in Schatten gehüllt, von Nebeln gekrönt, Cruachan, die Nabe der Welt“. (S. 141)

  •  Am Cruachan

Marcus und Esca ziehen weiter an den nördlichen Wall (den Antoninuswall). Er trennt Valentia von Kaledonien. Dort, im Land der Fjorde und der „abfallenden Wälder (S.161)“ machen sie eine andere Erfahrung: Sie werden von den misstrauischen Einheimischen gastfreundlich behandelt und nehmen an einer Zeremonie teil. Unter einem Hünengrab führen einige Priester einen Totem-Tanz auf. Der oberste Priester trägt Schmuck, der von den Abzeichen einer römischen Legion stammt.

Also – so schaurig es ist – heißt es für Marcus und Esca: Dranbleiben. Nachts dringen sie in das Hünengrab ein. Das Innenleben ist eine Ritualstätte. Sie entdecken den silbernen Adler und nehmen ihn mit. Auf dem Rückweg versteckt Esca den Adler in einem See (vermutlich der Loch Awe). Schnell werden die beiden von Dorfbewohnern mit ihren Hunden eingeholt und des Diebstahls bezichtigt. Priester haben den Verlust des Adlers bemerkt. Nach einer langen Durchsuchung ihrer Sachen dürfen sie weiter ziehen. Tage später kehrt er zurück, um ihn zu holen. Dabei verliert er eine Mantelspange am Ufer.

Sturm zieht auf. Die beiden müssen zum Hadrianswall fliehen. Dabei hilft Guern der Jäger, der aus dem ersten Teil der Geschichte bereits bekannt ist. Er führt sie durch Valentia. Dann zeigt er ihnen einen sicheren Weg zum Wall, und der Nebel trennt die beiden schließlich vom zurück bleibenden Guern. Tagsüber verstecken sich Marcus und Esca. Sobald es dunkel wird jagen sie in wilden Ritten durch die Nacht. Schließlich kommen sie in Borcovicus an und berichten dem Kommandeur von ihrer Beute, dem Adler.

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Sie reiten nach Hause nach Calleva. Dort vergraben sie den Adler unter dem Haus von Marcus‘ Onkel. Die neunte Legion ist jedoch kaum eine Erinnerung wert.

  •  Bemerkungen

Das Buch ist als Jugendbuch kategorisiert. Nun gut. Es ist eine gradlinig und professionell herunter geschriebene Geschichte. Die Wildnis des schottischen Hochlandes wird als Gegensatz zu der Gradlinigkeit römischer Straßen geschildert, ebenso wie die Wildheit der Stämme gegen die römische Disziplin steht. Die Handlung wechselt von einem Teil, in dem der Held seine Rolle in der Geschichte finden muss, über einen spannenden zu einem schaurigen Teil. Dem folgt schnell eine Jagd, als halb Schottland hinter den beiden Helden her ist. Die Figuren bleiben oberflächlich. Die interessanteste Figur ist der Jäger Guern, der sich mit Fragen der Loyalität auseinander setzen musste.

Calleva in der Nähe von Silchester ist heute eine der bedeutendsten römischen Ausgrabungsstätten, weil es nie wieder überbaut wurde.

Doch bleibt eine Frage unbeantwortet: Wie verläuft „ein Abend in den Farben einer Taubenbrust“?

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12 Gedanken zu “Mit römischen Soldaten nach Schottland: Rosemary Sutcliff’s „Eagle of the Ninth“

  1. Das Buch hatte ich vor Jahren gelesen und das gern, denn ich bin kein Junge und mochte darum den phantasievollen Umgang mit farbigen Adjektiven, die aus einer militärisch hinterlegten Abenteuergeschichte einen echten Roman machen. Zu einem gelungenen Roman gehört für mich das Ansprechen und Einbeziehen der Sinne.

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  2. „Der Adler der 9. Legion“ kenne ich nur als Film. Der mich sehr bewegt. Unter anderem auch weil die Dudelsäcke von einem Bekannten gespielt werden, dessen Schüler mein Lehrer war. ☺️

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  3. War auch eins meiner Lieblingsbücher, so wie „Ich zog mit Hannibal“ von Hans Baumann (auch dtv junior). Mit den Römern lohnt’s, sich zu beschäftigen, weil in Deutschland gerade solche Gelüste wieder erwachen, in der Weltgeschichte große Rollen zu spielen. Ich schwärmte mal von den Spuren der Römer am Niederrhein, worauf mein Vater grimmig knurrte: „Ach hör‘ mir auf mit den Römern. Das waren auch nur so blutige Eroberer.“
    Ah, die schottische Heide: da gibt’s starke Momente im Spionagethriller 39 Steps von John Buchan und in meinem geliebten Robert Louis Stevenson, Kidnapped. Mich hat auch „Glencoe“ von John Prebble beeindruckt. Das ist weiter nördlich. Es geht da um die Wallaces und Campbells. Düstere Geschichte. Culloden steht noch zum Lesen aus. Da wird’s auch wenig friedlich hergehn, schätze ich mal.
    Ich stöbere gern in The Penguin Historical Atlas of Ancient Rome, von Chris Scarre, herum. Dazu hat mir dieser Beitrag mal wieder richtig Lust gemacht.

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