Hanford, Oak Ridge, Los Alamos – Schenzingers Atom Teil 3

Ich tue mir schwer, Bücher zu lesen, die sich auf tatsächliche Ereignisse beziehen, wenn diese Ereignisse die Handlung maßgeblich begrenzen. Deswegen habe ich nie einen Pompeji-Roman gelesen. Man weiß schon vorher, dass der Vulkanausbruch alles zerstört und damit die Handlung beendet ist.

Um den dritten Teil von Schenzingers Atom habe ich mich aus ähnlichen Gründen gewunden. Der zentrale Punkt, auf den alles hinausläuft, steht fest. Andererseits: Die beiden ersten Teile waren gut, wenn auch für einen Laien wie mich nicht in jedem Detail sofort zu verstehen. Und so gebietet es die Höflichkeit, das Buch zu Ende zu lesen.

  • Das Setup

In Teil 1 wird beschrieben, wie Demokrit im antiken Athen ein Atommodell entwickelt, Professor Rutherford hat – zusammen mit vielen anderen Physikern – im Experiment ein Atommodell besätigt und weiter entwickelt. Davon handelt Teil 2. Teil 3 spielt hauptsächlich in den USA, von wo aus auch nach Berlin und nach Norwegen geschielt wird, denn die USA und Deutschland lieferten sich ein Wettrennen bei unvollkommener Information.

  • Die Geschichte

Niels Bohr und Fermi forschen in den USA, dort erreicht sie eine Nachricht von Dr. Joliot in Paris. Ihm ist es gelungen, die von Otto Hahn vermuteten Neutronen im Experiment nachzuweisen. Damit rückt die Möglichkeit einer Kettenreaktion näher. Bohr berichtet auf einem Vortrag in Princeton davon.
Allerdings ergibt sich ein neues Problem: Wenn Uran 235 beschossen wird, gibt es Neutronen ab. Diese werden von Uran 238 aufgefangen und von diesem quasi „vereinnahmt“. Um eine Kettenreaktion zu erreichen, müssen mehr Neutronen von Uran 235 abgegeben werden als von Uran 238 aufgenommen werden können. Es wird also viel Uran 235 benötigt. In natürlichem Uran ist Uran 235 aber nur spärlich enthalten.  Also muss es separiert werden. Bei den Versuchen hierzu entdeckt Bohr das neue Element Plutonium, erzählerisch schön zusammen gefaßt anläßlich eines weiteren Vortrages von Bohr an der Columbia University.

1940 richtet die Regierung in Washington auf Drängen Einsteins eine kommission ein, die sich um Mittelvergabe für die weitere Forschung kümmern soll, zunächst jedoch skeptisch ist, ob jemals konkrete Ergebnisse zustande kommen.
In weiteren Experimenten wird festgestellt, dass Plutonium die gleichen Spaltungseigenschaften besitzt wie U 235. Allerdings ist es leichter herzustellen. Dabei wird immer mal wieder über den Atlantik geschielt. Es ist bekannt, dass deutsche Wissenschaftler in Berlin-Dahlem und vor allen Dingen in Norwegen Atomforschung betreiben, aber niemand weiß, wie weit die Ergebnisse fortgeschritten sind.
Der japanische Überfall auf Pearl Harbor sorgt dafür, dass die Forschung an der Bombe mit unermeßlichen finanziellen Mitteln ausgestattet wird. Schnell gelingt es, in größerem Maße Plutonium herzustellen.
Anfang des Jahres 1943 wird in der Wüste südlich von Santa Fe ein Militärposten gebaut. In Tennesse, am Clinch-River wird ein Uranwerk gebaut, um das herum die Stadt Oak Ridge entsteht. Eine Plutoniumfabrik entsteht in Hanford im Staate Washington am Columbia River. Und in Wendover in Utah werden Piloten für einen Geheimauftrag ausgebildet. Der Posten in der Wüste heißt Los Alamos, keine Straßen führen zu ihm hin, die Post wird nach Santa Fe geschickt.
Der Krieg verdrängt die Frage, wofür die Energie verwendet werden kann, außer um Bomben zu bauen. Schnell ist klar, dass bei den Prozessen unendlich viel Energie frei wird. In Hanford geschieht das in Form von Wärme, der Columbia River wird mächtig aufgeheizt. Die Frage nach einer sinnvollen Verwendung der Energie wird jedoch wegen des Krieges nicht gestellt.

In weiteren Experimenten werden Spontanzündungen erreicht. Jedoch ist es nicht möglich, kontrollierte Zündungen zu erzeugen. Die entscheidende Idee ist es, die Kernmasse mit einem „Tamper“ zu umhüllen, einem Mantel, der die ausgworfenen Neutronen wieder in die Masse zurück schleudert, solange bis die Masse explodiert. Außerdem wird die Masse in zwei Teile zerlegt, die erst kurz vor der Zündung zusammen gesetzt werden.

Der fortschreitende Krieg zwingt Physikalische Heeresanstalt dazu, die Forschungsstätten von Berlin nach Haigerloch zu verlegen. Am 22.4.1945 beschlagnahmen amerikanische Soldaten alles.

Die Insel Tinian im Pazifik: Von dort aus werden regelmäßig Luftangriffe auf japanische Stellungen geflogen. Eine Einheit übt abgesondert und unter dem Spott aller für einen vermeintlichen Spezialauftrag. Schließlich treffen Flugzeuge und Piloten aus Wendover auf Tinian ein. Auf dem entscheidenden Flug unterhalten sich zwei Soldaten der Flugzeugbesatzung über einige philosophische Fragen.

  • ein paar Gedanken

Auch im Teil 3 ist mir die stakkatohafte Sprache Schenzingers aufgefallen, die für den 2. Teil typisch war und zu dem Wettlauf stilistisch passt. Im Vergleich zum 2.Teil hat sich nun das gesellschaftliche Klima verändert, das den Boden für die Forschungen bildet. Während zunächst der reine Erkenntnisgewinn im Vordergrund stand, ist nun der Krieg die Sache, die das ergebnis vorantreibt. Schenzingers Schreibstil passt zu dem immer schneller werdenden Wettlauf, der sich nun auf zwei Ebenen abspielt. Da ist einmal die wissenschaftliche Fragen, Uran 235 zu gewinnen oder Plutonium herzustellen wie auch mit der Frage der kontrollierten Zündung. Gleichzeitig findet der durch den Krieg getriebene Wettlauf statt.  Gegen Ende des Buches, wenn es um die erste Bombenzündung in Los Alamos geht, und das Leben der Fliegerstaffel beschrieben wird, läßt das Tempo nach. Zugleich verliert das Buch an Spannung, Die Stärke des Buches ist auf jeden Fall die Beschreibung des wissenschaftlichen Fortschritts.

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