Älvåkra im Norden Schwedens – der etwas andere Schwedenkrimi

Sucht man in Google nach Älvakra, so erhält man 65 Suchergebnisse. Sofern man es mit a schreibt, denn die deutsche Tastatur kennt das å nicht. Das ist nur unbedeutend mehr als dieser Blog hat. Hat man jedoch herausgefunden, wie man ein å schreibt, nämlich „“Alt“ & 134″ und googelt nach Älvåkra, so erhält man ca. 6500 Suchergebnisse.  Die Suchergebnisse zu Älvåkra betreffen nicht einmal eine Ortschaft, sondern ein Eishockeystadion in der Stadt Älvsbyn. Und doch spielt eine Novelle einer Nobelpreisträgerin in einer Stadt namens Älvåkra. (Vielleicht ist Älvåkra auch ein fiktiver Ort, ich bin da offen für andere Ansichten und freue mich auf Kommentare).

Es geht um „das Mädchen vom Moorhof“, so heißt das Buch auf deutsch, von Selma Lagerlöf, aus dem Jahr 1908.

  • Das Setup

„Das Mädchen vom Moorhof“ ist Helga. Die Geschichte beginnt damit, dass sie einen Mann (Per Martensen) auf Unterhalt verklagt hat. Sie stehen vor dem Richter. Helga zieht unerwartet ihre Klage zurück. Auf diese Weise verleugnet sie gleichzeitig die Affäre mit dem Mann und kann somit darauf hoffen, dass ihr guter Leumund erhalten bleibt. Aus besagter Affäre resultiert auch noch ein Kind.

Gundmund Erlandsson, der auf dem kleinen Landgut Närlunda wohnt, bemerkt, dass in Helga ein guter Kern steckt. Er rät seiner Mutter, Helga als Dienstmädchen einzustellen. Außerdem biedert sich Hildur dem Gudmund an. Sie ist die Tochter eines reichen Gutsbesitzers in Älvåkra.

  • Die Geschichte

Frühsommer. Eines Tages fordert Hildur als Bedingung für die Heirat, dass Helga den Haushalt von Gudmund verläßt. Er beauftragt seine Mutter widerwillig und nur um des Friedens willen damit, Helga zu entlassen. Seine Mutter versorgt Helga mit jeder Menge Handarbeiten für zuhause, so dass sie weiterhin ein Auskommen hat.

Junggesellenabschied. Gudmund ist betrunken, seine Kumpanen auch. Auf dem Marktplatz von Älvåkra findet eine Schlägerei statt. Am Ende liegt da ein Toter mit einer Messerklinge im Kopf (durch die Hirnschale in die Hirnmasse eingedrungen). Gudmund, wieder nüchtern, entdeckt  in seiner Jacke ein Messer ohne Klinge. Er hält sich für den Täter und wirft das Messer in den Morast. Gudmunds Vater findet es und bringt es an sich.

Nun also auf zur Hochzeit. Auf der Fahrt zum Brauthaus überzeugt Gudmunds Vater seinen Sohn, dem Brautvater die Tat zu gestehen. Der sagt die Hochzeit ab. Gudmund ist zwiegespalten. Er findet es zwar nicht so sehr schön, fühlt sich aber gut, denn er weiß, dass er Hildur nicht liebt.

Auf dem Heimweg geht er ein Stück zu Fuß. Er steht auf einem Hügel und übersieht das Land, das er mit der Heirat bekommen hätte. Der Text referenziert auf Matth. 4, 8+9. Gudmund weiß, dass er mit der Absage der Hochzeit frei ist. Er geht weiter und begegnet Helga. Sie verlieben sich spontan, sie stößt ihn weg und stellt Fragen. Nach einiger Zeit hält sie inne, als von einer Klinge die Rede ist. Sie erinnert sich, dass sie sich Gudmunds Messer ausgeliehen hat, ihr selbst die Klinge brach, und sie es ihm ohne Klinge zurück gab. Aber er ließ sie nicht zu Wort kommen. Nur Helga ist klar, dass Gudmund nicht der Mörder sein kann.

Als Gudmund weg ist, fährt Helga zu Hildur und überredet sie in einem langen Gespräch eindringlich, zu Gudmund zu fahren. Hildur zögert, fährt dann doch hin. Nun gesteht Gudmund Hildur die Liebe zu Helga. Hildur fährt zurück und setzt Gudmund am Moorhof bei Helga ab. Die beiden dürfen sich nun endlich verlieben.

Über den Mord selbst erfährt der Leser, dass der wahre Täter geschnappt wurde. Sonst nichts.

Damit kommen wir zur

  • Kurzfassung

Ein Mann hat einen Vollrausch mit Filmriß, er glaubt, er habe einen Mord begangen, und in der Zeit bis zur Aufklärung verhandeln zwei Frauen über seine Zukunft.

  • Meine Gedanken

Ein Mord, der unaufgeklärt bleibt, als Rahmen für eine Liebesgeschichte. Und ein falscher Mordverdacht als Auslöser, um eine unglückliche Liebe loszuwerden. In unserer modernen Welt mit ihren krimigefluteten Bestsellerlisten undenkbar. Geschrieben 1908, es wird viel Kutsche gefahren. Ein Auto gibt es in dieser Ecke Schwedens nicht. Auf Kutschfahrten kann man lange plaudern, was dem Text Struktur gibt.

Bis zur Leiche wedelt der Text immer vor und zurück. Es wird ein Ereignis geschildert und anschließend beschrieben, wie es dazu kam. Durch diese Erzählweise ist der Text unterhaltsam gestaltet. Danach wird er spannend vorangetrieben. Ein wenig Enttäuschung, dass es sich „nur“ um eine Liebegeschichte handelt, blieb dennoch.

Und vielleicht bekommt ja auch Älvåkra ein paar Klicks mehr.

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2 Gedanken zu “Älvåkra im Norden Schwedens – der etwas andere Schwedenkrimi

  1. „Das Mädchen vom Moorhof“ ist eine wunderschön warmherzige Novelle der großartigen Selma Lagerlöf. Ich habe auch den Film gesehen, der in den 50ern gedreht wurde. Ein atmosphärischer S/W Film ohne Kitsch und mit guten Darstellern.
    LG von Rosie

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    • Hallo Rosie, danke. Ja, die Geschichte ist warmherzig, und als Helga kurz vor Schluss sich vorkommt, als wäre sie überflüssig (alle wissen das mit dem Messer, was bis dahin nur sie wußte), dann leidet man wirklich mit ihr mit. Den Film kenne ich leider nicht, allerdings hat es mich irritiert, dass die Handlung üppiger ist als im Buch. Die Liste der Schauspieler liest sich tatsächlich wie ein Who is who. Grüße Leo

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