Karte # 18: Tschenstochau und Karte # 19: Wien 1910 – „Schakale Gottes“ von C.C. Bergius

Das nächste Buch führt nach Polen, genauer in den Süden Polens. Der Roman „Schakale Gottes“ von C.C. Bergius erschien im Jahr 1977. Ich habe die Ausgabe als Goldmann-TB aus dem Jahr 1980 mit 319 Seiten. Das Buch hat 11 Kapitel. Die Handlung spielt in Tschenstochau und der weiteren Umgebung, dem Tschenstochauer Jura. Die Einteilung des Romans stammt von mir.

  • Die Geschichte Teil 1 (Die Mordermittlungen)

Die Geschichte beginnt am 5. März 1910 mit einem gefunden Edelsteinschatz. Der Finder Tadeusz Minka ist „Büttel“ eines kleinen Dorfes bei Tschenstochau, in der Nähe von Mstow. Er bringt den Schatz in das Kloster Tschenstochau.

Erster Exkurs zu einem untergegangen Wort: Ein Büttel war ein Fronbote, in späterer Zeit wurden die Aufgaben des Büttels vom Gerichtsdiener übernommen.

In den Tagen danach wird in der Warthe eine Leiche gefunden. Der Kommissar Pawel Bobak aus Nowo-Radomsk wird mit den Ermittlungen beauftragt. Seine Ermittlungen führen ihn auf Kutschfahrten durch den Tschenstochauer Jura und immer wieder zurück ins Kloster Jasna Gora. Schließlich findet er die Spur eines Verdächtigen, des Paters Rochus, der über Myszkow und Olkusz nach Krakau flieht. Dort, in Krakau, läßt Pater Rochus sich widerstandslos festnehmen.

Denn Krakau liegt 1910 im Ausland, in Galizien. Galizien ist von den Österreichern besetzt. Der festnehmende Kommissar in Krakau ist denn auch Österreicher. Ansonsten ist die Gegend um Tschenstochau von der russischen Geheimpolizei kontrolliert. Der Kommissar kann das Kloster mit der Drohung unter Druck setzen, dass es von der russischen Geheimpolizei überfallen werden könnte. Jedenfalls wirkt es kurzzeitig.

Der Mord ist also aufgeklärt. Ganz aufgeklärt? – Nein, denn niemand weiß, wer die Leiche ist. Der Verhaftete Pater Rochus wird zur Staatsanwaltschaft nach Petrikau gebracht. Dort gibt er die Geschichte von Mord und Edelsteindiebstahl zu Protokoll.  Nun beginnt erst Kapitel 5. Da geht also noch was.

  • Die Geographie

Blaue Knöpfe: Ermittlungen: Nowo-Radomsk, Tschenstochau, Mstow, Poraj, Myszkow, Olkusz

gelb: Fluchtweg des Mörders: Koniecpol, Mokrzesz, Zawada, Mstow, Tschenstochau, Poraj, Zarki, Myszkow, Lazi, Olkusz, Zabierzow, Krakau

  • Die Geschichte, Teil 2 (Die Geldgier)

Die Geschichte des Mordes beginnt im Sommer 1908 und dreht sich zunächst um eine kleine Gruppe polnischer Freiheitskämpfer. Die Gruppe wird angeführt von Fedor Zadek, einem Goldschmied (Monatslohn 100 Rubel) , dessen Verlobter Natascha, einer Telefonistin mit 45 Rubel Monatslohn. Beide leben in Warschau. Dann ist da noch Nataschas Bruder Roman Gorski. Er lebt in Krakau. Sie überfallen einen Postzug zwischen den Städten Rudniki und Klomnice, erbeuten 150.000 Rubel, streiten sich um die Beute und arbeiten zukünftig nicht mehr zusammen. Fedor und Natascha besuchen das Kloster Jasna Gora, das der Leser von den Ermittlungen des Kommissars bereits kennt. Eher zufällig lernten sie bei einem Besuch den Pater Rochus kennen. Rochus zeigt ihnen die Schwarze Madonna und die geschmückten Kammern, die voller Edelsteine sind. Fedor und Natascha geben sich als Geschwister aus,

Fedor und Natascha wollen sich als Goldschmiede selbständig machen. Natascha bettelt den Pater deswegen – wenn auch mit einer Lüge – um Geld an. Pater Rochus willigt ein, ihr 6.000 Rubel zu schenken. Da die Mönche auf verschiedenen Wegen immer mal wieder Geld für sich abzweigen, bekommt Rochus die Summe schnell zusammen. Er bittet Natascha, das Geld im Kloster abzuholen. Das tut sie, bringt die 6.000 Rubel nach Hause zurück. Sie muss allerdings als Gegenleistung ihren Gönner auf eine Reise nach Wien begleiten.

Zum Weihnachsfest 1908 wird schließlich auch Pater Rochus nach Warschau eingeladen. Er und Natascha gehen nachts im Lazienki-Park zwei Stunden spazieren. Zuhause angekommen erwartet Natascha ein „Rencontre“.

Zweiter Exkurs zu einem untergegangenen Wort: Das rencontre war eine Zusammenkunft mit einer gewissen feindseligen Note. Der Pater wiederum verlangt im Kloster noch mehr Geld. Der Custos jedoch weigert sich. (wieder ein altes Wort, das ist der Schatzmeister des Klosters). Ein anderer Pater schlägt vor, die Schlüssel zu Schatzkammer und Tresor nachmachen zu lassen. So stehlen die beiden 13.000 Rubel.

  • Die Reise nach Wien

Natascha und Rochus fahren für eine Woche nach Wien. Hier der Reiseplan:

Sie fahren vom Bahnhof am Prater vorbei über den Parkring zum Kärtner Ring ins Hotel, wo sie unter falschen Namen einchecken (blaue Tour). Sie besichtigen die Goethestatue, die Hofburg, den Volksgarten, die Pestsäule am Graben, den Stein-im-Eisen-Platz, den Stephansdom und kaufen Klamotten ein (grüne Tour). Nach einer Woche geht es wieder zurück. Rochus und Natascha einigen sich, dass sie für 500 Rubel im Monat seine Geliebte wird. Im Kloster wurden derweil die Schlösser ausgetauscht und…

  • Die Geschichte, Teil 3 (Die Eskalation)

….Rochus und sein Komplizenpater in Tschenstochau beschließen, statt Geld zukünftig Edelsteine zu stehlen. Sie lassen von den Steinen Imitationen anfertigen und tauschen die echten Steine gegen Imitationen aus. Um die Imitationen kümmert sich Nataschas Verlobter Fedor. Der kann das Geld für seine Selbständigkeit gut gebrauchen und lässt Natascha daher freie Hand. Natascha stellt Pater Rochus zur Rede, was er mit den Imitationen vorhat und woher er das viele Geld hat. Vom Reichtum geblendet, fordert sie ihn auf, noch mehr zu stehlen, aus dem Orden auszutreten und sie zu heiraten. Das erzählt sie auch Fedor.

Fedor und Rochus planen einen ganz großen Raubzug. Er scheint zunächst zu gelingen, doch als das Gespräch auf Natascha kommt, brennen beiden die Sicherungen durch. Pater Rochus erschlägt Fedor. Auf der Flucht hängt er den Beutel mit den Edelsteinen an die Tür des Büttels Tadeusz Minka. Der Kreis der Geschichte hat sich geschlossen.

  • Bemerkungen

Das Buch ist in der Struktur originell: Ein Krimi – nach einer wahren Begebenheit übrigens -, der die Antwort auf die Frage ermittelt: Wer ist die Leiche? Die vielen Haupt- und Nebenfiguren bringen viel Abwechslung in die Geschichte. Einige tauchen auf, spielen dann ohne Grund im weiteren Verlauf keine Rolle mehr, andere kommen dafür hinzu, die zunächst ohne Bedeutung schienen. Die Sache mit dem Freiheitskampf verschwindet ganz aus dem Blickfeld. Immerhin bietet die Handlung ein paar überraschende Wendungen, der historische Rahmen ist spannend.

Natascha und Rochus verstricken sich zunächst unabhängig voneinander, später gemeinsam, immer mehr in Geldgier. Aber die Figuren bleiben ansonsten psychologisch oberflächlich. Das ist bei Bergius, der eher handlungstreibend schreibt, üblich. Auch aus geographischer Sicht habe ich den Eindruck, der Autor habe aus ein paar Büchern und Reiseführern abgeschrieben, es ist ein atmosphärefreies Aufzählen von Stationen.

Im Anhang des Buches gibt es einen ausführlichen Überblick des Autors über die Geschichte Polens. Im Buch erfährt man auch eine Menge über die Schwarze Madonna, den polnischen Freiheitskampf, polnische Königshäuser. Erzählerisch löste Bergius das, indem er diese Dinge Nataschas Tante erzählen läßt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Krakau-Tschenstochauer_Jura

http://bop.jasnagora.pl/

https://de.wikipedia.org/wiki/Königreich_Galizien_und_Lodomerien

Advertisements

2 Gedanken zu “Karte # 18: Tschenstochau und Karte # 19: Wien 1910 – „Schakale Gottes“ von C.C. Bergius

  1. Auch wenn Deine abschließende Wertung nicht gerade „zum Lesen einlädt“, finde ich die im Zusammenhang mit der erzählten Geschichte aufgeführten Karten, auf denen Du die Handlung nach zeichnest und dann auch noch nach verschiedenen Personen oder Handlungssträngen kategorisierst, immer super toll.
    Viele Grüße, Claudia

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s