USA 1916 – Entwurzelt zwischen Frauen und Seilen – „Champion“ von Ring Lardner

Champion1949film

(Quelle Filmplakat: wikipedia) Eine Kurzgeschichte aus der vor einigen Wochen bereits besprochenen Box-Anthologie hat es mir besonders angetan, auch weil sie eindrucksvoll verfilmt wurde. Im Original heißt der Film „Champion“ und hat einen anderen Schluss als die literarische Vorlage. Außerdem wurde die Handlung in andere Städte der USA verlegt. Der deutsche Titel lautet „Zwischen Frauen und Seilen“. Es war 1949 die erste große Rolle von Kirk Douglas.

Literarische Vorlage ist die Kurzgeschichte „Champion“ aus dem Jahr 1916. Verfasst wurde sie von Ring Lardner. Lardner (1885 – 1933) war amerikanischer Sportreporter, dessen Reportagen und sportbezogene Geschichten in den USA erfolgreich waren.

  • Die Geschichte

Midge kommt aus üblen Verhältnissen in Milwaukee. Er beschafft sich ein wenig Geld, indem er seinen verkrüppelten Bruder ausraubt.  Bald darauf wird er Profiboxer. Für seinen ersten Kampf bekommt er 12 Dollar. Dafür darf er Fallobst vermöbeln. Für weitere 75 Dollar darf er im Laufe seiner beginnenden Karriere absichtlich verlieren. Bald heiratet er die Schwester seines Managers, verprügelt sie in der Hochzeitsnacht und verschwindet schließlich nach New Orleans.

Dort hat er einen neuen Manager an Land gezogen, und auch eine teure Geliebte. Außerdem trainiert er sechs Monate lang für einen Meisterschaftskampf, den er gewinnt. Um sich nun weiter Geld zu verdienen, zieht er nach Chicago, wo er in Varietees auftritt und weiter nach Detroit. Seine Geliebte überredet ihn dazu, seinen Manager zu feuern und einen neuen zu engagieren. Sie erhofft sich von ihm mehr Geld. Also feuert Midge seinen Manager und engagiert einen neuen, der mehr Geld einbringt.

Champion von Ring Lardner
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StepMap Champion von Ring Lardner



Bald darauf nimmt die Geschichte eine neue Wendung: Midge verlässt seine Geliebte und brennt mit der Frau des neuen Managers durch. Er heiratet sie ebenfalls. Das Geld für die Scheidung von seiner ersten Frau – die immer noch in Milwaukee sitzt – spart er sich, weil von der Ehe niemand etwas weiß.

Logischerweise benötigt Midge jetzt wieder einen neuen Manager. Und der macht seinen Job richtig gut. Er bringt Midge nach New York. Vor einem großen Kampf kommt ein Journalist ins Camp. Der Manager tischt dem Journalisten die Geschichte eines fürsorglichen Familienvaters auf. Der habe seine Familie irgendwo in Kanada und möchte möglichst schnell immer wieder zu ihr zurück. Ein Zeitungsartikel erscheint. Migdes Frau in Milwaukee und auch Midges Mutter können sich keine Zeitung leisten, Midges andere Frau erfährt davon nichts.

Midge ist Champion. Keine Redaktion würde sich jetzt für die Wahrheit interessieren.

  • Bemerkungen

Es ist die Geschichte, die von den übelsten Abgründen handelt. Und davon, wie eine gescheiterte Existenz sich mit viel Egoismus und der Hilfe geschäftstüchtiger Leute zu einem erfolgreichen Mann aufbauen lässt. Midge ist heimatlos, weder menschlich noch regional  verwurzelt, und man ahnt, dass er wieder scheitern wird.

  • Oscars

„Champion“ bekam 1950 einen Oscar für den besten Schnitt. Kirk Douglas erhielt seine erste Oscar-Nominierung. Zwei weitere folgten, einen Oscar bekam er nie. Noch übler traf es Arthur Kennedy. Es war seine erste von vier erfolglosen Nominierungen als supporting actor. Dimitri Tiomkin hatte bereits fünf erfolglose Nominierungen, bevor er mit „Champion“ zu seiner sechsten – ebenfalls erfolglosen – kam. Zwei Jahre später räumte er mit „High Noon“ ab. Ring Lardners Sohn steuerte später die Drehbücher von Cincinnati Kid und MASH bei.

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3 Gedanken zu “USA 1916 – Entwurzelt zwischen Frauen und Seilen – „Champion“ von Ring Lardner

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