Gestrandet. Überleben in North Kimberley

Bertram Cover„Flug in die Hölle“ von Hans Bertram hat 219 Seiten. Ich habe die Ausgabe mit dem „farbigen Schutzumschlag“. Vor einem feuerroten Himmel stürzt ein einmotoriges Flugzeug, nach links geneigt, in einer Abwärtsbewegung einer schwarzen Silhouette am Boden zu. Die Pinselstriche an den Tragflächen zeugen von der Geschwindigkeit, mit der sich die Maschine senkt. So dramatisch wie das Cover ist das ganze Buch. Es handelt von einer wahren Geschichte.

Der Autor wollte ursprünglich mit seinem Wasserflugzeug in mehreren Etappen um die Erde fliegen. Er startete mit seinem Begleiter Klausmann von Bira aus – das liegt auf Sulawesi -mit dem Ziel Port Darwin in Nordaustralien. Als er während des Nachtfluges die Orientierung verliert und das Benzin knapp wird, wassert er in einer Bucht. Er vermutet, in Melville Island angekommen zu sein, und so gehen die beiden nach Westen, wo sie die Hafenstadt Port Cockburn vermuten. Die Mücken sind von Anfang eine eine höllische Qual, später kommen die Hitze und der Durst dazu. Sie basteln sich aus Benzin, Watte und einem Magneten ein Feuerzeug. Als sie eine kleine Bucht durchschwimmen, fliehen sie in Panik vor Krokodilen. Dabei verlieren sie ihr Gepäck. Die Tabakdose darin wird später zu ihrem Auffinden führen. Ohne Gepäck gehen sie zurück zum Flugzeug und bauen einen Schwimmer des Wasserflugzeugs zu einem Segelboot um. Damit fahren die beiden die Küste entlang. Später gehen sie an Land weiter.

Nachdem sie mehrere Tage marschiert sind, steigt Bertram auf einen Hügel, um sich zu orientieren. Er bemerkt, dass er nicht auf einer Insel ist, sondern in der Provinz Kimberley, deren einzige Siedlung Wyndham 200 Meilen östlich liegt. Also wieder in die andere Richtung laufen, wieder mit dem Boot zurück, das Boot ist zu schwach für den Wellengang. Sie stranden an einer Höhle am Cape Bernier, in der sie Trinkwasser zur Verfügung haben. Dort werden sie von einem Eingeborenen entdeckt. Ein System von Rauchzeichen signalisiert seinen Stammesgenossen, dass er die beiden Flieger gefunden hat. Ein Eingeborener hatte der Drysdale River Missionsstation die gefundene Tabakdose übergeben. Daraus schlossen die Missionare, dass Bertram und Klausmann noch leben, denn die Dose wurde in einem Gebiet gefunden, indem keine Suchaktionen statt fanden. Die Flieger waren für tot erklärt worden, weil niemand damit rechnete, dass sie so weit nach Südwesten fliegen würden.

Eine großartige spannende Erzählung über das Überleben und darüber, niemals aufzugeben. Manches Leiden, wie das unter Durst und Hitze, lassen sich nur erahnen. Die Kreativität, mit der Bertram und Klausmann immer wieder nach neuen Ideen suchen, voran zu kommen, macht das Buch ebenso lesenswert, wie der ständige Kampf gegen Enttäuschungen, wenn sie übersehen werden oder zurück müssen, weil der Weg nicht weiter führt. Eindrucksvoll sind die Stellen, wo das Überleben in der Wildnis einen besonderen Erfindungsreichtum erzwingt, wie die ständige Suche nach Wasser, oder wenn die beiden mit einer Eisensäge den Schwimmer des Wasserflugzeuges zu einem Boot umbauen. Besondere Beachtung schenkt Bertram seinen Zahnschmeren, die er sich von Klausmann mit Hilfe einer Sicherheitsnadel weg operieren läßt. Die „einfache und sichere Behandlung“ empfiehlt er weiter. Schön ist auch auch das erste Fest mit den Eingeborenen,  wo diese ein erlegtes Känguruh zerlegen und zubereiten.

Bis zum Ende von Teil 1, der den Titel „Ein Kampf in dreiundfünfzig Tagen“ trägt, verschlingt der Leser das Buch mit seinen vielen Wendungen zwischen Hoffen und Verzwiflung, zwischen Angst und Durchhalten, und blättert immer weiter, bis die Rettung da ist. Zum Ende wird die zarte Freundschaft zwischen Bertram und den Eingeborenen erzählt, und so kommt der Leser von der Spannung wieder runter. Im zweiten Teil „Richtung Heimat“ holt Bertram im September 1932 sein gestrandetes Flugzeug ab und fliegt nach Hause, wo er im Sommer 1933 ankommt. Nachdem er in Wynsdale einen sensationslüsternen Reporter kennen gelernt hat, beschließt Bertram zunächst, über die Abenteuer zu schweigen. Später jedoch schreibt er seine Ereignisse dennoch nieder, weil er Werbung für die Anerkennung der Eingeborenen machen möchte.

Zurecht ein Klassiker.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s