Buddeln in Mexiko oder: Der Mayakalender ist der beste

Das Buch der Treppen EinführungGötter Gräber und Gelehrte Cover

Heute geht es um das Buch der Treppen, eines der vier „Bücher“, aus denen C.W. Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“ besteht.  Es beschreibt auf 119 Seiten die Entdeckung und späte Erforschung der alten Kulturen Lateinamerikas.  Ceram meint auch Kulturen, denn erklärtermaßen ist das Buch keine Geschichte der geographischen Entdeckungen und auch keine der militärischen und politischen Eroberungen. Ceram versucht, die entdeckte Kultur zu verstehen.

 

Ein wenig Ereignisgeschichte steht dennoch am Anfang: Cortez erobert das Aztekenreich, nimmt den König Montezuma II in seiner eigenen Hauptstadt gefangen, entdeckt dessen Goldschatz, wird von seinem Statthalter und dessen Armee verfolgt, die er schließlich besiegt, kehrt in die Hauptstadt der Azteken zurück, wo er eine gewaltige Armee besiegen muss.  So weit und so weit begleitet Ceram den Eroberer Cortez. Einen spannenden Höhepunkt findet er, als er die Perspektive wechselt und das Aufeinandertreffen der Spanier und der Azteken als Aufeinandertreffen zweier Religionen und deren Vertreter schildert.  Und: Mittelamerika wird über Spanien an Europa angebunden – es ist so etwas wie die erste Globalisierungswelle – und zwar stärker als das Zweistromland und China. Dennoch geriet seine alte Kultur in Vergessenheit.  Erst 1839 entdeckt John Lloyd Stevens (zusammen mit seinem Zeichner Catherwood) die Tempel der Maya und nach einer weiteren Phase des Vergessens beginnt 1881 bis 1894 der Engländer Maudslay mit der systematischen Erforschung der Maya. Das Volk hat vier zentrale Einzigartigkeiten: es hatte keinen Pflug, es war keine Stromkultur, in seiner Kunst werden keine Pflanzen dargestellt und – es besaß den genausten Kalender der Welt. In einem separaten Kapitel wird die Erforschung des Maya-Kalenders geschildert. Die Ergebnisse halfen, die relativen Alter der Bauwerke zu bestimmen. Es stellte sich heraus, dass der Kalender genauer war als alle bisher in Europa bekannten. Die gewaltige mathematische Leistung wurde jedoch begleitet davon, dass sich die Maya zu Knechten ihres Kalenders machten. Bauten wurden oft nur errichtet, weil der Kalender es vorgab, nicht jedoch weil sie gebraucht wurden.

 

Schließlich entdeckt der Forscher Edward Herbert Thompson den Heiligen Brunnen der Maya, er baggert ihn aus, taucht in sein schlammiges Wasser und bringt viele Opfergaben, „Kult-Harz“ und Knochen ans Tageslicht. Ein seitenlanges Zitat aus Thompsons Aufzeichungen lassen die dramatischen Tauchgänge lebendig werden.

 

Es ist ein spannendes Buch, es ist in einer essayhaften Sprache geschrieben. Es begleitet die Entdecker auf ihrer Suche nach alten Geheimnissen und schildert die Zufälle, die manchmal zur Entdeckung von Kulturen führten. Leider nur manchmal taucht der Autor in die Kulturen selbst ein und versucht aus der Perspektive der Entdeckungen etwas mehr über die Menschen zu verstehen, die in den Kulturen lebten. Angenehm ist, dass er sich dabei ausschließlich auf Entdeckungen bezieht und nicht über die Kulturen spekuliert.

 

Nebenbei bemerkt, sind die Maya ein Beispiel dafür, dass es nicht gut tut, wenn man sich zum Sklaven eines Kalenders macht.

 

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2 Gedanken zu “Buddeln in Mexiko oder: Der Mayakalender ist der beste

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