Karte # 2: Humoristisches die Mosel runter bis Koblenz und zurück

Der letzte Text war trist und schwermütig. Deswegen ist es Zeit für was witziges: Heinrich Spoerls „Wenn wir alle Englein wären“ habe ich in einer Ausgabe aus dem Jahr 1950. Es ist neben der Feuerzangenbowle Spoerls bekanntestes Werk. Die Geschichte spielt zwischen einem 22. Mai und dem folgenden 30. Juni. Wobei am 24. Mai Himmelfahrt war. Die Hauptfigur Christian Kempenich wurde 1882 geboren. Ein Blick in den ewigen Kalender sagt, dass diese Konstellation auf das Jahr 1906 paßt.

  • Das Setup

Christian Kempenich, ist Kanzleivorsteher im Bürgermeisteramt des fiktiven Ortes Weinheim an der Mosel. Seine Kusine in Köln bekam Zwillinge. Anläßlich deren Taufe fährt er nach Köln. Seine Frau Hedwig bleibt zuhause.

Die Veranstaltung in Köln dauert mit allem drum und dran 3 Tage. Am Himmelfahrtstag gegen 19 Uhr wird Herr Kempenich in eine Droschke gesetzt, die ihn zum Bahnhof bringen soll. Auf dem Weg fällt ihm die Hohe Straße auf, und er erinnert sich daran, dass seine Kegelbrüder viel davon erzählt haben. Er nutzt die Gelegenheit, um durch die Kneipen zu bummeln. An diesem Himmelfahrtstag entscheidet sich Hedwig, einen kleinen Ausflug per Schiff zu machen. Zufällig steigt der Gesangslehrer Fanetti, bei dem Hedwig Gesangsstunden nimmt, in das gleiche Ausflugsschiff.

  • Die Geschichte

Herr Kempenich ist von seinen „sittengeschichtlichen Studien“ enttäuscht. Ungezogene Damen setzten sich ungefragt an seinen Tisch, ein Komödiant erzählt Witze, die schlechter sind als die der Kegelbrüder. Und schließlich landet er in dem Hotel Monbijou, ohne sich an weiteres zu erinnern.

Das Ausflugsschiff mit Frau Kempenich und Fanetti an Bord kommt mit Verspätung in Koblenz an. Nun fährt kein Dampfer mehr zurück. Frau Kempenich hat sich nun ihres Gesangslehrers zu erwehren. Der hat ein „zweispänniges Gemach“ bestellt. An der Zimmertür ergreift sie die Flucht und geht zum Bahnhof. Der nächste Zug fährt auch erst am nächsten Morgen. Also übernachtet sie im Wartesaal.

Am nächsten Tag begegnen sich Herr und Frau Kempenich wieder zuhause. Herr Kempenich denkt, seine Frau wäre zuhause gewesen, hat ein schlechtes Gewissen und möchte seine Eskapade vor ihr verheimlichen. Frau Kempenich ist der Meinung, ihr Mann habe bei Verwandten geschlafen, und sie möchte ihren Ausflug samt Übernachtung verheimlichen. Außerdem storniert sie ihre Gesangsstunden. Fanetti möchte sich bei Frau Kempenich wieder beliebt machen (immerhin fehlt ihm das Honorar) und schenkt ihr Alfons, einen Dackelwelpen.

Eines Tages treffen zwei Briefe der Polizei ein, in denen Herr und Frau Kempenich des „Hoteldiebstahls“ beschuldigt werden. Bettwäsche ist aus dem Hotel Monbijou verschwunden, in dem laut Meldezettel Herr Kempenich mit Frau nächtigte. Beide verschweigen die Briefe voreinander. Sie stehen sich dann doch auf der Polizeistation gegenüber. Beide versuchen, den jeweils anderen aus dem Raum zu komplimentieren, damit sie vor der Polizei nicht lügen müssen.

Dann gehen sie heim. Dort ist Tante Selma. Sie redet Frau Kempenich ein, dass sie sich scheiden lassen solle, und sagt Herrn Kempenich, dass seine Frau diesen Entschluss bereits gefasst habe.

Kempenich engagiert Fanetti für 90 Mark. Dafür soll er nun Frau Kempenich erzählen, dass er unter dem Namen Kempenich in dem Kölner Hotel abgestiegen sei. In Hedwigs Gegenwart beschimpft er Fanetti dafür, dass der sich auf den Namen Kempenich eine Vergnügungsreise gegönnt hat. Frau Kempenich bezichtigt nun beide der Lüge, was keiner der beiden Herren versteht.

Tage später findet bei Frau Kempenich ein Kaffeekränzchen statt. Zwei Polizisten klingeln und nehmen eine Hausdurchsuchung vor. Sie finden eine Quittung des Hotels Monbijou, da Herr Kempenich inzwischen 100 Mark als Schadenersatz gezahlt hat. Schlecht für ihn. Aber auch Frau Kempenich hat kein Alibi für die fragliche Nacht. Stotternd gesteht sie, dass sie in Koblenz war und dort übernachten mußte. Sie kann aber den Namen des Hotels nicht nennen.

Kempenich wird bis zur endgültigen Klärung vom Bürodienst suspendiert. Eines Tages wandert er durch die Weinberge und anschließend kauft er sich 6 Hemden, läßt sich seinen Schnurrbart rasieren, bringt seiner Frau Blumen mit und versöhnt sich mit ihr. Tage später findet gegen beide eine Verhandlung im Schöffengericht statt. Zur Vorbereitung geht er zu einem Anwalt. Dort wird entschieden, alle Hotelportiers aus Koblenz vorzuladen, da irgend einer ja Frau Kempenich gesehen haben muss.

Der Zug mit den Portiers fährt von Koblenz über Zell, Zeltingen, Brauneberg nach Weinheim. Auf jedem Bahnhof kaufen sie sich eine Flasche Wein. Gerade noch rechtzeitig kommen die – mittlerweile betrunkenen – Portiers an. Einer erkennt Frau Kempenich wieder, die er im Hotel mit ihrem Mann gesehen hat. Die Kempenichs werden freigesprochen, da sie offensichtlich in Köln waren. Nur Herr Kempenich ist unzufrieden, da er nicht weiß, wer der Mann war, den der Portier für ihn hielt. Der Portier plaudert weiter und wirft Herrn Kempenich vor, dass er nach einem Streit seine Frau einfach davon laufen ließ. Damit ist auch Herr Kempenich zufrieden.

Und alles ist gut.

  • Bemerkungen

Die Geschichte ist witzig zu lesen und lebt von der Komik der Handlung, die an eine der üblichen Verwechslungskomödien erinnert. Aber auch Spoerls Schreibe ist voller Sprachwitz und Schlagfertigkeit, was den Text lebendig macht. Der Leser kennt die Verwicklungen von Anfang an. Der Leser erlebt mit, wie sich die beiden Hauptpersonen immer stärker verwirren, je mehr sie ihre Erlebnisse vertuschen wollen. Ist aber lustig. Vorausgesetzt, man kann damit leben, dass der Wäschediebstahl nicht aufgeklärt wird.

Die im Buch genannten Weine exisitieren wirklich und gehören heute zu den besten Rieslingen weltweit. Zum Wohl.

http://www.brauneberger-juffer.com/home.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Katz

http://www.riesling.de/de/lage/zeltinger-himmelreich/53_210.html

Advertisements

3 Gedanken zu “Karte # 2: Humoristisches die Mosel runter bis Koblenz und zurück

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s