Karte # 24: Wales / Cadair Idriss – „The Long Walk Home“ von Will North

Im Snowdonia Nationalpark im Norden Wales kann man gut wandern. Das wichtigste Bergmassiv ist der Cadair Idriss. Am seinem Fuße liegt die Kleinstadt Dolgellau, die der Anlaufpunkt für viele Touristen ist. Saison ist etwa Juni bis September. In dieser Gegend spielt der Roman „The Long Walk Home“ von Will North, und zwar im April 1999. Ich habe die deutsche Ausgabe „Am Ende des Weges“ als Heyne-TB aus dem Jahr 2009 mit 384 Seiten

  • Geografie Teil 1 (Cadair Idriss) – blaue Markierungen

Cadair Idriss ist ein Bergmassiv mit 5 Gipfeln. Von Norden aus führt der Pony Path und der Fox Path zum Gipfel, von Süden aus der Minfford-Path. Mit ihm beginnt die Geschichte. Die Hauptfigur Alec nimmt den Bus ab Dolgellau über die A 470 nach Süden, am Straßenrand wechseln Dorfgärten, Blumenwiesen und Steinmauern ab. An der Kreuzung zur A 487 steht ein einsamer Gasthof, Cross Foxes Inn, der Bus nimmt dann die A 487 bergauf über einen Pass. Dann kommt auf der rechten Seite ein Parkplatz mit Bushaltestelle. Hier beginnt die Minfford-Route.

Der Weg steigt schnell steil an. Verbogene, knorrige Eichen bilden einen Wald, der bald einer Landschaft aus Heidekraut, Ginster und Farnen weicht. Nach anderthalb Stunden Fußmarsch sieht man hinab auf das Tal y Llyn. Bald darauf bietet sich ein atemberaubender Anblick: Senkrechte Felsen, bis zu 300 Meter hoch, umschließen den Llyn Cau. An den Rissen und Rinnen der Felsen stürzen Wasserfälle in die Tiefe. Es geht weiter über einen schmalen Felsgrat, über einen Nebengipfel, den Craig Cau, durch eine Bodensenke und dann über Felsen aus windzerfressenem Granit. Der Weg ist nicht mehr sichtbar, er wird durch Steinhaufen markiert, denen jeder Wanderer einen Stein hinzufügt. Der Abstieg führt durch ein Hochmoor, ab und zu führt er an den Ruinen alter Farmen vorbei. Dann landet man wieder auf den Schafweiden. Für den ganzen Weg sind 4 Stunden zu rechnen.

Die Fuchs-Route führt von Dolgellau aus nach oben. Der Pfad beginnt mäßig ansteigend, nach einer Meile kommt man an einem kleinen See vorbei, dem Llyn Gaff. Dahinter wird es steiler, man klettert über Felsbänke und Gesteinsvorsprünge bis der Llyn y Gadair zu sehen ist. Geröll und rutschiges Gras behindern den Weg hoch zum Gipfel, dem Pen y Gadair. Dort bietet ein Steinverschlag mit Wellblechdach Schutz vor dem Wetter.

Beim Aufstieg und Abstieg vom Cadair Idriss kommt man auch an Weiden vorbei, auf denen Schafe leben. So erfährt der Leser auch einiges über Schafzucht, wie das Schafbad und die Probleme, die beim Ablammen auftreten können.

  • Handlung

Alec Hudson hat von seiner verstorbenen Ex-Frau (die beiden sind geschieden, aber Freunde) die Aufgabe erhalten, ihre Asche am Cadair Idriss zu verstreuen. Dafür mietet er sich in der Pension von Fiona und David Edwards ein. Die beiden haben eine Schaffarm ausgebaut. David hat nach mehreren Herzinfarkten keine Kraft mehr, sich um das Anwesen zu kümmern. Sie haben noch einen Schafhirten, Owen, und eine Tochter, die handlungsfern mit zwielichtigen Freund in Liverpool lebt. Alec wandert auf dem Cadair Idriss und erfüllt seinen Auftrag.

Wieder unten angekommen, landen er und Fiona im Bett (Das war für den Leser ab Seite 30 klar, ich hätte mir das spannender gewünscht). Am nächsten Tag geht David auf den Berg, um sich dort umzubringen. (Nicht weil er das mit seiner Frau und Alec ahnt, sondern kontextfrei aus Depressionen). Alec findet ihn, tagelang kämpfen Ärzte im Krankenhaus um sein Überleben – erfolgreich (Das ist der spannende Teil). Nun kommt die Tochter zu Besuch, samt Freund. Freund Gerald (Student, Praktikant in einem Immobilienbüro und mit Affinität für Pubs) klopft großspurige Sprüche darüber, was er mit der Farm so alles machen könnte. Irgendwann brät ihm Owen eine über und alle zusammen werfen ihn raus. David kommt nach Hause, wo er eine Pflegerin benötigt, aber hin und wieder auch auf die Weiden gehen kann, um zu helfen. Owen ist in Fionas Tochter verliebt. Alec reist ab. Fiona findet in Alecs Bett einen Brief, in dem er seine Abreise begründet.

  • Geografie Teil 2 (Wales) – rote Markierungen

David liegt im Krankenhaus in Aberystwyth. Fiona besucht ihn. Dazu fährt sie von Dolgellau aus die A 470, die A 487, danach weiter bis Machynlleth. Dann weiter nach Süden über Tal y Bont und Bow Street, bis Aberystwyth. Die Rückfahrt führt bis Machynlleth, dann auf die A 493 Richtung Küste, den Dyfi River entlang. Enten und Kormorane ziehen ihre Kreise, Seeschwalben und Regenpfeifer sind zu sehen. Die Straße führt in die Küstenstadt Tywyn. Dann führt sie landeinwärts, um den Mäandern des Dysynni auszuweichen. In der Küstenstadt Fairbourne biegt sie nach Dolgellau ab.

Ach so, ja, das Wetter: Es drängt vom Atlantik über die Irische See herein. Es ändert sich plötzlich, und wenn es regnet, dass ist das Gebirgsmassiv von Wolken eingehüllt.  Was bedeutet, dass der Wanderer auch in den Wolken sich orientieren muss. Die Wolken bringen auch Hagel mit sich, ganz ungefährlich ist das alles also nicht.

  • Bemerkungen

Die Geschichte selbst ist in jedem Schritt vorhersehbar und nervig überraschungslos. Vor allem bleibt David für den Leser bis zum Schluss ein Phantom. Auch der stressige Freund der Tochter ist nicht viel mehr als ein handelsüblicher überkandidelter BWLer. Es liegen so viele potentielle Konflikte am Wegrand der Geschichte. Eigentlich. Der Autor schafft es dennoch, zielsicher allen Konflikten aus dem Weg zu gehen. So bleibt alles sehr „Heile-Welt“-mäßig.

Es ist einer jener Unterhaltungsromane, deren Lektüre schnell geht. Lohnt eigentlich nicht. Aber doch: wenn Alec seine Wanderungen auf den Berg macht, schafft es der Autor, Stimmung zu erzeugen und die Region im Kopf des Lesers zum Leben zu erwecken. Als erzählerischer Wanderführer hat das Buch seine Berechtigung.

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6 Gedanken zu “Karte # 24: Wales / Cadair Idriss – „The Long Walk Home“ von Will North

  1. Der Anfang Deiner Besprechung las sich so viel versprechend. Ich hatte gleich Lust loszuwandern! Aber dann hast Du die Handlung beschrieben. Schade, der schönen Landschaft hätte man doch wirklich eine ansprechendere Handlung gewünscht – und Dir natürlich auch… :-)!
    Viele Grüße, Claudia

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