Athen vor 2 1/2 Jahrtausenden

Das nächste Buch zieht mich nach Griechenland. „Klassischer Tag“  ist ein Band aus der Reihe „Bild der Jahrhunderte“ von Otto Zierer. Er behandelt auf 140 Seiten die Zeit von 510 (Der Errichtung der Demokratie in Athen) bis 399 (Tod des Sokrates) vor Christus

Die persische Armee unter Darius dringt immer weiter nach Westen vor und könnte in naher Zukunft Athen bedrohen. Der oberste Richter Aristides lässt sich zu dem Besuch eines Gymnasiums überreden, wo ihm der begabte Schüler Themistokles vorgestellt wird. Themistokles plädiert in einer Redeübung dafür, die Seemacht aufzurüsten. Die beiden mögen sich nicht und werden Gegenspieler bleiben.

15 Jahre später wird Aristides zum Stadtherrscher Athens gewählt. Themistokles streitet immer noch für eine kriegerische Politik, und es gelingt ihm im Folgejahr, sich durch die Volksversammlung an die Spitze des Staates wählen zu  lassen. Für den Bau der von ihm gewollten Flote benötigt er die Erträge der reichen Silberminen, die Aristides verwaltet. Außerdem will er für Athen einen Hafen bauen. Als Aristides ihm die Zusammenarbeit verweigert, gelingt es Themistokles, ihn durch ein Scherbengericht aus der Stadt vertreiben zu lassen.

Darius‘ Nachfolger Xerxes setzt dessen expansive Politik fort. Themistokles erkennt die Gefahr und möchte den Kriegsrat dazu bewegen, dass sich die – mittlerweile gebaute – Flotte zum Kampfe stellt. Er unterliegt. Mit einer List verführt er Xerxes dazu, die griechische Armee anzugreifen. Athen kann nun nicht mehr anders als sich zum Kampfe zu stellen. In der seichten Bucht von Salamis haben die leichten griechischen Schiffe Vorteile gegenüber den schwerfälligen und tiefliegenden persischen und siegen.

Weitere 30 Jahre später lebt Griechenland unter Perikles in einer Epoche des Wohlstandes, auch durch den neuen Handelshafen Piräus begründet. Herodot besucht Aischylos‘ Persische Tragödie und lernt den jungen Thukydides kennen. Sie führen eine langen Dialog über die Gefahren und die Beständigkeit der Demokratie. Als Perikles Frau Aspasaia einen Arzt benötigt, sucht Perikles auf dem Markt und findet Hippokrates. Unterdessen gibt es noch einen langen Dialog. Aspasaia plaudert mit ihrer Zofe Chloe über Schönheit und Vergänglichkeit. Perikles empfängt Besuch aus Rom, das gerade die Etruskerkriege gewonnen hat. Die Gäste und der Gastgeber philosophieren über den Sinn und Unsinn von Philosophie. (Der Satz im Titel des Beitrags wird dem römischen Gast Postumius Albus in den Mund gelegt)

Bald jedoch beginnt der Niedergang Athens. Die Kluft zwischen den Volksschichten vertieft sich. Den Politikern geht es nicht mehr um das allgemeine Wohl, sondern um den persönlichen Gewinn. Immer häufiger werden angesehene Bürger diffamiert. Im Theater wird Medea von Euripides aufgeführt. Aristophanes und der begabte Redner Protagoras streiten über das Stück, mehr jedoch darüber, inwieweit das Theater den Wandel seiner jeweiligen Zeit abbildet.

Sparta führt Krieg gegen Athen. Athen zieht gegen Spartas Verbündeten Syrakus. Eitelkeiten in der Athener Führung führen dazu, dass der Oberbefehlshaber Alkibiades zu Beginn der Schlacht abgelöst wird. Er läuft zu Sparta über, das die Athenische Flotte besiegt und später den Rest der Flotte am Hellespont. Zum Ende des Bandes wird die Verurteilung und Hinrichtung des Sokrates wegen Gotteslästerung beschrieben.

Die historischen Fakten der Ereignisgeschichte lassen sich auch an anderer Stelle nachlesen. Das besondere ist der Erzählstil. Es ist ein essayartig geschriebenes Geschichtsbuch. In teils fiktiven – doch auf guter Quellenauswertung gegründeten – Szenen wird die Stimmung in Athen lebendig wider gegeben. Themistokles besucht sein Reich, indem er auf einem Sklavenmarkt und in einer Silbermine auftaucht. Zwei Seefahrer schildern sich gegenseitig, wie unglückliche Umstände sie zur Seefahrt zwangen. Und spielerisch begegnen sich die wichtigsten Personen der Epoche wie zufällig im Theater oder auf dem Markt. Lange Dialoge geben die Stimmungen und Strömungen des Zeitgeistes wieder. Die Geschichte wird authentisch und lebensnah nahegebracht, ohne dass es gleich zu einem historischen Roman wird.

Das Buch sympathisiert mit der Demokratie, deren Kraft aus einer Kombination von idealistischer, militärischer, finanzieller und sozialer Stärke entsteht. Sobald diese Säulen bröckeln, beginnt ihr Zerfall. Deswegen ist das Buch auch heute noch lesenswert, meint Leopold.

Palma de Mallorca und Valldemossa im Winter

Español: Facsímil de la obra Un hiver à Majorq...

Español: Facsímil de la obra Un hiver à Majorque (Un invierno den Mallorca) de la escritora francesa George Sand. Tomado de Un invierno en Mallorca (Inagrama Editorial, Mallorca, España (1997). ISBN 84-85932-18-8, que reproduce el original conservado en Celda Museo nº 2, Valldemosa. (Photo credit: Wikipedia)

Ein Winter auf Majorca Cover

Nun, da sich für viele der majorquinische Sommer dem Ende zuneigt, besinnt sich Leopolds Bücherkiste, ein Büchlein über Mallorca herauszurücken. George Sand verfasste „Ein Winter auf Majorca“ als  Reisebeschreibung über die Zeit, während der sie mit ihrem Freund Chopin und ihren beiden Kindern 1838 / 1839 auf der Insel überwinterte. Das Buch wurde 1855 erstmals veröffentlicht. Chopin selbst taucht nur wenige Male auf, jeweils am Rande erwähnt. Das Buch dreht sich in drei Teilen und auf 198 Seiten um die Insel. In Teil 1 lernt der Leser die geographischen, ökonomischen und kulturellen Besonderheiten kennen. Teil 2 beschreibt neben den Sehenswürdigkeiten die unrühmliche Geschichte der Kirche und steht unter dem Eindruck der gerade statt gefundenen Zerstörungen. Im dritten Teil wird das Leben in Valldemosa beschrieben. Auch hier geht es um Geschichte, es kehrt jedoch eine wohltuende Leichtigkeit in den Text ein.

Warum reist die Autorin überhaupt? Die Antwort folgt im 4. Kapitel. Dort reflektiert Sand die verschiedenen Gründe, aus denen sich Menschen entschließen, zu reisen. Ihr eigener wichtigster ist die Sehnsucht nach Ruhe. Warum dann gerade Majorca? Es steht nicht im Buch, oder ich habe es überlesen. Kapitel 1 nennt die Motive dafür, das Buch zu schreiben. Es entstand drei Jahre nach der Reise als eine Art Antwortbuch. Der Maler  J.B. Laurens hat auf einer Kunstreise Mallorca besucht und beschrieben. „Un hiver a Majorque“ ist als Kommentar zu seiner Reisebeschreibung gedacht.

Im ersten Teil beschreibt Sand die Ankunft auf der Insel im Herbst 1838 und die ersten Schritte, sich mit der Insel vertraut zu machen. Der geographische Artikel, das ist Kapitel 2, handelt von der schlechten Infrastruktur und davon, dass die Mallorquiner den fruchtbaren Boden mit einfachen Mitteln bebauen. Trotzdem ist das Getreide fein und wird nach Barcelona exportiert. Die Olivenbäume tragen reichlich, werden aufgrund des großen Angebots in Spanien jedoch zu schlechten Preisen verkauft. Außerdem gibt es Feigen, Orangen und Mandeln. Anschließend wird davon erzählt, dass eine Erlaubnis, Schweine zu züchten, Mallorca zu Reichtum führt. Tatsächlich durfte Mallorca auf das spanische Festland seit einigen Jahren Schweine exportieren. Also wurde die komplette Infrastruktur auf die Zucht und den Transport von Schweinen eingerichtet. Dies führte zu etlichen amüsanten Situationen, so als auf einem Schiff die Passagiere den Schweinen weichen mussten. Eine Erfahrung, die Sand auf der Rückreise im Frühjahr 1839 besonders eindrucksvoll erlebte. Übrigens machte gerade die Beschreibung der Schweinezucht das Buch zum Skandal, als sich 40 mallorquinische Advokaten zu einer Schmähschrift gegen das Buch veranlasst sahen.

In Kapitel 5 wird die Ankunft in Palma beschrieben. Es gibt nur wenige Herbergen, und diese sind teuer und schlecht betreut. Sie besichtigt in Kapitel sechs einige idyllische Villen, die von faulen Domestiken bewohnt werden. In den nächsten Kapitel hört sie genau hin, denn sie findet zauberhafte Worte für die Geräusche der Insel. Die Krankheit ihres Begleiters veranlasst sie dazu, Palma zu verlassen und eine neue Unterkunft im Kartäuserkloster von Valldemosa zu finden.

Der zweite Teil des Buches beschreibt die Sehenswürdigkeiten Mallorcas. „Der Charakter eines Volkes offenbart sich in Costümen und Ameublement“, und deswegen wird nochmals das Innenleben der Villen beschrieben. Die Börse, die Kathedrale werden erwähnt, wie auch der Palacio Real und die große Bibliothek. Im 3. Kapitel schlendert sie durch die Ruinen des Dominikanerklosters. Hier wird ein Erlass aus dem Jahr 1836, also 2 Jahre vor Sands Reise, erwähnt. Mit diesem Erlass wurden alle Klöster mit weniger als 12 Mönchen säkularisiert. Das führte sogar zur Zerstörung einiger Klöster. Im 4. Kapitel geht sie intensiv darauf ein. Die Geister zweier Mönche wandern durch das Inquisitionskloster. Sie unterhalten sich über Kunst und Religion. Schließlich berichtet sie im 5. Kapitel über die grausamen Verbrechen der majorquinischen Inquisition. Anschließend nochmal ein kleiner Bericht über die Geschichte des Dominikanerklosters. Sie begibt sich dabei auf Spurensuche nach Vorfahren Napoleons großmütterlicherseits, deren Wappen auf der Insel anzutreffen ist.

Der dritte und letzte Teil handelt von der Zeit in dem Karthäuserkloster in Valldemosa. Es wird von seltsamen Gestalten bevölkert. Diebe und Trunkenbolde treiben hier ihr Unwesen und auch Musikanten anlässlich des Aschermittwochsfestes, dessen Beschreibung an ein heutiges Halloween erinnert. Kapitel 2 beschreibt einen Rundgang durch das Kloster und eine kleine Geschichte der christlichen Mission in  Mallorca. Das 3. Kapitel erzählt von Catalina Tomas, der einzigen Heiligen Mallorcas, die ebenfalls in Valldemosa lebte, dort 1572 starb und 1792 selig und später heiliggesprochen wurde. Anschließend wird das Essen beschrieben, das aus 2000 Schweinefleischgerichten und ca. 200 Sorten Würsten bestand. Das meiste schmeckte so übel, dass die Reisenden sich später hauptsächlich von Trauben ernährten. Nach der Heimreise wurde Chopin rasch wieder gesund.

Eine Reisebeschreibung voller Ironie, die der Autorin half, die vielen unbequemen Überraschungen zu bestehen.

Netter Auftakt für die Herbstlektüren.