Ein Hut, ein paar Eiswürfel und edler Gitarrenklang: Leo Kottke

Die nächsten Bücherartikel werden schon mit Hochdruck bearbeitet. Zwischendurch ein wenig Musik. Und irgendwann muss ich ja auch mal an das viele gefundene Vinyl ran. Zufallsanfang ist die LP „Ice Water“ von Leo Kottke aus dem Jahr 1974.

Bisher kannte ich Leo Kottke hauptsächlich von Sonora’s Death Row. Jetzt also habe ich diese LP von ihm gefunden. Das Cover von John Van Hamersveld zeigt einen Hut, eine Melone, dessen Krempe mit schmelzenden Eiswürfeln besetzt ist. Auf der Innenseite des Hutes ist der Name des Interpreten zu lesen. Das Bild sagt mir gar nichts, und auch der Titel Ice Water bleibt unverständlich.

9 Songs sind auf der LP, auf 6 davon ist auch Kottkes Gesang zu hören. Mit ziemlich exakt 38:00 Minuten Spielzeit würde ich die Platte als kurz bezeichnen. Mit der Eigenkomposition „Morning is the Long Way Home“ eröffnet die A-Seite. Es ist das auch das längste Stück mit 6:26.  Aber genug der Statistik, los geht’s.

„Morning is the Long Way Home“ ist von einem komplexen und treibenden Gitarrenspiel geprägt, das mit einem temperamentvollen Schlagzeug zu kämpfen hat. Der Gesang ist die schwächste Komponente des Stückes. Wie man liest, hat Kottke daraus später die Konsequenz gezogen und den Song nochmal instrumental eingespielt.

Anschließend geht es um den Jungen, der nicht „Pamela Brown“ geheiratet hat. Sie war hübsch und nahm den Typen, der einen Pick-Up Truck hatte. Der enttäuschte Junge wurde zum Wanderer, hat viele fremde Länder gesehen und ist Pamela dankbar dafür. Es ist ein sympathischer, melodischer Country Song.

„A Good Egg“ ist das erste Instrumental auf der Platte und originell, spritzig und hörenswert. Es ist das Spiel des virtuosen Gitarrenkünstlers, als den man Kottke kennt.

Das rockige „Tilt Billings and the Student Prince“ ist die Ballade über einen Anfänger an der Gitarre. Er nennt seine Gitarre „Student Prince“. Sie war einfach das Beste, was ihm unterkam. Dummerweise tritt ein Besoffener auf seine Gitarre. Man hört es, die Musik ist abhackt und klingt bis zur letzten Note nach zorniger Enttäuschung. Der Gesang erinnert ein wenig an Dylan – das heißt, er klingt nasal und man versteht nicht viel. Ein großer Teil des Songs besteht dann auch daraus, dass eine Schlägerei im Hintergrund zu hören ist. Das ist originell und sicher mit viel Aufwand produziert, man würde es aber nicht bei Kottke erwarten.

Mit dem leider zu kurzen „All Through the Night“ schließt die A-Seite. Es ist ein Stück, das man wirklich die ganze Nacht durch hören kann. Oder könnte, wenn es denn länger wäre.

Die B-Seite fällt gegenüber der A-Seite deutlich ab. „Short Stories“ ist ein sehr countrylastiges Instrumentalstück. „You tell me why“ ist ein Countrysong, brav gemacht, aber doch schaurig-schön. Der Sänger hadert mit einem Freund, der ein Unglück schön reden will. („Du sagst mir, dass alle guten Dinge sterben, du fragst mich, warum ich mich aufrege, du sagst mir, dass ich vergessen werde“). „You Know I Know You Know“ folgt wie ein schwungvoller Antwortsong. „Born to Be with you“ ist ein einfaches happy-endiges Stück, aber man honoriert das anspruchsvolle Gitarrenspiel. Und „A Child Should Be a Fish“ ist nochmal ein nettes Gitarren-Instrumental zum Ausklang.

Insgesamt hörenswert, vor allem die A-Seite mit 3 Super-Gitarrenstücken. Aber Kottkes Gesang ist manchmal zuviel des Guten.

Hut_mit_Eiswürfeln

Ein Eiswürfel 1 Ein Eiswürfel 2 Zwei Eiswürfel Noch ein Eiswürfel Schmelzwasser am Hut

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2 Gedanken zu “Ein Hut, ein paar Eiswürfel und edler Gitarrenklang: Leo Kottke

  1. Da du hier verschiedene Ausschnitte gewählt hast, die zusammen passen, finde ich die unterschiedlichen Formate sogar richtig gut. Nur in Größer gucken klappt irgendwie nicht so gut. Aber ein Anfang ist ja gemacht.
    LG, Franka

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