Karte # 14: Utah. Colorado. Wüste. Klapperschlangen. Kojoten. Barry Lopez

In den Beiträgen dieses Blogs habe ich schon die unterschiedlichsten Gegenden besprochen. Ein Buch, das in einer Wüste spielt, war noch nicht dabei. Diese Lücke möchte ich heute schließen. Das Buch heißt „In der Wüste. Am Fluß“ von Barry Lopez. Der Originaltitel lautet „Desert Notes. River Notes“ und passt besser zum Buch, weil er auch auf die eigenartige Form hinweist. Es sind kurze Geschichten, Miniaturen, Erzählungen, Ortsbeschreibungen, auch Fabeln sind darunter. Das Buch besteht aus zwei Blöcken, wie der Titel schon sagt. Alle Texte drehen sich um je eine Landschaft. Hier geht es nur um den Teil „Die Wüste.“

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  • Los geht’s

Ein Mann besteigt einen 58-er Chevy Pickup. Er fährt 278 Meilen in das Great Bassin. Es klingt nach Road Movie. Dann badet der Mann in einer heißen Quelle. Dann ißt er eine Schale Körnerflocken und fährt zurück. Aha, denke ich, das kann ja noch ’ne ziemlich kontemplative Kiste geben. Ich lese weiter.

  • Die Geographie

Ein anderer spezieller Teil der Wüste ist begrenzt durch die blauen Berge im Westen. Das ist nahe Monticello in Utah. Der Abajo Peak gehört dazu. Die roten Berge bilden die Grenze im Osten.  Sie liegen zwischen Ouray County und San Juan County im Südwesten von Colorado. Im Norden, wo es einige kleine Flussläufe gibt, Arroyos, werden die Berge weiß, während sie im Süden gelb flimmern.

Es gibt Dünen, weiß wie Gips. Das Licht ist so hell, dass es die Augen erblinden lassen kann. Nachts liegt der Wind in einer Rille und schläft. Beifußgestrüpp. Ab und zu Cottonwoods, die harzige Fäden in die Luft abgeben, mit denen Bienen ihre Waben festigen. Hat man gerade diese kraftvolle Beschreibung der Cottonwoods gelesen, dann holt einen die deutsche Bezeichnung „lindenblättriger Eibisch“ wieder aus der Illusion zurück. Eigenartig, welche Kraft – oder Mangel an Kraft – alleine ein Name vermitteln kann. In der Stille lassen sich die Schwingen des Adlers gegen die ansteigende Warmluft schlagen hören. Gewitter ziehen über die Berge hinauf in die Wüste, wo sie sich verflüchtigen.

  • Pause
  • Die Geschichten

Früher, vor Urzeiten, lebten hier Menschen. „Das Volk der blauen Hügel“ richtete sich in Felsenhöhlen ein. Vor Jahren fand man 173 Tote. Es ist ein Rätsel, wovon sie lebten und was sie hier, mitten in der Wüste, machten.

Der Erzähler beschreibt den Zerfall einer verlassenen Schule. Die Ameise, die ein Körnchen durch die Gegend trägt und von einem Windstoß weiter getragen wird. Er beobachtet eine Spinne, die ein Netz webt. Das Sonnenlicht prallt von dem Spinnennetz ab wie von einem Trampolin.

Die Wüste hat ihre eigenen Fabeln: Es gab früher Raben und Krähen. Die Raben haben die Krähen überlistet, sich an einem salzigen Wasserloch zu Tode zu trinken. Der Kojote und die Klapperschlange unterhalten sich über zwei Gottheiten, Akashita und Schisa. Sie erscheinen ihnen so mächtig, dass sie ihr Jagdverhalten nach ihnen richten. Eines Tages versteht der Kojote, dass die Gottheiten nur in seiner Einbildung Macht haben. Endlich befreit er sich von dem Zwang, Shisa folgen zu müssen.

Eine wunderschöne Geschichte erzählt von einem Teppich, den eine Navahofrau vor Jahrzehnten gegen Lebensmittel getauscht hat. Das war in Winslow, Arizona (grübel…das ist da, wo auch schonmal die Eagles an einer Straßenecke standen…grübel Ende). Nun sitzt der Erzähler auf dem Teppich, und er lauscht aus den Fäden des Teppichs die Geschichten der Wüste heraus.

  • Bemerkungen

Zuerst war ich enttäuscht, denn ich habe eine Erzählung erwartet. Aber einige der Texte entfalten eine eigenartige meditative Kraft. Die lakonische Sprache, die Fähigkeit, etwas zu sehen, wo scheinbar nichts ist, hinterlassen Eindruck. Die Wüste ist gar kein lebensfeindlicher Ort, sondern ein mythologischer Ort voller Faszination.

Es ist merkwürdig: Die Kartierung tut nichts zur Sache. Es ist ein Reisen von Irgendwo nach Irgendwo. Die Wüste fordert ein, völlig auf sich zurück geworfen zu werden. Zu warten. So heißt es: „Zweifelhaft ist auch die Wegbeschreibung… Wo es links heißt, mußt du manchmal rechts gehen. Lies manchmal Süd, wo Nord steht. Es hängt ein wenig davon ab, wo du herkommst, aber nicht unbedingt. Aber wenn Du Dein Bestes tust, wirst Du keine Probleme haben. Halte durch.“ Hab ich getan. Hat sich gelohnt.

Der zweite Block der Texte trägt den Titel „Am Fluss“. Aber nach der Wüste brauch ich erstmal Pause.

http://de.wikipedia.org/wiki/Lindenblättriger_Eibisch

http://de.wikipedia.org/wiki/Red_Mountain_Pass

http://en.wikipedia.org/wiki/Winslow,_Arizona

http://blog.cardomain.com/2009/08/10/cardomain-obscure-muscle-car-parking-lot-the-1955-to-58-chevrolet-cameo-pickup/

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